Sonntag, 1. Januar 2017

Geben ist schöner, denn nehmen

Herzlich willkommen 
im neuen Jahr 
und
herzlich willkommen 
hier in meinem Bloghaus zur 
1. Reizwörtergeschichte im Jahr 2017!

Da bin ich ja mal gespannt,-
ob heute überhaupt jemand zu Besuch kommt.

Ich lass mich mal überraschen 
- auch davon, wer von meinen Mitschreiberinnen heute an Bord ist -
und aus diesen Reizwörtern:

Rasselbande – Knöpfe – bauen – vorstellen – blümerant

eine Geschichte gezaubert hat.

Vielleicht
Christine oder Eva oder Lore oder Regina?


Bildergebnis für gifs schneemann

Zunächst einmal müsst ihr wissen, dass mein Zuhause der Garten der Familie Lüdecke ist. Die Kinder der Lüdeckes haben mich gebaut. Ein paar Tage vor dem Weihnachtsfest begann es nämlich zu schneien, und in Nullkommanix hatte mich die Rasselbande auf die Beine gestellt. Auch wenn ihr mich nicht persönlich kennt, so könnt ihr euch sicher vorstellen, wie ich ausschaue – ich bin nämlich ein Schneemann. Ein besonders schöner und ein wahres Kunstwerk obendrein. Passt auf, ich erkläre es euch genauer: Sechs Haselnüsse zieren meinen Bauch. Es sieht tatsächlich so aus, als trüge ich eine Jacke mit edlen Knöpfen. Wenn ihr mir gedanklich nun bitte ein kleines Stückchen noch oben folgen würdet, weil ihr so sehen könnt, dass ich einen kunterbunten Schal trage. Er stammt von Lotta. Ihre Oma hat ihn für sie gestrickt, doch Lotta sagt, dass er kratzt. Also, mich kratzt er nicht. Ich freue mich über ihn. So, nun geht es weiter zu meinem Gesicht. Beginnen wir mit meinem Mund. Er ist echt scharf, weil Pascal zwei Peperoni dafür aus der Küche geholt und mir daraus einen roten Mund gemacht hat. Meine Nase besteht natürlich aus einer Möhre und meine Augen sind in Wahrheit zwei kleine Äpfel. Nett, oder? Und bevor ich es vergesse: Auf dem Kopf trage ich einen Schlapphut. Er ist aus Leder und gehörte Opa Alfons. So, nun wisst ihr genau, wie ich ausschaue, nur meinen Namen, den kennt ihr noch nicht, ich verrate ihn euch gerne – aber erst später.
Wenn ihr im Augenblick gerade nichts Besseres zu tun habt, könnte ich euch davon erzählen, was ich in der Heiligen Nacht so alles erlebt habe.  
Passt also auf: Ganz in meiner Nähe steht eine wunderschöne Tanne. Die Lüdeckes haben sie geschmückt und eine Lichterkette angebracht. Sie brennt die ganze Nacht hindurch. Das gefällt mir. In der Heiligen Nacht war es ganz besonders still. Niemand schien außer mir noch draußen zu sein. Doch ich hatte mich getäuscht.
Plötzlich vernahm ich in der Nähe der Tanne eigenartige Geräusche. Bald kam ein Eichhörnchen zum Vorschein und ich beobachtete sein Treiben. Es machte sich unter der Tanne zu schaffen. Ich rief ihm zu: „He, du, was machst du denn da?“
„Ich suche, … ich suche …, ich suche …“
Weiter kam es vor lauter Aufregung nicht. Erst als ich fragte: „Ja, was suchst du denn?“, erhielt ich eine Antwort.
„Die Nüsse, suche ich, die ich im Herbst hier verbuddelt habe. Oder war es vielleicht doch an einem anderen Platz? Ich kann mich einfach nicht erinnern. Aber heute ist doch Heiligabend. Ich kann doch nicht ohne Nüsse nach Hause kommen. Was mache ich nur, was mache ich nur?“
Ich hörte aufmerksam zu und sah, wie verzweifelt das Eichhörnchen nach den Nüssen suchte. Deshalb rief ich es zu mir. Als es näher kam und meine Knöpfe entdeckte, freute es sich und rief: „Ja, da sind sie ja! Wie kommen sie nur dahin?“
„Nimm sie nur“, habe ich geflüstert und ihm und seiner Familie ein frohes Weihnachtsfest gewünscht.
Doch kaum war das Eichhörnchen davon gerannt, hoppelte ein Schneehase vor meinen Füßen herum. Fast hätte ich ihn nicht gesehen. Einzig seine Augen konnte ich erkennen. Das war zunächst ein bisschen unheimlich. Als er mich jedoch anbettelte, ob er vielleicht meine Möhrennase haben könnte, weil er hungrig sei, konnte ich gar nicht anders. Ich habe so doll geniest, bis die Mohrrübe im hohen Bogen von meinem Kopf flog – genau vor seine Füße. Er hat die Möhre direkt vor Ort verspeist und hoppelte anschließend gesättigt davon.
