Donnerstag, 17. August 2017

Dumm aus der Wäsche schauen

Unsere Enkelkinder haben ja noch Ferien und so durfte gestern jede eine Freundin zum Übernachten einladen. Da wir zusammen in einem Haus wohnen, sind mir die Freundinnen bekannt und ich kenne auch ihre Vornamen, doch welche Familien dahinter stehen, weiß ich nicht unbedingt.
Freunde bilder
Die Freundin der Großen wurde heute von der Oma abgeholt. Ich bekam das mit, weil ich mich gerade draußen auf dem Hof aufhielt. – Als ich die Oma sah, dachte ich: Das kann doch nicht wahr sein. Auch wenn wir uns fast 40 Jahre lang nicht mehr gesehen hatten, erkannten wir uns dennoch – auf den zweiten Blick 😊 - und unsere Enkelkinder schauten ziemlich dumm aus der Wäsche, denn: Wir waren damals Kolleginnen - und heute sind unsere Enkeltöchter miteinander befreundet. 
Solche Zusammenhänge faszinieren mich!



Dienstag, 15. August 2017

Großtante Gertrud

Kartoffelsalat – Treppenstufe – verschwinden – öde - glühend

Das sind die Reizwörter,
die in meiner Geschichte und in denen von
zu finden sind.

Die Fotos stammen von Klärchen.
Danke dafür!



„Mensch, Pia, wenn jemand dein Gesicht sieht, könnte er denken, du hättest ein schlechtes Zeugnis bekommen.“
„Hab ich aber nicht“, maulte Pia ihre Mutter an.
„Ja, weiß ich doch. Ich weiß nur nicht, warum du schaust, wie 7 Tage Regenwetter?“
Darauf antwortete Pia nicht. Das konnte sich Mama ja wohl denken. Anstatt in den Urlaub, fuhren sie in dieses öde Kaff. Pia wollte sich nicht einmal den Namen dieses Ortes merken.
Vorhin auf dem Pausenhof war sie ständig gefragt worden: „Und, Pia, wohin fährst du in diesem Jahr in den Urlaub?“
Sie konnte einfach nicht die Wahrheit sagen. Das wäre ihr zu peinlich gewesen. Deshalb hatte sie behauptet, sie wollten ganz spontan entscheiden, wohin die Reise gehen solle. Dabei stand längst fest, dass sie das Haus von Mamas Großtante Gertrud ausräumen mussten. Mama hatte es ganz unerwartet geerbt und nun hatte sich ein Käufer dafür gefunden.
„Weißt du, ich habe so viele schöne Sommermonate bei meiner Großtante verbracht“, versuchte Mama, ihre Tochter aufzumuntern, „und ich bin ganz sicher, dass es auch dir dort gefallen wird.“
Pia warf ihrer Mutter einen viel sagenden Blick zu. Das würde niemals geschehen! Was sollte sie überhaupt machen in dieser Einöde, wo sie keinen Menschen kannte?
Einen Tag später standen sie vor dem kleinen Häuschen. Es war wirklich in die Jahre gekommen, doch es schien, als hätte der Käufer erkannt, dass sich hinter der maroden Fassade ein liebevolles Zuhause befand.
Papa öffnete die Haustür und Pia wich einen Schritt zurück.
„Hier bleibe ich nicht. Hier stinkt’s“, verkündete sie und stapfte Richtung Auto.
„Pia, bitte, komm zurück. Es riecht hier so eigenartig, weil lange nicht gelüftet wurde. Wir öffnen schnell alle Fenster und du wirst sehen, bald hat sich das Problem wie von selbst gelöst“, meinte Mama.
„Nee, ganz sicher nicht“, erwiderte Pia patzig, „es riecht nach alt und das lässt sich durch Lüften bestimmt nicht ändern.“
Mama und Papa wechselten einen Blick und gingen ohne einen weiteren Kommentar ins Haus. Bald darauf standen alle Fenster weit offen. Pia setzte sich derweil auf die Treppenstufen, die zum Haus führten. Es war einfach nicht zu fassen, dass sie jetzt hier herum saß und all ihre Freundinnen sich irgendwo in der Sonne aalten. Warum musste ausgerechnet ihre Mutter dieses blöde Haus erben? Vielleicht spukte es sogar darin! – Ein kalter Schauer lief ihr bei diesem Gedanken über den Rücken.
Bald darauf verspürte Pia Hunger. Doch zum Essen würde sie ins Haus gehen müssen und das wollte sie ja eigentlich nicht, doch gerade in dem Augenblick rief Mama: „Pia, es gibt Kartoffelsalat und Würstchen. Papa und ich, wir essen jetzt. Wenn du auch Hunger hast, müsstest du herein kommen.“
Pia schlich in die Küche und ließ ihren Blick schweifen. Wie das hier aussah! Alles war uralt und richtig schäbig. Sie konnte sich gar nicht vorstellen, dass die alte Tante und auch ihre Mutter es hier schön fanden. Sie fand einfach alles grauenhaft. Doch irgendwie begriff sie, dass aller Widerstand nichts nutzte. Für ein paar Tage saß sie hier fest.
Da es keine Spülmaschine gab, musste Pia nach dem Essen sogar das Geschirr abtrocknen. Es fühlte sich wirklich so an, als sei in diesem Haus die Zeit stehen geblieben.
Bald darauf begannen Mama und Papa mit den ersten Aufräumarbeiten. Das Kind entschied, das Haus einmal genauer in Augenschein zu nehmen. Irgendwann gelangte Pia über eine schmale und knarrende Holztreppe in den Bodenraum. Duster war es hier und stickig. Sie zog einen alten Hocker unter das kleine Dachfenster, um es öffnen zu können. Anschließend sah sie sich in dem staubigen Raum um. Was hier alles herumstand! Unfassbar! Einige Dinge kannte sie überhaupt nicht. Es würde bestimmt Wochen dauern, bis ihre Eltern das alles entsorgt hätten.
Vorsichtig öffnete Pia den Deckel eines alten Koffers. Einige vergilbte Spiele und eine Puppe kamen darin zum Vorschein. Die Puppe trug ein braunes Kleid mit einer hellen Schürze. Als Pia sie aus dem Koffer nahm, öffneten sich ihre Augen. Das Mädchen fragte sich in diesem Moment, wie lange die Puppe wohl schon hier oben gelegen haben mochte.
„Es werden wohl bald 70 Jahre sein“, sagte daraufhin eine Stimme. Pia drehte sich abrupt um und erschrak. Sie erkannte es nicht deutlich, doch sie nahm eine helle Gestalt wahr, bei der es sich um eine alte Frau handeln musste.
„Entschuldige bitte, wenn ich dich erschreckt habe“, meinte die alte Dame. „Du musst Pia sein, die Tochter meiner Großnichte. Ich habe dich als ganz kleines Mädchen einmal gesehen. Außerdem hat mir deine Mutter in jedem Jahr zum Weihnachtsfest geschrieben und ein Foto von dir beigelegt. Daher kenne ich dich. Aber du kannst dich gewiss nicht mehr an mich erinnern. Ich bin Tante Gertrud.“
Pia hatte es gewusst: Hier spukt es! Starr vor Schreck war sie weder in der Lage, zu schreien, noch, sich zu bewegen und diesen Raum zu verlassen.
„Es ist bestimmt komisch für dich, mich hier zu sehen. Weißt du, Pia, ich wollte gerne noch eine Weile in diesem Haus sein, bevor es der Käufer umbaut und es sich verändert. Ich dachte, hier auf dem Dachboden wird mich niemand finden. Das war, wie es scheint, wohl dumm von mir. Kinder sehen halt Dinge, die Erwachsene nicht mehr wahrnehmen können.“
Pia war immer noch nicht in der Lage, zu reagieren. Aber ganz so schaurig fand sie die Situation jetzt nicht mehr. Außerdem wurde die Gestalt immer deutlicher für Pia, je länger sie hinschaute.
„Das ist Marie“, sagte die Tante und zeigte auf die Puppe, die Pia noch immer in ihren Händen trug. „Ich habe sie so sehr geliebt. Du musst wissen, dass wir früher nicht so viele Spielsachen hatten, wie ihr heute. Nach dem Krieg hatten die Menschen wenig Geld. Aber wir Kinder hatten viel Fantasie und fanden immer etwas, was und womit wir spielen konnten. Weißt du, was ‚knickern’ bedeutet?“, fragte die Tante. Das Mädchen schüttelte mit dem Kopf.
„Pia, wo bist du?“, rief Mama in diesem Augenblick und eine Treppenstufe knarrte. 
„Wenn du möchtest, erzähle ich dir später mehr davon“, flüsterte Tante Gertrud noch schnell, bevor sie in einer dunklen Ecke verschwand.
 „Was machst du denn hier oben?“, fragte Mama, als sie den Raum betrat.
„Ich? Ich hab diese Puppe hier gefunden“, antwortete Pia schnell und hielt sie ihrer Mutter entgegen. Mit glühenden Wangen fügte sie hinzu: „Sie hat bestimmt deiner Tante Gertrud gehört.“
„Ja, ganz sicher sogar“, entgegnete Mama. „Weißt du was, die nehmen wir mit nach Hause, als Erinnerung an meine Tante.“
Mama sah sich um und seufzte. Es gab wirklich noch viel zu tun. „Kommst du wieder mit runter?“, wollte sie von Pia wissen.
„Nee, ich bleib noch ein bisschen hier oben und schau mich weiter um. Irgendwie find ich es doch ziemlich cool hier.“
Mama grinste. Schade, dass sie nicht sehen konnte, dass auch über Tante Gertruds Gesicht ein Lächeln huschte.


