Sonntag, 4. Dezember 2016

Beim Weihnachtsmann

Die liebe Frau Sonnenhut fragte in ihrem gestrigen Kommentar, ob ich nicht erzählen könne, wie es dort ausschaut beim Weihnachtsmann und wie er so lebt. Vielleicht interessiert es ja auch noch den einen oder anderen Leser und deshalb schreib ich heute mal darüber und wie es überhaupt dazu kam, dass ich beim Weihnachtsmann sein durfte.
Weihnachten nostalgie bilderVor vielen, vielen Jahren schrieb ich ihm. Es muss noch in der Grundschulzeit gewesen sein. Damals wünschte ich mir von ganzem Herzen einen Hund und was soll ich euch sagen, der Wunsch wurde nicht erfüllt, worüber ich natürlich ziemlich traurig war. Was ich nicht ahnen konnte: Ein kleiner Engel (bei Astrid könnt ihr mehr über ihn erfahren) hat meinen Brief versehentlich nicht dem Weihnachtsmann übergeben. Vermutlich ist er ihm aus seiner Tasche gerutscht.
Als nun nach 50 Jahren im Himmel wieder einmal ein weihnachtlicher Großputz durchgeführt wurde, kam mein kleines Briefchen zum Vorschein. Der Engel wurde sogleich vom Weihnachtsmann beauftragt, zu mir zu fliegen und mich als Wiedergutmachung bei ihm zum Kaffeetrinken einzuladen. Das war natürlich eine sehr nette Geste.
Das kleine Engelchen verband mir die Augen, da kein Mensch den Weg zum Weihnachtsmann kennen darf. Bald darauf saß ich in einem großen Ohrensessel in einer gemütlichen Stube. Mein Blick fiel sofort auf einen Kamin, der behagliche Wärme ausstrahle. In einem anderen Sessel, sie waren übrigens aus rotem Samt, saß der Weihnachtsmann. Er trug ein weißes Hemd, dessen Ärmel er aufgekrempelt hatte. Dazu eine rote Hose aus Samt - passend zu den Sesseln. An seinen Füßen prangten riesengroße braune Filzpantoffeln. Ich weiß gar nicht, ob ich verraten darf, dass er ein Pfeifchen rauchte. Ich mag Pfeifenduft. Er vermischte sich mit dem Duft von frisch gebrühtem Kaffee und Keksen. Es waren übrigens die himmlischsten selbst gebackenen Kekse, die ich je gegessen habe. Leider durfte ich das Rezept nicht erfahren.
Der Weihnachtsmann erzählte ein wenig und meinte dann, er müsse nun wieder an seinen Schreibtisch zurückkehren. Es gälte, noch viele Briefe zu lesen. Wenn ich wolle, so bot er an, könne ich ihm dabei gerne über die Schulter schauen, was ich natürlich nicht abgelehnt habe.
Sein Schreibtisch ist wirklich riesengroß, aus einem warmen braunen Holz mit sehr dicken Beinen. Das muss so sein, sonst würde er unter der Last der vielen Briefe glatt zusammen brechen. Eine Lampe befand sich nicht im Raum, aber eine Menge Kerzen. Eine besonders dicke brannte auf dem Schreibtisch und spendete dem Weihnachtsmann beim Lesen ihr Licht.
Zunächst setzte er eine goldene runde Brille auf seine Nase. Anschließend begann er mit einer großen Ruhe und Besonnenheit seine Tätigkeit. Er nahm einen Brief nach dem anderen in seine Hände, öffnete sie vorsichtig und las. Bald darauf griff er zu seinem Stift, - nein, das stimmt so nicht, es war eine Feder, die er in ein altes Tintenfass tunkte und notierte den jeweiligen Wunsch des Kindes in seinem dicken goldenen Buch.
Später würde er eine kleine Pause einlegen und die Engel damit beauftragen, in seinem Buch nachzuschauen, welches Kind welches Geschenk bekommen solle. Die Aufgabe der Engel ist, die Geschenke zusammen zu tragen, mit Namen zu versehen und auf einen Schlitten zu legen.
Als ich aus dem Fenster schaute, das sich hinter dem gewaltigen Schreibtisch befand, sah ich bereits den Schlitten vor der Türe stehen. Er war herrlich verziert. Sogar die Kufen waren aus reinem Gold. Ich war sehr beeindruckt. Viele Geschenke lagen bereits auf ihm. Die Rentiere standen schon bereit. Eingespannt waren sie allerdings noch nicht. Sie fraßen Heu, denn ihr müsst wissen, dass sehr viel Schnee auf den Wegen, Plätzen, Häusern und Tannen lag.
Aus den Schornsteinen der Häuser kräuselte sich weißer Rauch. Dort wohnen die Engel, backen und werkeln. Zu gerne hätte ich einmal einen Blick in eins der Häuschen getan, doch leider …  saß ich wieder in meinem Sessel zu Hause in meinem Wohnzimmer. Es war gemütlich warm und viele Kerzen flackerten. Wie ich allerdings wieder hierher zurückkam, daran kann ich mich nicht mehr erinnern.


© Martina Pfannenschmidt, 2016

Kommentare:

  1. Hallo Martina,
    gut, dass Du zum Kaffeetrinken eingeladen wurdest und nicht zum Tee! Und gut, dass Du nicht noch den Hund nachträglich bekommen hast, sondern himmlische Kekse - der Weihnachtsmann kennt Dich wohl gut.
    LG und habt einen schönen 2. Advent.
    Wir werden heute noch einen weiteren kleinen schnuggelichen Weihnachtsmarkt besuchen und bestimmt etwas frieren!
    Manu

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  2. Liebe Martina,
    na so was, sollte der Tollpatsch Klein-Herbert tatsächlich daran schuld sein, dass der Brief niemals beim Weihnachtsmann ankam? Ohje, das kann doch nicht sein, oder doch ? ;-)
    Ich habe leider erst jetzt Deine schönen Weihnachtsmanngeschichten gelesen, denn ich bin erst seit einem Tag wieder zurück in Deutschland. Ich war drei Wochen unterwegs in Bangkok und Abu Dhabi und da konnte ich leider nicht so intensiv meine Blogkontakte pflegen. Ich hoffe Du entschuldigst meine Verspätung und hab vielen lieben Dank für Deine Verlinkung.
    Ich schicke Dir ganz liebe Grüße und Klein-Herbert werde ich ausrichten, dass er doch besser aufpassen soll.
    LG
    Astrid

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