Samstag, 15. Juli 2017

Spiel mit dem Feuer

Es ist Zeit für eine weitere Geschichte!

Das waren diesmal unsere Reizwörter:
Kneipe – Fest – glücklich – raten – folgen

Bitte schaut auch bei meinen 'Mitschreiberinnen':
Foto: Rainer Sturm - pixelio.de 


Daniela öffnete die Tür und betrat die Kneipe, in der sie sich an diesem Samstagabend mit ihrer früheren Schulfreundin Sabrina verabredet hatte. Sie sei in der Stadt, hatte sie am Telefon gesagt und würde sich freuen, wenn sie beide sich kurz treffen könnten.
Daniela fragte sich in diesem Moment, warum Sabrina gerade diesen Ort dafür gewählt hatte und was sie ihr wohl zu erzählen hätte.
Es roch nach Bier und die Männer, die an der Theke hockten, musterten sie unverhohlen mit ihren Blicken. Wohl fühlte sie sich dabei nicht. Sie suchte sich einen Platz in der hintersten Ecke. Hier wurde sie nicht sogleich gesehen, hatte aber eine gute Sicht auf die Eingangstür.
„Was willst du trinken?“, rief ihr der Kneipier von der Theke aus fragend zu.
„Eine Cola bitte.“
„Kommt sofort, junge Frau!“
Daniela ließ die Tür nicht aus dem Blick. Zum einen, weil sie hoffte, ihre Freundin würde bald den Raum betreten, zum anderen wollte sie diese Tür nicht aus den Augen lassen, weil sie die einzige Möglichkeit bot, hier wegzukommen, falls es irgendwie brenzlig werden sollte. Sie war einfach nicht der Typ, der sich in einer Kneipe wohl fühlte.
Der Wirt brachte ihr die Cola an den Tisch und Daniela trank beherzt einen großen Schluck. Anschließend sah sie auf ihre Armbanduhr. Als sie wieder Richtung Tür blickte, wurde diese geöffnet. Gott sei Dank. Das war bestimmt Sabrina. Doch es sollte anders kommen. Im Gegenlicht erkannte Daniela sogleich, dass es sich um eine männliche Person handelte. Als diese sich galant auf einen Barhocker setzte, blieb ihr fast das Herz stehen. Das war Markus! Es bestand kein Zweifel daran. Er war, wie sie, 20 Jahre älter geworden, doch diese Männlichkeit stand ihm verdammt gut. Er trug einen 3-Tage-Bart und war lässig elegant gekleidet. Schon damals als Jugendlicher hatte er es verstanden, den Mädchen reihenweise die Köpfe zu verdrehen. Er war der Mädchenschwarm der Klasse, wenn nicht der ganzen Schule, gewesen. Es war schon eigenartig, dass ihr Herz schneller zu klopfen begann, als sie ihn erkannt hatte. Vielleicht würde er sich gar nicht mehr an sie erinnern. Sie war nicht der Typ gewesen, der ihn umschwärmte. Sie war die, die ihn heimlich beobachtet, sich aber nie getraut hatte, ihn anzusprechen. Jetzt war es nicht anders. Sie saß an ihrem Platz und beobachtete ihn. Er trank den ersten Schluck Bier und wischte sich den Schaum mit dem Handrücken von den Lippen. In dem Moment fiel sein Blick auf Daniela. Er schaute ihr länger in die Augen, als es ihr lieb war. Ob er sie doch erkannte? Tatsächlich! Er rutschte vom Barhocker und kam mit seinem Bierglas in der Hand direkt auf sie zu.
„Hallo, schöne Frau, so alleine?“, fragte er und fügte eine weitere Frage an: „Darf ich mich setzen?“
Bevor Daniela antworten konnte, nahm er ihr gegenüber Platz.
„Markus“, stellte er sich vor und reichte ihr die Hand.
„Daniela“, antwortete sie und war gleichzeitig enttäuscht darüber, dass sie als Jugendliche so wenig Eindruck auf ihn gemacht haben musste. Heute schien das jedoch anders zu sein. Ihm musste gefallen, was er sah, sonst säße er jetzt nicht hier. Das kleine Spielchen begann, ihr Freude zu machen.
„Lass mich raten“, meinte er: „Du wartest hier auf jemanden. Eine so hübsche Frau wie du wird ja nicht alleine sein“. - Das war dann wohl so etwas, wie eine klassische Anmache.
„So ist es!“, erwiderte sie kurz und fragte ihrerseits: „Und du? Was hat dich hierher verschlagen?“
„Frag nicht, eine Tante feiert heute Geburtstag, ein paar Häuser weiter sitzt die gesamte Familie beisammen. Mir sind derartige Feste zuwider. Aber was willste machen? Manchmal muss man Einladungen halt folgen und du, magst du Familienfeiern?“
„Durchaus. Ich fühle mich wohl mit all meinen Lieben. Mich macht es glücklich, wenn wir alle beisammen sind.“
„Soso. Und, hat so eine glückliche Frau wie du Mann und Kinder?“
„Säße ich dann an einem Samstagabend alleine in einer Kneipe?“, erwiderte sie und war sich dessen, was sie tat, durchaus bewusst.
Seinem Gesichtsausdruck entnahm sie, dass ihre Antwort ihm gefiel. Vielleicht machte er sich Hoffnung, ganz nach dem Motto: Da geht noch was.
„Und du? Gibt es bei dir Frau und Kinder?“
„Säße ich dann hier mit dir an diesem Tisch?“
Vielleicht, dachte sie, sagte es aber nicht.
„Was denkst du, wollen wir nicht woanders hingehen? Der Abend ist noch jung und du bist viel zu schön, um hier in der dunklen Kneipe zu versauern. Darf ich dich auf einen Drink in mein Hotel einladen? Dort gibt es eine tolle Cocktailbar. Nicht so miefig wie hier.“
Markus wusste natürlich um seine Wirkung auf Frauen und schien sich seiner Sache sehr sicher. Die Tatsache, dass sie offensichtlich auf jemanden wartete, ignorierte er völlig. Daniela überlegte kurz, wie weit sie dieses Spielchen mitmachen wollte, als er sie drängte: „Wie schaut’s aus, wollen wir?“
Just in dem Moment öffnete sich die Tür und Sabrina betrat mit einem: „Hallo zusammen!“, den Schrankraum. So war sie, wo immer sie auftauchte, stand sie im Mittelpunkt.
Daniela hob den Arm, um auf sich aufmerksam zu machen. Sabrina kam schnellen Schrittes auf sie zu, stoppte dann jedoch abrupt, als sie sah, dass ihre Freundin aus Schultagen nicht alleine am Tisch saß. Sabrinas Blick entnahm Daniela, dass ihre Freundin Markus sofort erkannt haben musste.
„Ich fasse es nicht!“, zischte Sabrina. „Ich suche dich überall und du sitzt hier mit Daniela am Tisch.“
„Ihr kennt euch?“, fragte er und schaute von einer zur anderen.
„Ja klar! Sag nicht, dass du sie nicht erkannt hast. Wir gingen doch alle in die gleiche Schule. Du warst zwei Klassen über uns. Aber da frage ich mich doch: Was machst du an ihrem Tisch, wenn du sie nicht einmal erkannt hast und warum bist du überhaupt abgehauen?“
Sabrina sah Markus mit blitzenden Augen an.
„Ihr seid ein Paar?“, fragte Daniela verdutzt.
„Nicht nur das!", zischte Sabrina und knallte einen Umschlag auf den Tisch. Darin steckte die Einladung zur Hochzeit.  