Sonntag, 13. August 2017

Frage 11: Kannst du dich gut von Dingen trennen?

Ich weiß, dass es jetzt eine Bloggerin gibt, die schmunzelt, weil sie genau weiß, dass ich durch ein Gespräch mit ihr auf diese Frage gekommen bin. J
Wie ich euch schon erzählt habe, renovieren wir unser Schlafzimmer und bekommen in dem Zug auch neue Möbel. Das heißt: Alle alten Schränke mussten ausgeräumt werden und ich staunte nicht schlecht, was da alles zum Vorschein kam.
Da wir ganz bewusst weniger Stauraum im neuen Schlafzimmer haben werden, müssen wir uns von vielen Dingen trennen und das ist auch gut so. – Immer mal wieder räume ich auf und aus, denn eines ist nicht zu unterschätzen: 


Alles gibt seine Energien ab.

Foto: Pixelio.de/Margot Kessler

Manche Menschen hüten viele Schätze aus Kindertagen. Einige bewahren Liebesbriefe auf. Daran kann doch nichts Schlechtes sein – oder doch?
Wenn wir Dinge aus Kindertagen aufheben, sollten wir uns vielleicht fragen, warum wir das tun. Haben wir Angst, die Verbindung zu früher und zu den Menschen, an die wir dabei denken, völlig zu kappen? Halten wir mit den Objekten eine unsichtbare Verbindung aufrecht?
Wenn die Tage unserer Kindheit glücklich waren, wird der Gegenstand keine negativen Energien abgeben. Doch wie sieht es aus, wenn das Objekt mit vielleicht traurigen Erinnerungen verbunden wird? Was macht es dann mit uns, wenn wir es betrachten? – Was macht es mit uns, wenn wir spüren, dass diese Zeit vorüber ist und nicht zurückkommen wird?


Foto: pixelio.de/Rainer Sturm


Auch bei den Liebesbriefen! 
Warum heben wir sie auf? 

Um uns an die schöne Zeit zu erinnern? Klar! Doch beim Lesen dieser alten Briefe passiert etwas mit uns. - Vielleicht machen sie uns ebenfalls traurig, weil wir erkennen, dass es so wie damals nicht mehr ist. Oder ist es ganz anders und bei der Erinnerung kommen Gefühle hoch, die wir gerne wieder aufleben lassen möchten?

Denkt ihr auch über derartige Dinge nach 
und trennt euch ganz bewusst von einigen Erinnerungsstücken, 
weil die Energien euch beeinflussen könnten, 
nicht mehr zu euch passen 
oder die Dinge 
einfach abgeschlossen werden sollten?

Magst du davon erzählen?


Varis: Ich bin ein Mensch, der sich auf die Gegenwart konzentriert und Gegenstände aus der Vergangenheit nicht hortet. Die Vergangenheit trägt man im Herzen und sie wird immer ein Teil von einem sein, aber das Leben spielt sich im Hier und Jetzt ab. 
Martina: Dem ist nichts hinzuzufügen. :-)
Klaudia: Ein sehr interessantes Thema...jedoch habe ich bisher nicht noch wirklich drüber nachgedacht. Leider horte ich viel zu viel....und das werde ich mir mal mehr bewusst machen und in Angriff nehmen;-).
Martina: Das freut mich, dass du darüber nachdenken möchtest.
Regina: Seit ich die sechzig überschritten habe, bin ich ein wenig gründlicher im Aussortieren geworden. Manchmal denke ich: Wenn ich mal nicht mehr da bin, wer will diesen ganzen "Mist" entsorgen und will ich eigentlich, dass andere (auch meine Kinder) darin herumwühlen? Nee, will ich nicht. Deshalb trenne ich mich von Dingen (auch alten Briefen), die nicht unbedingt für andere Augen bestimmt sind. Auch bei den Büchern habe ich schon angefangen. Bücher, die ich nie und nimmer mehr lesen werde, bringe ich entweder in die öffentlichen Bücherschränke oder entsorge sie im Papiermüll, wenn sie vermutlich auch niemand anders lesen will. Einmal habe ich eine ganze Kiste einer Frau geschenkt, die damit so Bücherkunst macht, also Staubfänger, die dann Wörter wie LOVE oder sowas bilden. Hast du bestimmt schonmal gesehen ...
Mit Kleidung bin ich noch vorsichtig, habe ja verschiedenen Größen in meinem Kleiderschrank, die immer mal wieder passen könnten - alles bis Größe 42, also die Elfengrößen, habe ich aber bereits verschenkt, eine Elfe werde ich wohl nicht mehr werden.
Martina: Lach! Das kenne ich. Auch in meinem Kleiderschrank gab es verschiedene Größen. Heute nicht mehr. Es ist, wie es ist und gut! - Was du schreibst, macht mich nachdenklich und ist ein Aspekt, den man bedenken sollte. - Ich weiß von einem Fall, wo das ganze Haus voll ist von Dingen, die die Mutter nicht wegwerfen konnte (wie sie immer gesagt hat). Jetzt tun sich die Kinder schwer damit, diese zu entsorgen, weil es ja Dinge sind, die der Mutter wichtig waren. - Ich habe in dieser Hinsicht nichts mehr, woran ich mein Herz hängen könnte - außer den Menschen, die zu meiner engsten Familie gehören!
Sophia: Trennen von Dingen, Puh..
Ich bin in meinem Leben schon so unglaublich oft von einem Ort zum nächsten gezogen, dass ich solche Erinnerungsstücke gar nicht habe. Schade vielleicht, aber wie du schon sagst, alles ist Energie. Lediglich Kleinkindererinnerungsstücke meines Sohnes hab ich zu meiner Mutter gebracht um sie aufzubewahren, falls er sie einmal haben/sehen möchte, oder seinen Kindern zeigen will.
Ich finde es schön, Erinnerungen nicht nur im Kopf zu haben, sondern sie auch anfassen zu können... ab und zu mal
Lieben Gruß und danke für deine Denkanstöße, mir tun sie gut
Martina: Ich finde es gut, dass du die Entscheidung, wie er mit seinen Erinnerungsstücken umgehen möchte, bei deinem Sohn lässt und nicht für ihn entscheidest. - Dazu neigen Eltern häufig! :-) 
Helga: Ja ich trenne mich ganz bewusst von vielen alten Erinnerungsstücken.
Aus meiner Kindheit habe ich nur ein paar selbst gemachte Dinge aufgehoben.
Alte Liebesbriefe, Geschenke und meine alten Tagebücher habe ich vor Jahrzehnten mit einem Feuerritual entsorgt, nachdem ich mich innerlich davon gelöst hatte.
Aber von extrem vielen alten Gebrauchsgegenständen haben wir uns im letzter Zeit verabschiedet, wir brauchten Platz für unsere neuen Obermieter (sie wohnen oben :)) Da staunt man /frau beim ausmisten, was sich so alles in den Räumen versteckt hatte... Nun fühle ich mich erleichtert, es ist immer noch zu viel von uns und unseren Jungen im Haus, wir werden immer mal wieder Razzia mit Rauswurf machen, der Dachboden ist als nächstes dran.
In diesem Sinne wünsche ich ein fröhliches loslassen innen wie außen. 