Und wenn ihr nun denkt, in der weiteren Nacht blieb es still, täuscht ihr euch. Es ging in meinem Garten zu, wie auf einem türkischen Basar. Plötzlich stand hungrig ein Esel vor mir, der noch vor ein paar Stunden bei der lebendigen Krippe mitgewirkt hatte. Er war ein bisschen enttäuscht, weil ich keine Nase mehr hatte, doch er fragte höflich, ob er sich wohl bei den Äpfeln bedienen dürfte. Ihr ahnt sicher schon, dass ich es ihm gerne erlaubt habe.
Nun stand ich dort: ohne Knöpfe, ohne Augen und ohne Nase. Aber ich hatte ja noch meinen Mund, einen Hut und einen Schal.
Es dauerte gar nicht lange, bis ein weiterer weißer Geselle vor mir stand. Selbst aufrecht war er nicht sonderlich groß. Er verneigte sich freundlich und stellte sich mit folgenden Worten vor: „Guten Abend, Herr Schneemann, wenn Sie mich erlauben, würde ich mir Ihnen gerne vorstellen. Mein Name ist Mustela nivalis. Meines Zeichens bin ich ein Wiesel. Ich wohne mit Frau und Tochter ganz in Ihrer Nähe und weil doch heute Heiligabend ist, da schickt mir die liebe Frau zu Sie, um zu fragen, ob Sie vielleicht Ihren Schal entbehren könnten für unser Töchterlein. Es würde mir sehr freuen, wenn Sie es mich gibten. Sie müssen wissen, mein Töchterchen heißt Zitterella. Seit sie geboren wurde, zittert sie. Immer ist ihr kalt und so ein Schal, wie der Ihrige, Herr Schneemann, ….“
„Schon gut, schon gut“, fiel ich ihm ins Wort. Mir wurde schon ganz blümerant bei seiner Wortwahl. „Krabbele nur zu mir herauf und bedien dich. Wäre doch schön, wenn der kleinen Zitterella genau am Heiligabend warm ums Herz würde.“
Was soll ich euch sagen, nun stand ich dort, halb nackt. Viel war es nicht mehr, was ich anderen hätte bieten können, doch selbst für den alten Hut fanden sich noch Liebhaber. Hört nur zu!
Aufgeregt kamen Herr und Frau Spatz direkt auf mich zugeflogen. Sie hätten nicht viel Zeit mitgebracht, erklärte Frau Spatz überspannt. Es seien nun doch mehr Familienmitglieder zur Feier erschienen, als zunächst geplant gewesen sei. Als ich ihr erklärte, dass ich ihr nur noch zwei Peperoni anbieten könnte, winkte sie ab. „Nein, zu essen haben wir genug. Die Familie hat zum Fest das Vogelhäuschen besonders prall gefüllt. Das ist nicht unser Problem. Aber die Übernachtungsmöglichkeiten gehen uns aus. Wenn wir vielleicht ihren Hut …“ „Natürlich, liebe Frau Spatz, bedienen Sie sich“, rief ich aus. Bald darauf flog das Ehepaar zurück zur Familie – zwischen ihnen schwebte mein Hut davon.
Die beiden hatten übrigens großes Glück, dass der Fuchs, der sich plötzlich im Garten zu schaffen machte, sie nicht erwischt hatte. Vorwitzig kam mir der alte Schlawiner aufdringlich nahe.
„Na, Herr Schneemann“, säuselte er und unterdrückte dabei ein Kichern, „sie sehen ja ziemlich mitgenommen aus.“
„Machen Sie sich um mich nur keine Sorgen, Herr Fuchs“, antwortete ich freundlich, „ich gebe gerne. Schließlich ist heute Heiligabend. Wie wäre es, wenn ich Ihnen das Letzte, was ich besitze, zur Verfügung stellte?“
„Und was wäre das?“
„Peperoni“, antwortete ich wahrheitsgemäß und fügte an: „Sie gehört zur Familie der Paprika und soll sehr gesund sein.“
„Ja dann. Nur zu. Schmeiß runter, das Zeug.“
Gesagt – getan.
Könnt ihr euch vorstellen, wie der listige Fuchs geschaut hat, als er heißhungrig in die Peperoni biss? Laut fluchend lief er Richtung Wald. Sein Schimpfen war weithin zu hören.
Sagt, hatte ich nicht einen unglaublichen Heiligabend? So viele Tiere konnte ich beschenken. Auch wenn ich selbst nichts außer einem herzlichen Dank bekommen habe, so bin ich doch Felix – der Glückliche!