Kommentare:

  1. Hui, jui, jui, jui, jui
    würde meine Schwester jetzt sagen. Das sagt sie immer, wenn sie beeindruckt ist und ihr etwas gefällt, was ihr inhaltlich eigentlich nicht gefällt. Etwas verworren? Stimmt, aber gut! Deine Geschichte lässt mich mit eben diesem Hui .... zurück. Sie gefällt mir, sie beeindruckt mich, aber so ein bisschen Wut ist auch dabei. Ich will aber nicht zu viel vorwegnehmen im Kommentar. Bin gespannt, wie es anderen LeserInnen ergeht!
    Liebe Grüße und Daumen hoch
    Regina

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  2. Da ich erst nach dem lesen kommentiere, sage ich "wow" mit einem breiten Grinsen.
    Eigentlich musste es ja so kommen, aber am Anfang habe ich es nicht erwartet. Der war mir dann doch zu forsch und da wurde es mir klar, dieser `Ganove`, darauf fällt Frau doch nicht rein.
    Martina, wieder Klasse!
    Herzlichst Klärchen

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  3. Wow, Martina - diese Geschichte könnte fast von mir stammen! **grins** Mit DEM Schluss habe ich nun wahrhaftig nicht gerechnet! Die Spannung ist fast mit Händen zu greifen - und dann dieser "Schuss aus dem Hinterhalt" ... Klasse. Mein Kompliment!
    Liebe Grüße
    Christine

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  4. Das war klasse, liebe Martina. Das Ende ist umwerfend und ich denke, niemand hätte mit diesem Ende gerechnet. Man wäre am liebsten Mäuschen gewesen, um dieser Begegnung beiwohnen zu können. Ich möchte nicht wissen, was Markus jetzt noch blüht. Ohje, ohje!
    LG
    Astrid

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  5. Wow, da geht bestimmt ein gewaltiger Krach los. Manche Kerle können es einfach nicht lassen.In seiner Haut möchte ich nicht stecken. Liebe Grüße Eva

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  6. Ahhhh, ich muss lachen.
    Ja, fies gelaufen. Aber mit jugendlichen Erinnerungen ist das halt so eine Sache.
    Super geschrieben, hab mich gut amüsiert.

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  7. Erwischt!!!, Hoffentlich überlegt sich Sabrina das noch mit der Hochzeit. LGLore

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  8. Ach, das ist ja ein überraschender Schluss. Das geht nicht gut für Markus aus.
    LG Elke

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  9. Das war jetzt eine überraschende Wendung!*lach* Klasse! Danke Martina für diese wunderbare Unterhaltung!
    ♥lich Claudia

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  10. uiuiui..
    ;)
    so kann es gehen.. hihi
    manche Kerle strotzen aber auch nur so vor Selbstüberschätzung
    irgendwann bekommen sie einen auf den Deckel..
    tolle Geschichte ;)
    liebe Grüße
    Rosi

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  11. Liebe Martina,
    habe mir deine Geschichte für einen besonderen Moment aufgehoben. Und der war gerade. Sie diente mir als Gesellschaft für mein (heute einsames) Mittagessen.
    Sehr schön wie du die Sache aufbaust. Ich lese zurzeit einen Roman, da geht es auch um Frauenfreundschaften. Wie schnell man Menschen, die einem in einer bestimmten Lebensphase wichtig waren aus den Augen verlieren kann, man manchmal an sie denkt und sich oft davor scheut wieder Verbindung aufzunehmen. Dachte erst das geht vielleicht auch in diese Richtung. War denn über die Wendung überrascht und musste am Schluss lachen. Tja, dumm gelaufen.
    Danke für die schöne Unterhaltung!

    ♥ ♡ ♥ ♡ ♥ ♡ ♥
    Herzlich grüßt
    Uschi

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