Martina: Ich bin auch ein 'Obermieter' :-), weil ich sooo gerne oben wohne! - Dadurch, dass wir unser Haus über Jahre hinweg umgebaut und renoviert haben, ist seeehr viel Altes entsorgt worden. - Da mein Opa dieses Haus gebaut hat und es mit seiner Familie und den Schwiegereltern bewohnte, kannst du dir vorstellen, was da alles zu finden war. - Danach bewohnten meine Eltern mit ihrer Familie dieses Haus. - Wir wurden also von vielen Dingen und alten Energien umgeben, die wir mit Respekt vor den Ahnen, aber auch mit Dankbarkeit, dass wir und die Familie unserer Tochter jetzt dieses Haus bewohnen dürfen, entsorgt haben. - Es ist befreiend, sich von Materiellem, aber auch von alten Erinnerungsstücken, zu trennen. Da stimme ich dir zu. Dennoch: Dieses Loslassen - manchmal nicht so einfach.
Manu: mmmh, der Mann würde sagen: "Ja, wir müssen achtgeben, dass wir nicht irgendwann mit einem Schild- Abzugeben - vor der Türe stehen" Aber ganz so schlimme find ich mich nicht! Ich hätte es gerne noch etwas leichter. Das fällt mir aber im Hobbyraum so unendlich schwer, da ich mir jedem Teilchen sofort wieder gefühlte hundert neue Ideen im Kopf habe, was daraus entstehen könnte. Und dann gibt es noch eine Ecke im Keller die voll ist mit alten Schätzen. Die stehen da zwar nicht rum, sondern werden immer wieder verdekoriert, aber es könnte etwas weniger sein. Also kurz und knapp, ein Messie bin ich mit Sicherheit nicht und alles was ich nicht mehr mag, oder mit negativen Gedanken verbunden ist, darf sofort gehen!
Martina: Okay, dass es dir schwer fällt, Dinge aus dem Hobbyraum zu entfernen, das glaube ich gerne. Man könnte es ja nochmal gebrauchen! :-) - Kann ich mir gut vorstellen. - Aber wer ein Haus hat, kennt das: Je mehr Platz zur Verfügung steht, umso mehr bewahrt man auf. - Das kenne ich auch!
Cosmee: Jahrzehntelang habe ich alte Tagebücher gehütet, die ich ab 17 vollgeschrieben habe und dies bis weit in die Vierziger. In diesem Jahr, ich bin über 60, habe ich sie endlich geschreddert. Der Gedanke, dass meine Kinder darin lesen könnten, wenn ich gestorben bin, den fand ich ganz schauderhaft. Denn ich bin längst nicht mehr die, die ich damals war. Und ich bin wirklich froh drum, eine Last fiel von mir.
Martina: Oh ja, gerade Tagebücher enthalten natürlich sehr viele Emotionen - auch wenn es die eigenen sind. Das ist sicher nicht zu unterschätzen. Ich kann es mir sehr gut vorstellen, dass du dich wie befreit gefühlt hast, als diese 'Altlasten' von dir genommen wurden. - Danke für deinen Kommentar!
Jutta: Ich halte es eigentlich genau wie "Regina ".
Allerdings habe ich eine Erinnerungskiste, da sind mine gesammelten Werke von Tagebüchern drin und ein paar "Werke " meiner Kinder , Briefe zum Muttertag ect.
Da kann ich mich einfach nicht trennen.;-)
Ansonsten weg mit dem Ballast !
Ach ja, meine Tagebücher können meine Kinder ruhig lesen, da verstehen sie mich vielleicht dann besser in so manchen Dingen. 
Martina: Über den letzten Satz musste ich einerseits schmunzeln, andererseits habe ich mich gefragt, ob deine Kinder sie wirklich lesen würden. Empfindet man das nicht als einen Eingriff in die Privatsphäre des anderen - auch über den Tod hinaus? Ich weiß es nicht. - Ja, diese Erinnerungskisten sind sehr beliebt - aber voller Energien und Emotionen :-)!! 
Klärchen: Oh,je, Martina, ich bin gerade dabei auszumisten, weil ich muss... Viel ist es nicht, aber eine Kiste(Blechdose habe ich, da fällt es schwer),aber ich empfinde wie Regina und Jutta.In der großen alten Dose habe ich nur schöne Erinnerungen. Allerdings die Todesanzeigen meiner Mutter und meines Vaters, die sind etwas besonderes.Die Briefwechsel mit meiner Freundin, die Liebesbriefe zwischen meinem Mann und mir, erzählen meine Lebensgeschichte in der Jugend. Die werde ich für meine Biografie verwenden und meinen Kindern schenken.Natürlich nicht alles, das Geheimste bleibt geheim.Auch das Armbändchen meines ersten Kindes habe ich aufbewahrt, blau, eine Freude! Ja, manchmal schaue ich und lese, denke wie viele Veränderungen es gab.Lebe im Heute und brauche Erinnerungen um zu sehen wie sich alles geändert hat.Ich lächele dann und habe die Bilder vor mir ohne Wehmut und bekomme einen andere Sicht auf viele Dinge die passiert sind, eher hat sich alles ins positive gewandelt.Es bleibt Dankbarkeit, und Schmerz der mir zugefügt wurde habe ich verstanden und verziehen, soweit es geht.Es ist eben in der Kiste und abgeheftet!Alles andere ist in meinem Herzen und im Kopf!
Martina: Wenn man beim Anblick von alten Dingen sagen kann, dass sich alles zum Besseren gewendet hat, ist das sehr schön. Auch die Idee, den Kindern eine Biografie zu hinterlassen ist nicht schlecht. Wir wissen es aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn man die Mutter nicht mehr fragen kann: Wie war das früher bei dir? So kann man manches besser verstehen. - Doch bei den Todesanzeigen bekomme ich eine Gänsehaut. Was macht sie so besonders für dich?
Erica Sta: Ja und Nein zugleich. Da sind weniger die Erinnerungsstücke - die es freilich gibt - als der Gedanke, das eine oder andere weiter verwenden zu können. Bin ich doch noch in der Generation aufgewachsen, da man lange auf etwas gespart hat und wenn der Stuhl, das Kleid etc. schäbig wurde, hat man sich die Mühe gemacht es zu reparieren und/ oder zu restaurieren.
Inzwischen änderten sich die Materialien, was früher aus Holz gefertigt, liegt als Plastikteil vor, von dem ich mich ohne mit der Wimper zu zucken verabschieden kann.
Fazit: Ich habe Prinzipien!

Martina: Das kenne ich natürlich, wie du auch. Es wurde gespart und dann erst gekauft - und zwar etwas Hochwertiges. - Du hast schon recht, dass man sich heute leichter trennt, weil viele Dinge aus Plastik sind, doch auch die könnte mein Mann evtl. noch gebrauchen ;-). - Prinzipien zu haben ist sicher nichts Schlechtes!

Freitag, 11. August 2017

Kreativ-Award

Alle, die meine Geschichten lesen, wissen, dass diese immer zu Elke und ihrem kleinen Blog gehen. Das mache ich schon so, seit sie die Aktion 'Elkes frohe und kreative Linkparty' ins Leben gerufen hat. Im Juli nahm ich mit der Geschichte 'Der alte Krämerladen' teil. - Ja und nun ist es tatsächlich passiert: Mit einer anderen Bloggerin teile ich mir den im Juli vergebenen Kreativ-Award. Da bin ich doch echt platt!



Wenn ich in manchen Blogs unterwegs bin, staune ich über die große Kreativität. Ich selbst halte mich gar nicht für kreativ, zumindest nicht auf handwerklichem Gebiet.
Auf der anderen Seite sind wir alle kreative Menschen. So kann eine Kreation sein, mit allen unseren Empfindungen und Sinnen im Augenblick zu leben und uns bewusst zu sein, dass das, was wir in dem Moment denken und fühlen, Teil unserer Zukunft wird. - Bei aller Kreativität in dieser Hinsicht sollten wir jedoch bedenken, dass unsere Sorgen und Ängste, die wir in uns tragen, ein Teil unserer Zukunft werden können. Deshalb sollten wir unser Leben in so vielen Momenten wie möglich genießen, damit es auch in Zukunft ein Genuss bleibt, zu leben!

Mein herzliches Willkommen
gilt
Ulrike Schäfer-Zimmermann 
mit ihrem Blog
Sie ist diejenige,
mit der ich mir den Juli-Award teile!



Mittwoch, 9. August 2017

Ich konnte mich sofort erinnern!


 Woran?

An DIESE Tapete hier:




Die kleine Geschichte dazu:

Wir haben beschlossen, unser Schlafzimmer zu renovieren. In dem Zusammenhang sagte ich vor ein paar Tagen, dass ich schon als kleines Kind in dem Zimmer schlief, das heute - wieder - mein (unser) Schlafzimmer ist.
Heute begann mein Mann damit, einen eingebauten Schrank zu entfernen und ich sagte, dass der schon immer dort stand – früher halt in einem anderen Holz.
Als mein Mann nun das Gerüst dieses Schrankes entfernte und auch die Tapeten dahinter, kam darunter an einigen Stellen meine alte Kinderzimmertapete zum Vorschein – ziemlich vergilbt, aber immer noch schön J.