© Martina Pfannenschmidt, 2017


Auch diese Geschichte
nimmt an
teil!

Kommentare:

  1. Liebe Martina
    Zuerst möchte ich dir ein glückliches, neues Jahr 2017 wünschen,
    vor allem Gesundheit.
    Deine Reizwortgeschichte finde ich ganz toll, habe sie aufmerksam gelesen und freue mich immer wieder über deinen Ideenreichtum und dein Talent, diesen auch so gut umzusetzen.
    Ich muss mal bei dieser Linkparty vorbeischauen.
    Lg und einen gemütlichen 1. Jänner 2017
    Sadie

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  2. Liebe Martina,
    danke für diese wundervolle Geschichte zum Jahresbeginn.
    Es ist schon so: Geben ist seliger denn nehmen.
    Einen guten Start in das Neue Jahr wünscht
    Irmi

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  3. Liebe Martina,
    ein frohes neus JKahr dir und deiner Familie und recht herzlichen Dank für diese bezaubernde Geschichte vom glücklichen Felix!
    Herzliche Grüße und alles Liebe
    Regina

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  4. Sehr nette Geschichte. Ein guter Anfang fürs neue Jahr! LG aus Wien

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  5. Ganz wunderbar, deine Geschichte zum Neuen Jahr liebe Martina und wer weiß, vielleicht geht es dem Felix doch noch ähnlich dem Sterntalermädchen und es kleiden ihn in den rauhen Nächten winzig kleine Eiskristalle, die weithin glitzern und die Menschen erfreuen :-) Frohes Neues Jahr

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  6. wunderschön deine Geschichte..
    ich konnte es mir richtig vorstellen ..
    hoffentlich bleibt es noch etwas kalt
    und Felix der Glückliche wird wieder eingekleidet ;)

    jaa.. geben ist seeliger als nehmen

    ich wünsche dir ein gutes friedvolles und gesundes neues Jahr
    Rosi

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  7. Das ist eine wunderschöne Geschichte und danke für den Link. Ich danke auch für deine lieben Wünsche zum Geburtstag, für deine zahlreichen Kommentare auf meinem Blog und wünsche dir ein schönes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2017!
    LG Elke

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  8. Liebe Martina,
    Dein Schneemann ist wirklich ein sehr großzügiges Kerlchen! Ob ICH ausgerechnet am Heiligen Abend halbnackt draußen in der Kälte stehen möchte, wage ich schon zu bezweifeln!
    Aber Felix ist glücklich - und ich bin es auch. Denn Deine Geschichte ist sooooo niedlich...
    Liebe Grüße - und ein schönes, zufriedenes und problemfreies Jahr!
    Christine

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  9. Ach was für ein lieber Schneemann, der soviel abgegeben hat, das er nackt dastand. wer macht das schon so selbstlos, na der Felix. Eine süße Geschichte ist Dir da eingefallen.Etwas schönes für Kinder, aber auch Erwachsene...zwinker. leider sind meine Enkel schon groß.
    Dir alle guten Wünsche für das Jahr und weiter so schöne Geschichten, herzlichst klärchen

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  10. hallo Martina,
    eine wunderschöne Geschichte, passend zum Jahresbeginn!
    Ich wünsche Dir auch ein gutes neues Jahr!
    liebe Grüße
    Gerti

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  11. Liebe Martina,
    eine süße Geschichte.Geben macht oftmals glücklicher als nehmen - das habe ich auch schon festgestellt.
    Ich wünsche dir alles Gute für das neue Jahr.
    Alles Liebe,
    Christine

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  12. Liebe Martina, Felix hat so Viele glücklich gemacht, bis auf letzte Hemd, wie man sagt. So schön, Martina. Gutes Neues Jahr und ich freue mich, dass wir Mädels uns haben, herzliche Grüße Eva