Ich konnte mich sofort an die Frösche unter dem Regenschirm erinnern und an die Marienkäfer und blaue Käfer gab es auch.
Das finde ich unfassbar, denn es ist wirklich schon ziiiiieeeemlich lange her J! - Irgendwie freue ich mich wie Bolle, sie noch einmal zu sehen! Klar, hab ich sie sofort im Bild festgehalten, bevor sie für immer verschwindet!





Sonntag, 6. August 2017

Frage 10: Warum wurde ich überhaupt geboren?

Hast du dich das auch schon einmal gefragt?
Oder Fragen wie diese gestellt:
Warum wurde ich zu dieser Zeit geboren
und nicht früher oder später?
Warum wurde ich in diese Familie hinein geboren
und nicht in eine andere?
Was sagst du, wenn die Antwort lautet:
Weil du dir den Zeitpunkt und die Familie
vor dem Eintritt in dieses Leben
ganz bewusst ausgesucht hast!
Warum sollte ich das getan haben, 
wirst du vielleicht fragen.
Was sagst du, wenn die Antwort lautet:
Weil deine Seele in dieser Familie, an diesem Ort
und zu dieser Zeit die Erfahrungen machen kann,
die sie machen möchte.
Nein, nein, wirst du vielleicht widersprechen.
Das kann gar nicht stimmen.
Wenn es nämlich so wäre,
hätte ich mir reiche Eltern ausgesucht,
wäre Prinz oder Prinzessin oder Supermodel,
hätte ein großartiges Talent!
Aber ich würde ganz sicher nicht dieses Leben führen!
Nein?!
Welchen Grund gibt es dann
für DEIN LEBEN an dem Platz,
an dem du stehst?


Jutta K.: 
Ich wurde geboren, weil meine Eltern sich liebten.
Ich wurde geboren, weil meine Eltern sich ein Kind wünschten.
Ich wurde geboren, weil meine Seele wieder auf Erden verweilen wollte.
Ich wurde geboren, weil ich noch viel zu lernen habe.
Ich wurde geboren, weil ich ein Teil des ewigen, endlos währenden Lebenszyklus bin.
Die ersten beiden Gründe weiß ich mit Sicherheit.
Die anderen Gründe sind Wunschgedanken, weil ich sonst einfach keine Erklärung dazu finden kann.
Martina: Du hast es wunderbar ausgedrückt - für mich macht auch alles andere keinen Sinn.
Alexander: Das sind tatsächlich ganz viele Frage, um die gleiche Grundsatzfrage herum, die jeder sich ganz einfach (im Grunde) selbst beantworten kann, wenn man es nicht von Beginn an weiß - und auch so. In den Träumen kann es jeder ergründen. Hilfe bekommt man auch durch die Menschen, Lebewesen und Gegebenheiten, um einen herum bzw. welche, die auf einen zu kommen. Von daher schließt sich der Kreis, an dessem Ende oder Beginn man dann vollumfänglich Ge-Wissheit (...) hat. Im Idealfall sind alle Einwirkungen dazu allerdings nur Bestätigungen des "offenen Verborgenen". 
Jeder hat seine eigene Geschichte, die mit anderen auch kollidiert; Ich schäme mich geradezu, dass ich bislang noch nicht gewillt war meine eigene fortzuführen, hatte ich doch schon damit begonnen in der Schensi-Erzählung. Diese wiederum setzt viel zu früh an und doch zu spät. Ich sollte darüber eine Biografie der andere Art machen. Danke für den Gedankenimpuls zu einem Mammutprojekt, welches ich vielleicht doch nie umsetzen oder beenden werde. Wozu auch? Es ist ja nur meine eigene Geschichte. Es fehlt ggf. der Mehrwert für andere. Aber ich weiß jetzt zumindest wie und wo ich (neu) ansetze, wenn ich es tue.
Um "kurz" die Frage zu beantworten, auf mich bezogen: Weil ich die Grundpfeiler in meinem letzten Leben bereits gesetzt hatte, in meinem speziellen Fall allerdings mit leichten Fehlern bei der Schau in die neue Manifestation, die große Wirkungen hervorriefen. Das erklärt dann auch die anderen Fragen, die heute - in der Jetztzeit - aufkommen und was man wo und wie zu tun hat. 
Martina: Ich kann dir nur Mut machen: Nimm das Projekt an und auf. Und übrigens: Woher willst du wissen, was andere möchten? :-) Sag nicht voraus, dass es keinen anderen interessiert! - Danke für deinen Kommentar. Es lohnt sich immer, über deine Gedanken und Aussagen nachzudenken!
Varis: Diese Fragen ließen sich für jeden Menschen beantworten, wenn sie sich nur nicht so von den Oberflächlichkeiten der Gesellschaft ablenken ließen. Wenn die Menschen endlich einmal damit beginnen würden, sich die Natur wirklich anzusehen und sich in sie hineinzufühlen anstatt sich von äußeren Instanzen das Gehirn waschen zu lassen, sähe das Leben auf diesem Planeten anders aus. Das Wesentliche entzieht sich einer Analyse des sog. logischen Verstandes, sondern lässt sich "nur" mit der Seele erfahren. 
Martina: Das Leben würden ganz sicher anders aussehen. Da gebe ich dir recht. Dennoch denke ich, dass alles nach einem großen Plan verläuft und auch die Tatsache, dass wir alle 'geblendet' werden von z. B. vielerlei materiellen Dingen, wird seinen Sinn haben. - Ich habe das Gefühl, dass einiges im Umbruch ist. Immer mehr Menschen hinterfragen und suchen. - Ein guter Weg, auch wenn sich uns nicht alles erschließen wird.
Sophia: Ich möchte mich ja gerne an diesen Gedanken festhalten (die wir ja offenbar teilen :) ) - dass die Seele sich dieses Leben, diesen Körper, diese Familie, dieses Jetzt vor Geburt auserwählt hat. Dann könnte man aufhören zu Grübeln warum dies/oderdas/oderjenes gerade MIR geschieht (oder dir, oder unseren Nächsten)- der Lernerfahrung wegen nämlich.
Aber andererseits - schön ist es schon, und befreiend, nicht wahr?
Mir gefällt dieser Gedanke jedenfalls.
Und ich hab immer viele Fragen an mich, an das Leben und immer wieder erlebe ich was alles an Geschenken "geliefert" wird.
Ich merke schon, ich verliere mich gerade wieder in Gedanken.
Martina: Du darfst dich gerne in deinen Gedanken verlieren! :-) - Es ist tröstlich. Ja! Aber nicht nur deshalb denke ich, dass es so sein muss, sondern weil alles andere einfach keinen Sinn macht. - Und das unser Leben sinnlos ist, das glaube ich in gar keinem Fall!
Helga: Ich wurde genau zum richtigen Zeitpunkt, genau in die richtige Familie und genau in dieses jetzige Leben geboren, um zu lernen.
Alles was mir geschah und geschieht, ist eine Lernaufgabe
und dient meiner geistigen Entwicklung. 
Martina: Ich darf dir etwas verraten: Ich auch! :-)
Daraufhin Helga: :) Ja von der Liebe kann unser Bewusstsein gar nicht genug lernen. :):)
Manu: Ich habe mich heimlich still und leise in das Leben meiner Eltern geschlichen. Wieso weiß keiner, aber sie haben sich darüber gefreut! Ich denke der da oben, hat sich dabei bestimmt was gedacht und ich bin froh darüber! *g*
Martina: 'Der da oben' ist sicher nicht ganz unschuldig daran, dass du an deinem und ich an meinem Platz stehe. Als - kleines oder größeres - Licht ist er ein Teil von uns oder besser gesagt: Wir von ihm! :-)
Angelface: Ob wir darüber rätselnde Gedanken führen - warum - wozu - weshalb und hat`s einen Sinn, - wir leben es im Jetzt und Hier. Wer privilegiert ohne Kummer und Sorgen ist, keine Existenzängste verspürt der denkt sicher nicht lange darüber nach Warum und zu welchem Zweck er in dieses Leben hineingeboren wurde. Wer irgendwie " Pech hat" , bei dem vieles im Argen ist/war oder bleibt, - übersetzt dies oft als "ungerecht" gegen sich.
vielleicht - ist es ja SEINE Aufgabe durch besondere Erfahrungen sein Leben zu meistern oder zu erkennen dass er damit nicht alleine auf der Welt ist.
gute Gedanken die gerade dieses Thema näher beleuchten" wünsche ich jedem der in der Lage ist über sich selbst nachzudenken ohne davor auf der Flucht zu sein..
 

Martina: Ganz genau so ist es. Wann machen wir uns Gedanken über diese Dinge - dann, wenn es nicht rund läuft in unserem Leben. Dann beginnen wir, es zu hinterfragen, vielleicht sogar infrage zu stellen. - Und schon wissen wir, wozu es gut ist, wenn es nicht rund läuft! :-)
Grazyna: Es ist wohl die Frage aller Fragen, liebe Martina, und vor zwanzig Jahren hat mich das Leben dazu bewegt, mir diese und andere Fragen zu stellen oder besser gesagt, lieferte zuerst die Antworten und die Inspirationen, eher ich überhaupt auf die Idee gekommen wäre, die Fragen zu formulieren. So ergab alles einen Sinn und heute bin ich unendlich dankbar, dass ich damals diesen Unfall hatte, der das Beste war, was mir passieren könnte :)) 
Martina: Schon unglaublich, oder? Bei mir war es ähnlich. Leider gibt es seither eine 'Behinderung'. Aber auch sie wird ihren Sinn haben. - Danach suche ich allerdings noch. :-)

Christine: Diese Fragen habe ich mir auch schon öfters gestellt. Meine Mutter hatte, bevor sie mit mir schwanger wurde, das Kind im vierten Monat verloren. Deshalb habe ich mir schon öfters Gedanken darüber gemacht, dass eigentlich ein anderer Mensch an meiner Stelle wäre, wenn meine Mutter das Kind nicht verloren hätte.
Martina: Das sind sehr zermürbende Gedanken. DU stehst ganz sicher nicht an der Stelle des Kindes, das deine Mutter verloren hat. Es kommt mir so vor, als hättest du das Gefühl, diesem Kind 'seinen Platz' in eurer Familie streitig gemacht zu haben. Das ist ganz sicher nicht der Fall. Dieses Kind konnte nicht geboren werden, weil die 'Umstände' nicht stimmten. Das Kind konnte seine Lebensaufgabe in eurer Familie dann doch nicht finden und hat sich entschieden, wieder zu gehen. DU bist geblieben, weil die Lebensumstände für dich und deine Lernaufgaben stimmten!
Wolfgang: Die Frage ist so ähnlich, wie die nach dem Sinn des Lebens und über die zweite habe ich oft nachgedacht und finde nur die Antwort, dass der Sinn des Lebens das Leben selbst ist und in diesem Kontext machen die Antworten, die Du in Deinem Post aufgeschrieben, oder vielleicht auch gegeben, hast durchaus Sinn. Vielleicht sind wir hier genau zu dieser Zeit und an genau diesem Ort, um Erfahrungen zu machen, die wir zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort so nicht machen können.
Martina: Die Frage nach dem Sinn unseres Daseins ist wohl eine der größten Fragen, die wir uns stellen können. - Die Antwort kann uns immer nur zum Teil befriedigen, da uns halt die Gewissheit fehlt. - Doch sich diese Frage zu stellen und auf die Suche nach dem Sinn zu machen, lohnt ganz sicher und bringt immer wieder - wenn auch kleine - neue Erkenntnisse!
Klärchen: 2001 schrieb ich dazu
Die Frage nach dem Warum
werden wir immer wieder stellen,
unser Leben lang
gerade deshalb
weil wir keine Antwort finden werden.
Wir können nur unsere eigenen Vermutungen und Erklärungen für uns finden, uns damit trösten, beruhigen,unser Leben annehmen, jeden Tag neu.Es hält uns wach und lebendig nicht aufzugeben die Wahrheit und Antwort zu finden.
Was ist die Wahrheit?
Die Wahrheit ist die Antwort auf die Fragen, warum leben wir jetzt und heute?
Martina: Die 'Wahrheit' - ein Schlüsselwort in deinem Kommentar! Jeder hat seine eigene 'Wahrheit' - keiner von uns hat die ganze Wahrheit. Die werden wir hier auf der Erde auch nicht finden! - Es ist, wie du schreibst: Wir vermuten, versuchen zu erklären und so für uns den Sinn zu finden!
Margrit: Ich war eines von tausenden Spermien und war einfach das schnellste lach...:-))
Na ja ich bin einfach da so wie Millionen andere auch und übrigens bin ich sicher schon mal gelebt zu haben in Afrika und nach meinem Tode geht es dann weiter ,so ist der Lauf des Lebens und der Lauf der Natur ,sie generiert sich immer wieder und wieder !
Es tönt vielleicht verrückt aber ich glaube einfach daran !!!
Martina: :-)) - Da hast du recht! - Du hast in Afrika gelebt?! Wie spannend. - In meinen Ohren klingt es nicht verrückt, sondern einleuchtend! - Eigentlich müssen wir nur die Natur beobachten, um zu dieser Erkenntnis zu kommen! 


Donnerstag, 3. August 2017

Jung - mittel – alt

Was ist davon gut oder besser? Was ist gar schlecht? Also junger Gouda schmeckt mir besser als alter, aber alter Wein schmeckt mir besser, als junger! J - Das meine ich natürlich nicht, wie ihr euch denken könnt. Ich meine uns Menschen.
In manchen Kulturen werden und wurden ältere Menschen sehr geachtet. In den asiatischen Ländern zum Beispiel. Hier in unseren Breitengraden war das schon immer etwas anders. Dennoch habe ich das Gefühl, dass man früher vor dem Alter mehr Respekt hatte.
Ich erinnere mich an eine Familie, die vor Jahnzehnten aus Kasachstan hier in unsere Gemeinde kam. Sie wurden unsere Nachbarn. Unsere Tochter spielte mit den Kindern. Auch wir Erwachsenen verstanden uns gut. Damals lebte meine Mutter noch und sie bot wie selbstverständlich das Du an und ich hab noch im Ohr, wie die junge Familie dies vehement ablehnte – aus Erfurcht vor ihrem Alter.
Früher waren die Alten ganz selbstverständlich für die Kleinen da. Sie hüteten sie, während die Eltern arbeiteten. Damals hatten die Alten noch einen Platz im Gefüge der Familie. Sie standen am Ende einer Kette – die Kinder am Anfang.
Als Kind hatte man zu  gehorchen: ‚Kinder soll man sehen, aber nicht hören’, war ein beliebter Satz. ‚Mach einen Knicks’, ‚Mach einen Diener’, ‚Gib die schöne Hand’. Das erinnert eher an den Umgangston in einer Kaserne. 
Wenn ich heute die oft sehr selbstbewussten Kinder beobachte, frage ich mich: Wann kam in dieser Beziehung eigentlich die Wende? Eines galt aber damals genau wie heute:  Alle Jugendlichen wollen möglichst schnell ‚groß’ werden, um zu dem (scheinbar) exklusiven Club der Erwachsenen dazu zu gehören.
Wenn ich an die Männer meiner Kindheit zurück denke, kommt es mir so vor, als wenn die ‚gestandenen Männer mittleren Alters’ sehr stolz waren auf alles, was sie erreicht hatten. Aus diesem Stolz heraus präsentierten sie neben allem Materiellen, was sie vorzuweisen hatten, gerne wohlerzogene Kinder und ‚adrette’ Frauen.

Nostalgie bilder

Ich erinnere mich in diesem Moment an die Sonntagsauflüge. Man ‚putzte’ sich heraus. Mein Vater trug an jedem Sonntag Anzug und Krawatte. Wir Kinder hatten auch Sonntagskleidung, die wir natürlich nicht schmutzig machen durften. – Ach Kinder, wie die Zeit vergeht und was sich alles mit ihr ändert!


Dienstag, 1. August 2017

Kontaktanzeige

Wenn man dem Kalender Glauben schenken möchte,
schreiben wir heute den 1. August! :-)

Und das bedeutet:
Es sind schon wieder 14 Tage seit der letzten Geschichte vergangen.
Unglaublich, wie ich finde.

Die Reizwörter für die Geschichten, geben 'wir'
uns immer gegenseitig vor.