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  13. Liebe Kartina...
    felix der Glückliche weil er geben konnte, er hatte was anderen fehlte und gab gerne!
    Vieles was man denkt, was einen Ansporn gibt nachzudenken kann man in so einer schönen Geschichte verpacken, nachdenklich machen und das Bewusstsein schärfen wie eigensüchtig man doch meist ist, sich festhält an Dingen die anderen eine Freude machen und die sie dringend zum überleben brauchen ohne dass wir es wissen.
    Eine ganz entzückende Geschichte über einen der wirklich glücklich ist, denn geben war schon immer besser als nehmen, denn es kommt ehrlich und von Herzen.
    Mögen unsere herzen sich nicht verhärten sondern auch in diesem Jahr für viele öffnen, es wohnt der reine FRiede darin.
    meine besten Wünsche für dich begleiten dich ins neue Jahr das du mit dieser postiven Geschichte eröffnet hast.
    herzlichst Angel...
    auch die TRaurigkeit und der Verlust eines lieben menschen eröffnet neue Perspektiven die Welt und sich mit anderen Augen zu sehen...
    mein Dank dir und deinen Gedanken...

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  14. Liebe Martina,
    auch, wenn ich erst heute zum Lesen komme, DANKE für diese wunderschöne Geschichte!
    Gestern blieb der PC aus, bevor der Alltag wieder beginnt, haben wir es uns nochmal so richtig gemütlich gemacht ;O)
    Ich wünsche Dir ein frohes , glückliches, kreatives und vor allem gesundes neues Jahr 2017 und einen guten Start in die erste neue Woche!
    ♥ Allerliebste Grüße,Claudia ♥

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  15. Liebe Martina,
    erstmal einen dicken Drücker für diese herrliche Geschichte.
    Die werde ich mir ausdrücken und heute als Gutenachtgeschichte verwenden.
    Auch für das neue Jahr schicke ich dir auf diesen Weg viele Glückswünsche mit. Gesundheit, Glück, weiterhin viel Freude am Geschichten erfinden, all das soll dich jeden Tag begleiten und dir viele schöne Momente bescheren.
    Auch möchte ich dir von Herzen für all die lieben Kommentaren danken, die mir immer große Freude bereiten.
    Hab vielen Dank.
    Allerliebste Grüße,
    deine Manuela

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  16. Liebe Martina,
    da bei mir momentan wieder einmal die Zeit knapp ist (beide Mütter sind da), komme ich erst heute zum Lesen und Kommentieren Deiner Schneemanngeschichte. Da hast Du Dir wieder einmal etwas sehr Schönes einfallen lassen. Ich habe sie sehr gerne gelesen und zum Schluss war auch ein kleines bisschen Schadenfreude dabei. Ja, ja der Fuchs, er denkt er sei so schlau, aber dann ist er doch auf die Peperoni und seine Gier hereingefallen.
    Ich schicke Dir herzliche Grüße aus dem neuen Jahr und lasse selbstverständlich meine besten Wünsche hier.
    Astrid

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  17. Süß, liebe Martina!
    Auch wenn ich Füchse mag und ihm etwas Schmackhafteres als Pepperoni vergönnt hätte ;-) - aber alle andere Tierchen wurden auf jeden Fall sehr glücklich mit den Schneemanngaben - und der Schneemann selbst wurde es ja auch, weil ihn das Geben glücklich machte :-)
    Danke für die schöne Geschichte!
    Und dank dir auch sehr für deine lieben - und auch traurigen - Zeilen bei mir. Es tut mir sehr leid, dass ihr kurz vor Weihnachten einen lieben Menschen verloren habt. Lass dich von mir umarmen... manchmal ist das Leben hart... Ich bin froh, dass ihr aber im Jahr 2017 gut angekommen und voller Hoffnung seid! Und so wünsche ich dir und den Deinen ein wunderbares und kreatives Neues Jahr, diesmal ohne traurige Ereignisse!
    ∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗
    Alles Liebe und einen angenehmen Dreikönigs-Abend,
    Traude
    ∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗♥∗

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  18. Liebe Martina,
    auch hier will ich Dir noch ein gutes Neues Jahr wünschen, Glück und vor allem Gesundheit! Ich freue mich, Deinen Blog gefunden zu haben und auf ein weiteres gemeinsames Bloggerjahr! Leider bin ich z.Zt. eingeschränkt, was das Bloggen betrifft, da ich mich u.a. wegen meiner kranken Mutter viel unterwegs bin.
    Aber wir lesen uns - Dein Geschichten gefallen mir auch immer sehr! Ich bin begeistert von Deinem Talent!

    Viele liebe Grüße
    Sara

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