Wir, das sind meine Mitschreiberinnen

Die Reizwörter waren diesmal: 
Amtsschimmel – Schreck – salzig – vergessen – überlegen



Hannelore stand in ihrem Schlafzimmer vor dem Kleiderschrank. Was sollte sie nur anziehen? Der Schrank war wirklich bis zum Bersten voll, doch sie konnte sich einfach nicht entscheiden. Wie auch? Dieser Fall war ja völlig neu! Nie zuvor hatte sie auf eine Kontaktanzeige geantwortet, doch ganz nach dem Motto: ‚Einmal ist immer das erste Mal’, hatte sie es diesmal getan. Und nun stand sie hier, war ein bisschen weich in den Knien und wusste nicht weiter. Hätte sie doch bloß nicht … aber sie konnte ja immer noch, wenn sie wollte, einen Rückzieher machen. Aber nein, so ein Angsthase war sie ja nun auch wieder nicht. Was sie begann, zog sie auch durch. Zielsicher schnappte sie sich ihre Lieblingsbluse und eine weiße Hose. Damit konnte sie nichts falsch machen. So war sie weder overdressed, noch das Gegenteil. Das würde schon passen und überhaupt. Seit wann legen Männer Wert auf Kleidung und wenn, würde sie an eine besondere Spezies geraten.
Aufgeregt war sie schon, das musste sie zugeben. Im ‚Amtsschimmel’ wollten sie sich treffen. Das war ein alteingesessenes Gasthaus in der nahe gelegenen Kleinstadt. Einmal war sie bisher dort gewesen, mit ihrer Freundin Gisela. Damals hatten sie ein Schnitzel mit Bratkartoffeln gegessen, die ein bisschen zu salzig gewesen waren. Sie überlegte kurz, wie lange das schon zurück lag, aber das war ja jetzt auch völlig egal, heute ging es ja gar nicht ums Essen. Heute ging es ja um die Liebe oder zumindest um einen netten Herrn, mit dem sie hin und wieder Ausflüge machen oder auf Konzerte gehen wollte. So alleine machte das einfach keine Freude. Sie wollte ja nicht mit ihm zusammen ziehen, nein, das auf gar keinen Fall, sie war ihre Freiheit gewohnt, lebte schon immer alleine, doch jetzt, wo sie Rentnerin war, kam doch das Verlangen in ihr auf, hin und wieder an der Seite eines Mannes durchs Leben zu gehen.
Hannelore trug einen knallroten Lippenstift auf, der exakt die Farbe ihrer Bluse hatte. Sie drehte sich vor dem großen Spiegel hin und her und war recht zufrieden mit dem, was sie dort sah. Sie war ja auch noch nicht alt und runzlig, nein sie war noch recht knackig. Hoffentlich war Er kein Stinkstiefel. So einen konnte sie nicht gebrauchen und einen dicken Bierbauch müsste er auch nicht zwingend haben. Hoffentlich kommt er nicht in kurzer Hose mit Socken und Sandalen, ging es ihr durch den Kopf. Also das ging gar nicht. Dann würde sie gleich Reißaus nehmen.
Sie nahm ihre Handtasche und drehte sich suchend um. Hatte sie etwas vergessen? Nein, sie glaubte nicht. Schnell nahm sie den Autoschlüssel vom Haken und machte sich auf den Weg. Sie liebte Abenteuer und dies schien ihr ein ganz besonderes zu werden.
Bald darauf betrat Hannelore das Lokal. Bisher waren nur wenige Plätze besetzt. Kein einzelner Herr war zu sehen. Im selben Moment fuhr ihr der Schreck in alle Glieder. Sie hatte doch etwas vergessen. Sie sollte doch als Erkennungszeichen eine gelbe Rose in Händen halten. So hatten sie vereinbart. Aber so schlimm war es nun auch wieder nicht. Sie würden schon zueinander finden, wenn es so bestimmt war.
„Haben sie reserviert?“, wurde sie von dem netten Kellner gefragt. „Nein, nein, ich hätte aber gerne einen Tisch für 2 Personen. Der Herr wird wohl gleich kommen“, erwiderte Hannelore.
Der Kellner wies ihr einen Platz zu. Direkt am Fenster. Das war gut. So konnte sie schon vorher sehen, wer sich auf den „Amtsschimmel“ zu bewegte. Wenn ihr gar nicht gefiel, was sie sah, konnte sie ja immer noch durch den Hinterausgang verschwinden.
Hannelore bestellte ein Glas Wasser. Wein würde sie erst später trinken – oder auch nicht, je nachdem, wem sie heute begegnete. Ach, irgendwie war das Ganze doch ganz schön aufregend.
Als sie den ersten Schluck nahm, traute sie ihren Augen kaum. Die Schnepfe aus dem Erdgeschoss kam direkt auf das Lokal zu. Das hatte ihr gerade noch gefehlt. Ilse war die größte Tratsche, die sie kannte. Wenn die sie hier mit einem Mann sehen würde, wüsste das spätestens morgen die halbe Nachbarschaft. Aber wenn schon, dann war es halt so. Sie hatte ja nichts zu verbergen.
Ilse betrat den Raum, aber was hielt sie denn da in der Hand? Das war unverkennbar eine Rose. Eine rote Rose? Was hatte das denn zu bedeuten?
Hannelore hatte wirklich großes Glück. Ilse schaute nicht in ihre Richtung, sondern nahm an einem Tisch in der anderen Ecke des Raumes Platz. Na, das war ja noch einmal gut gegangen. – Aber die rote Rose wollte Hannelore so ganz und gar nicht aus dem Kopf gehen. Ilse würde doch nicht etwa …
Wieder kam jemand auf das Lokal zu. Diesmal war es ein Mann. Hannelores Herz setzte für einen Moment aus. Sie konnte wirklich jedem, der ein Abenteuer suchte, nur raten, einmal auf eine Kontaktanzeige zu antworten. Das war spannender als jeder Krimi. Der Mann sah recht nett aus. Ja, der könnte ihr gefallen und er trug auch etwas in seiner Hand. War es eine Rose? Sie konnte es nicht genau erkennen. Als der Mann den Raum betrat, überlegte sie kurz, ob sie die Hand heben und auf sich aufmerksam machen sollte, doch sie zögerte. Im selben Moment ging der Mann zwei Schritte auf sie zu, wendete sich dann jedoch wieder ab. Hannelore war entsetzt. Er würde doch nicht kneifen oder noch schlimmer, sie unattraktiv finden und gleich wieder gehen wollen? Noch immer wusste sie nicht, was sie tun sollte. Auf sich aufmerksam machen oder abwarten? Sie entschied sich für die letztere Variante. Der Mann verließ das Lokal jedoch nicht, sondern ging ein paar Schritte weiter in die andere Richtung der Gaststube und blieb am Tisch von Ilse stehen. Sie erhob sich und er begrüßte sie mit einem Handkuss und überreichte ihr die Rose. Das war ja unfassbar! Ob die Ilse heimlich eine Kontaktanzeige aufgegeben hatte? Bestimmt! Das passte zu der Ilse. Aber sich über andere das Maul zerreißen.
Hannelore griff zu ihrem Handy. Das musste sie Gisela schreiben. Ihre Freundin kannte die Ilse aus der Schulzeit. Gisela würde Augen machen, wenn sie davon erfuhr, dass sich die Ilse heimlich mit einem Verehrer traf.
Hannelore legte das Handy zurück in ihre Handtasche. Es war wirklich schade, dass sie die beiden von ihrem Platz aus nicht gut sehen konnte. Zu gerne hätte sie die Situation beobachtet, aber das war ihr einfach nicht möglich. Ob sie sich umsetzen sollte? Aber dann würde Ilse sie ja auch sehen. Obwohl, das wäre ihr eigentlich ganz recht.
Hannelore malte sich in den schillernsten Farben aus, wie peinlich die Situation für Ilse würde, als ein dicker kleiner Mann mit kurzer Hose, weißen Socken und braunen Sandalen auf das Lokal zusteuerte. In der Hand hielt er eine gelbe Rose!


© Martina Pfannenschmidt


Die Geschichte
nimmt an Elkes
teil!

Sonntag, 30. Juli 2017

Frage 9: Wie gehst du mit einem schlechten Gewissen um?

Kürzlich sprach ich mit einer Bekannten. Ihr Vater ist vor einiger Zeit verstorben und sie erzählte davon, wie schwierig seither ihr Verhältnis zu ihrer Mutter ist. Die Bekannte hat ihrer Mutter gegenüber ständig ein schlechtes Gewissen – oder sollte ich besser sagen: Es wird ihr von ihrer Mutter suggeriert?!
Foto: BirgitH./pixelio.de

Ein schlechtes Gewissen – oder Gewissensbisse, wie man umgangssprachlich auch sagt – gehen einher mit dem Gefühl, jemandem Unrecht getan zu haben.
Dieses Gefühl setzt eines voraus: Ein Unrechtsbewusstsein!
Und genau das sieht bei jedem Menschen anders aus.
Bei einigen führt schon eine Kleinigkeit zu Gewissensbissen, bei Kriminellen hingegen liegt die ‚Schmerzgrenze’ diesbezüglich um einiges höher.
Oft geht dem schlechten Gewissen gar keine große Sache voraus. – Nehmen wir an, dass wir von einem Freund um Hilfe gebeten wurden, wir ihm diese aber nicht gegeben haben. – Schwupps, schon ist es da, das schlechte Gewissen, weil wir im Nachhinein denken, dass unser Verhalten falsch war und schon beginnen wir, uns selbst für unser Verhalten zu verurteilen. – Oft zeigen sich diese Gewissensbisse sogar körperlich. Wir verspüren ein ungutes Gefühl, vielleicht Magendruck – bis hin zu Einschlafstörungen.
Schuldgefühle können sehr vielfältig sein. Manchmal werden sie gar nicht erkannt und man wundert sich über körperliche Symptome, die man nicht zuordnen kann.

Wie gehst du mit diesen Gefühlen um – 
oder handelt es sich dabei gar nicht um Gefühle, 
sondern es ist einzig und allein unseren Gedanken zuzuschreiben, 
dass wir Gewissensbisse haben?
Wurde uns ein schlechtes Gewissen vielleicht sogar anerzogen?
Wie gehst du mit einem schlechten Gewissen um
und was macht es mit dir?


Grazyna: Ich dachte, ich sehe nicht richtig, als ich deine Frage, liebe Martina, sah. Das schlechte Gewissen in meiner Teenagerzeit und später, als junge Frau, war mein ständiger Begleiter. 
Soweit ich mich erinnern kann, war es irgendwie immer präsent.
Es fühlte sich so ungut an und das Schlimmste daran war, ich hatte keine Ahnung gehabt, warum das so ist.
Warum ich so fühle und ich könnte mich davon nicht befreien, weil ich mir unklar war.
Ich war so unbedarft und ängstlich, dass ich nicht mal auf die Idee gekommen wäre, zu hinterfragen.
Natürlich wusste ich nicht, dass es dafür einen Namen gibt’s – emotionale Erpressung und auf der anderen Seite, bei mir – emotionale Abhängigkeit.
Ich könnte in dieser Zeit meinen Weg nicht erkunden und nicht gehen, was es in vielerlei Hinsicht bedeuten wurde, mich von meiner Mutter abzunabeln, ich habe gedacht… das kann ich ihr nicht antun, damit wurde ich sie verletzten und alleine lassen.
Tastsächlich war es so, sie hatte es mir suggeriert.
Dabei wäre sie gar nicht alleine gewesen und von Verletzten können wir dabei nicht sprechen, nicht wahr? Ich glaube, diese emotionale Ketten, hatte sie mir schon mit Muttermilch gegeben, puhhh.
Ich wollte damals, nach der Schule weiter Kunst lernen und dazu hätte ich in eine andere Stadt auf Internat gehen müssen, was ich nicht gemacht habe, weil dies heißen würde, ich habe sie alleine gelassen… meine Güte, wie krank war das!
Erst mit 25 war ich ganz radikal und habe das Land verlassen und dachte, jetzt bin ich frei.
Nun, es hat noch weitere Jahre gedauert, bis ich begriffen habe, man kann auf das andere Ende der Welt fliehen… und das, wovon du fliehst, trägst du auf dem Rücken mit...
Die emotionalen Ketten sind unsichtbar und auflösen kann ich die nur in mir. Das habe ich auch später, erst nach meinen Unfall vor zwanzig Jahren, begriffen. Es war ein langer Prozess und ganz weg, glaube ich, sind die Ketten immer noch nicht, aber weitgehend.
Es war schmerzhaft und zugleich befreiend, zu verstehen, dass dieses „ nicht verletzten wollen und schweigen“, auf der anderen Seite nur zur Selbstverletzung führt.
Heute weiß ich auch, eine meiner Hauptaufgaben in diesem Leben, ist NEIN zu sagen und Grenze ziehen, damit ich das Gegenüber nicht aufsauge. Heute weiß ich auch, besonders beim empathischen Menschen ist wichtig, sich abzugrenzen, denn die sind, wie ein Schwamm und saugen alles auf.

Martina: Zunächst einmal danke ich dir für deine Offenheit und Bereitschaft, so persönliche Dinge zu erzählen. - Wenn man sich allerdings von diesen Ketten befreien möchte, ist das vielleicht ganz wichtig. Erkennen - darüber reden - auflösen! - Ja, ich glaube auch, dass da noch Ketten sind. Vielleicht magst du dich mal fragen, ob du sie noch 'brauchst' - entweder als 'vermeintliche' Sicherheit oder doch noch als letzte kleine Verbindung in dein Ursprungsland? - Du darfst diese Ketten durchtrennen - es liegt an dir. - Und eines ist gewiss: Du hast diese Aufgabe für dein Leben gewählt und gebraucht, um zu wachsen! --- Nachtrag (eine halbe Stunde später): Gerade kam mir noch ein Gedanke, nämlich der, dass, wenn du es schaffst, deiner Mutter sogar dankbar dafür zu sein, dass du diese Erfahrungen machen durftest, ein ganz anderes Verhältnis zwischen euch entstehen wird.
Grazyna: Dankbar zu sein? Ich habe längst die Frage gestellt, warum ich mir diese Familie ausgesucht habe, aber keine Antwort fand, weil so viel Unruhe noch in mir herrschte. Heute weiß ich, hätte ich in jungen Jahren „JA“ zu mir und zu meinen Weg gesagt, hätte ich Erfahrungen, die ich machen wollte, auf anderen Wege gemacht. 
Ich bin der Auffassung, wie du auch, dass wir selbst die Themen, die wir hier auf der Erde lernen wollen, auswählen und ich kenne meinem Radix gut genug, um zu wissen, wozu ich das alles gebraucht habe.
Um in die Abgründe der menschlichen Seele zu erblicken und dort, wo andere den Kopf wegdrehen zu bleiben und dem auf den Grund zu gehen, die Macht des Unbewussten kennenzulernen und zu erfahren, die Macht und Ohnmacht die Kräfte seien, die sich wie ein Theaterstück durch unser Leben ziehen und wie oft wissen wir nicht, dass wir die Hauptrolle spielen. Dass die Wandlung und Auflösung lebensnotwendig ist und dass ein Ende die Lebenskräfte frei lässt und somit ein Anfang ist.
Wozu die Ketten noch? Ja, liebe Martina, das weiß ich und es hat mit Selbstverantwortung und Eigenermächtigung zu tun und die lassen sich nicht mit dem Kopf auflösen. Nein, die lösen sich vom alleine auf, wenn ich glasklar bin.

Martina: Ich bin beeindruckt davon, wie klar du bist!
Angelface: Das ist ein gutes Thema, eines über das ich lange und intensiv nachdenke um darauf zu antworten, wenn mir denn dazu eine Antwort die ich erst zurückergründen muss - einfällt. Danke für die Anregung, den Anstubser...er wird mich noch länger beschäftigen...
Martina: So ergeht es mir mit dem Kommentar von Grazyna. Ich frage mich, ob es bei mir diese Ketten auch (noch) gibt. Du siehst: Ich werde mich auch mit dem Thema noch weiter auseinandersetzen!
Helga F.: Ist ja nun schon fast Gewohnheit, hier bei Dir liebe Martina auf Deine neuen Fragen zu antworten und sich Gedanken zu machen, danke dafür.:)
Seltsam, der Kommentar von Grazyna könnte wieder zum größten Teil auch von mir sein.
Sehr unterschwellig wurde mir von meiner Mutter ein schlechtes Gewissen gemacht.Manchmal auch durch direkte Sätze der Anklage.Allerdings konnte ich mich körperlich früh von ihr lösen und auch meine Schuldgefühle ihr gegenüber heilen. Aber bis ich keine Liebe mehr von ihr erwartet und erhofft habe, gingen fast 40 Jahre ins Land, danach war ich erst richtig frei!
Sie starb vor 3 Jahren, ich konnte sie mit einem Segen und in Frieden gehen lassen.
Zu Deinen Fragen liebe Martina,
ich bin mir nicht ganz sicher,ob wir mit einem Gerechtigkeitssinn schon geboren werden.
Aber der Verstand und Wahrnehmungen als Kind sind noch nicht voll ausgebildet,wir lernen schneller auf der Gefühlsebene, welche unserer Verhaltensweisen Belohnung bringen.Das schlechte Gewissen entsteht durch lernen, denke ich. Liebesentzug, wenn wir nicht wie gewünscht reagieren, ist ein wirkungsvolles Druckmittel,auch noch bei Erwachsenen.
Mir selbst macht ein schlechtes Gewissen Bauchweh und ich kann es schwer ertragen.Von anderen Menschen lasse ich mir kaum noch ein schlechtes Gewissen einreden, aber mit mir selbst habe ich manchmal Schwierigkeiten, wenn ich etwas falsch gemacht habe, oder Leid verursacht habe.Da muss ich noch lernen freundlicher mit mir zu werden.

Martina: Das freut mich zu hören, dass es schon fast Gewohnheit wird, hier bei mir herein zu schauen :-)! Auch dir möchte ich danken für deine Aufrichtigkeit. Als Kind lernen wir schneller auf der Gefühlsebene, welche unserer Verhaltungsweisen Belohnung bringen, schreibst du. Das finde ich, ist ein sehr wichtiger Satz. Und ebenso wichtig: Freundlich zu uns selbst zu sein. :-)
Christine: Das ist eine sehr schwierige Frage, mit der ich schon lange kämpfe ...
Habe ich WIRKLICH ein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich nicht so bin oder war, wie meine Mutter mich gerne gehabt hätte? Weil ich keine Kinder habe (und sie damit die Enkelkinder, die sie sich so sehr gewünscht hat?) Weil ich ein eigenes Leben geführt habe und nicht das, das sie sich für mich vorgestellt hat? Weil ich sie zu selten besucht habe, als sie noch lebte? (Was ich teilweise gar nicht konnte, weil die Entfernung so groß war ...)
Habe ich tatsächlich zu wenig Rücksicht genommen?
Ich weiß es nicht. Und ich werde es auch nie mehr erfahren. Aber ich weiß, dass mein schlechtes Gewissen sich immer wieder mal zu Wort melden wird. es gibt keinen Knopf, um es abzustellen ... Jedenfalls habe ich ihn bei mir noch nicht gefunden! **seufz**
Liebe Grüße, und danke für diesen Post - obwohl ich Deine Frage leider nicht beantworten kann!
Martina: Als ich deinen Kommentar las, kam mir ein Spruch in den Sinn: 'Ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie ihr mich haben wollt'. - Was mich aufhorchen lässt ist die Tatsache, dass auch du von deiner Mutter schreibst in Bezug auf das schlechte Gewissen und ich mich gerade fragen, ob ich unserer Tochter auch ein schlechtes Gewissen gemacht habe oder noch mache. Das liegt mir nämlich fern. - Den Knopf zum Ausstellen: Ja, den suchen wir wohl irgendwie alle. - Danke, dass du uns deine diesbezügliche 'Geschichte' erzählt hast.
Klärchen: Auch ich muss überlegen und finde das Thema sehr interessant.
Ein schlechtes Gewissen wurde mir im Leben oft von anderen eingeredet. Meine Mutter hat es bis an ihr Lebensende versucht.
Daran trage ich, weil sie es tat, aber schuldig fühle ich mich nicht. Sie ist verstorben und ich habe meinen Frieden so mit ihr geschlossen. Vergessen kann ich nicht.
Ich bringe ein schlechtes Gewissen mit Schuldgefühlen zusammen . Irgendwann habe ich mich gefragt und mir gesagt, ich bin nicht schuldig für Fehler die andere gemacht haben und auf mich projizieren. Ich habe mich davon distanziert obwohl es mir nicht immer in manchen Situationen gelungen oder leicht gefallen ist.
Mit einem schlechten Gewissen kann ich schlecht umgehen und es bereitet mir schlaflose Nächte. Aber ich hinterfrage auch, ob es wirklich mein Problem ist und ich es haben muss.
Gewissensbisse habe ich bekommen, als ein Mensch gestorben ist und ich ihn nicht mehr besucht habe oder angerufen habe.
Durch Entfernungen ging es aber auch nicht und ich fand Ausreden für mich um damit umzugehen. Mit der Zeit ist das aber vergangen und was ich nicht ändern kann ist dann auch abgeschlossen für mich da baue ich ein Schutzschild um mich.
Bei einem schlechten Gewissen kann ich wenn es berechtigt ist, mich entschuldigen und soweit es geht gut machen, darüber reden, wenn der jenige ansprechbar ist.
Ein schlechtes Gewissen bekomme ich wenn ich jemanden Unrecht tue oder etwas sage und ihn damit verletzte. Da zählt für mich das offene Wort.
Insgesamt glaube ich, werden wir nicht mit einem schlechten Gewissen geboren, sondern es wird uns anerzogen ist in der Kindheit. Schuld auf sich laden, Angstlügen, vieles hängt mit dem Gewissen zusammen. "Ein gutes Gewissen ist ein ruhiges Ruhekissen", eine Lebensweisheit.
Martina: Danke, Klärchen! Komisch. Eben beim Lesen von Christines Kommentar kam mir ein Spruch in den Sinn. Jetzt ist es wieder so. Bei dir denke ich an diesen hier: 'Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden'. 
Ich komme darauf, weil du geschrieben hast, dass du Gewissensbisse hattest, weil du jemanden nicht (mehr) besucht hast. - Das gehört zu den Dingen, die nicht mehr zu ändern sind und die wir hinnehmen sollten. - Auf der anderen Seite sind es die Dinge, die du noch ändern kannst (Stichwort: Das Gespräch suchen) - und das tust du. - Also handelst du ganz nach diesem Spruch und damit weise!
Jutta: Ich bin zur Zeit nicht so recht auf dem Damm (seelisch ), daher kann ich diesmal nicht länger antworten.
Aber durchgelesen habe ich alles.
Und ich habe in jedem Kommentar einen Teil für mich herauspicken können.
Es ist ein schweres Thema und ich bin, wie erwähnt etwas kraftlos um ins Detail zugehen. vielleicht will ich es ja unbewusst auch derzeit gar nicht, wer weiß.
Jedenfalls bin auch ich nun jede Woche auf deine Themen gespannt.
Gehört für mich nun zum Sonntag einfach dazu.

Martina: Oh, das klingt nicht gut, liebe Jutta! Ich hoffe, dass es der Sonnenschein vermag, dir Licht in Herz und Seele zu schicken. - Ich freue mich natürlich, wenn du schreibst, dass meine Fragen inzwischen schon zu deinem Sonntag gehören - und das bereits nach so kurzer Zeit! Danke!
Ingrid: Ohne Frage ist die deinige eine sehr gute. Ich selber fühle mich zwar nicht betroffen, was mein Elternhaus angeht. Ein schlechtes Gewissen findet auch auf anderen Ebenen statt. Ist hier auch schon angesprochen worden.
Es ist wichtig, nichts im Raum stehen zu lassen, wenn etwas quält, weil man sich bewusst oder unbewusst fehl verhalten hat. Dann muss man es klären. Nun gibt es zuweilen Situationen, die man nicht sofort klären kann. Je länger man damit wartet umso schwieriger wird das Aufeinander-Zugehen-Können.
Es ist aber immer wieder schön, wenn man den Mut findet Klarheit zu schaffen. Manchmal reicht es auch schon nachzufragen: Wie hast du das gemeint?
Dieser Beitrag von dir mit den dazugehörigen Kommentaren hat mir bewusst gemacht, welches Glück ich hatte mit meinen Eltern. Ich bin zwar sehr streng erzogen worden und wurde oft zurückgehalten, was aber letztendlich dazu geführt hat, meine Ziele umgehend anzugehen sobald ich volljährig wurde.
Das wurde (sicherlich auch mit Schmerzen meiner Eltern) akzeptiert. Mir hat dieser Weg nur gut getan. Allerdings bin ich seitdem immer nur zu Besuch wieder ins Elternhaus gekommen, war aber immer für sie im Notfall da. So habe ich sie auch im Alter gepflegt und es war schön zurück geben zu können. Umgekehrt war in Notfällen auch meine Mutter für mich da.
Das sind eigentlich für mich positive Erinnerungen. Was mich sehr freut ist, dass hier Themen gestellt werden, die tiefer gehen. Dafür danke ich dir.
Martina: Und ich danke dir, dass du uns mit deinem Kommentar einen Einblick in dein Leben und Denken gibst. Ich denke, dass wir alle in unseren Familien immer am richtigen Platz waren und sind. - Ein weiteres Thema, das hier ganz sicher einmal auftauchen wird. :-)
Alexander: Leider nur kurz im Vergleich zu den vielen langen Kommentaren: 
Ich wollte mal was über das Ge-Wissen schreiben, tat es aber aus gewissen Gründen noch nicht. Auch Gewissen muss reifen, kommen wir doch ohne dieses Gefühl auf die Welt, und doch ist es Teil des Göttlichen Funkens, der uns mitgegeben wurde. Eine schwierige Basis für eine Disertation "out of the blue", zumindest für mich. Aber gut auf der anderen Seiten, wenn mich schon im Vorfeld - und nicht im Nachgang - Gewissenbisse kneifen. 
Martina: Danke, dass du das Wort 'Ge-Wissen' getrennt hast. Ah, dachte ich: Gewissen und Wissen hängt zusammen. Wie konnte ich das bisher nur übersehen.