Donnerstag, 15. September 2016

Schwarzweiß

Es gibt nicht nur schwarz und weiß,
doch in meiner heutigen Geschichten herrschen
diese beiden Farben vor.
:-)
Die Reizwörter dazu lauteten:

Topf – Tränen – verirren – dunkelrot – mutig

 Weitere Geschichten gibt es bei

Zebra bilder

„Mama, weshalb weinst du?“, fragte Tabea besorgt, als sie in die Küche stürmte und ihre Mutter mit Tränen in den Augen sah. Doch schnell konnte sie sich die Antwort selbst geben. Mama hatte gerade eine Zwiebel in kleine Würfel geschnitten.
„Was gibt es denn zum Mittagessen?“, war die nächste Frage, die das Mädchen stellte. Doch auch diese musste Mama nicht beantworten, denn schon schaute Tabea in den Topf: „Oh, Nudeln - mit Tomatensoße – lecker!“
„Wenn du möchtest, kannst du schon mal den Tisch decken“, schlug Mama vor.
„Nö, keine Lust. Kannst mich ja rufen, wenn du fertig bist.“
Mama schmunzelte. Sie war als Kind nicht anders, als ihre Tochter heute, und Arbeiten, die mit dem Haushalt zu tun hatten, gehörten damals auch nicht zu ihren liebsten Aufgaben. - Bald darauf rief sie nach Tabea und füllte die Nudeln mit der Tomatensoße auf Teller.
„Pass auf, dass du nicht wieder kleckerst“, feixte Mama und spielte dabei auf den Fleck an, den ihre Tochter sich das letzte Mal auf einer weißen Bluse eingefangen hatte. Die Aussage veranlasste das Mädchen, die Augen zu verdrehen. Immer diese Belehrungen. Sollte Mama lieber aufpassen, dass es ihr nicht passierte. Außerdem bestand diesmal sowieso keine Gefahr. Auf ihrem dunkelroten Shirt würde so ein kleiner Tomatensoßen-Klecks gar nicht auffallen.
Just als Tabea die letzte Gabel voll mit der leckeren Köstlichkeit in den Mund geschoben hatte, klingelte das Telefon. Das Mädchen sprang auf, nuschelte etwas, dass wie ‚ich geh schon’ klang und sprintete in die Richtung, aus der das Klingeln kam.
„Hallo, hier ist Tabea Richter.“
„Und hier ist Opa Hans! Das ist ja schön, dass ich dich gleich am Telefon hab. Pass mal auf, mein Kind, ich habe eine Überraschung für dich. Kannst mal eben rüberkommen. Am besten gehst du gleich zur Pferdekoppel.“
„Mach ich“, erwiderte sie, gab kurz ihrer Mutter Bescheid und lief ein paar Häuser weiter zum Bauernhof ihres Großvaters. Genauer gesagt, schlug sie gleich die Richtung zur Pferdekoppel ein.
„Ich glaub es nicht!“, rief sie schon von weitem. „Woher kommt das denn?“
„Da staunst du, nicht wahr! Erinnerst du dich an den Zirkus, der hier letztens gastierte? Der Direktor ist schwer erkrankt und muss seinen Zirkus deshalb aufgeben. Jetzt sucht er ein neues Zuhause für seine Tiere und nun hat er mich gefragt, ob ich mir zutrauen würde, sein Zebra aufzunehmen.“
„Das ist ja geil!“
Schon kletterte Tabea mutig über den Zaun, doch Opa hielt sie auf: „Halt, mein Fräulein, so haben wir nicht gewettet. Auch wenn das Zebra an Menschen gewöhnt ist, bleibt es ein Wildtier, das zubeißen kann, wenn es sich bedroht fühlt.“
„Aber doch nicht von mir. Ich will es doch nur streicheln und willkommen heißen hier auf unserer Weide.“
„Ja, ich weiß. Trotzdem, sei bitte vorsichtig.“
Tabea versprach es und Opa ging zurück zum Stall, um seine Arbeiten zu verrichten.
Mist, jetzt hatte sie vergessen, ihren Großvater nach dem Namen des Zebras zu fragen.
„He, du“, rief Tabea deshalb fragend Richtung Zebra, „wie heißt du eigentlich?“
„Pyjama!“
Das Mädchen drehte sich um. Wie jetzt? Wer hatte gerade Pyjama gesagt?
„Ich heiße Pyjama!“
Tabea sah wieder Richtung Zebra, das langsam auf sie zukam. 
„Du wolltest doch wissen, wie ich heiße“, meinte es. „Man hat mich wegen meiner Streifen so genannt.“
Tabea war perplex. Ein Tier, das mit ihr sprach, war eine völlig neue Erfahrung. 
„Und wie heißt du?“, wollte das Zebra wissen.
„Tabea!“
„Und wie kommt es, dass du dich hierher zu mir verirrt hast?“
„Der Bauer ist mein Opa. Er hat mich angerufen und gesagt, er habe eine Überraschung für mich.“
„Und ich bin die Überraschung?“, fragte das Zebra und stellte dabei die Ohren auf.
„Ja, genau!“
„Ich war noch nie in meinem Leben eine Überraschung, noch niemals in meinem ganzen Leben.“ Vor Freude schlug es mit den Hinterbeinen aus, drehte sich mehrmals um sich selbst und gab obendrein eigenartige Geräusche von sich. Tabea hatte niemals zuvor ein Zebra wiehern hören.
"Als ich geboren war“, erzählte Pyjama, nachdem er sich wieder beruhigt hatte, „verstarb meine Mama. Kurz darauf wurde ich in den Zirkus verbracht. Ich kam in den Stall zu den Pferden. Es gab ein pechschwarzes Pferd, einen Rappen, und ein weißes, also einen Schimmel. Die beiden waren sehr nett und nahmen mich freundlich auf. Nur die Menschen, die machten sich lustig über mich. Ich hätte mich wohl für keine der beiden Farben entscheiden können, meinten sie und dass ich aussähe wie der Zirkusdirektor in seinem gestreiften Schlafanzug. Schon hatte ich meinen Namen weg.“
„Ich finde deinen Namen lustig“, meinte Tabea und fügte ein Frage an: „Sag mal, vertragen sich Zebras und Gazellen?“
„Ja klar, weshalb fragst du?“
„Weil Tabea Gazelle bedeutet!“, antwortete sie verschmitzt.
Das Zebra lachte auf und schüttelte dabei den Kopf, dass seine Mähne nur so hin und her flog.
Bald darauf verabschiedete sich das Mädchen von dem Zebra und lief schnell nach Hause, um mit der besten Freundin zu telefonieren. Tabea wollte schnellstens klären, ob sie ihren neuen Freund zur nächsten Pyjama-Party mitbringen durfte. 


© Martina Pfannenschmidt, 2016


Meine Geschichte
nimmt auch dieses Mal wieder an Elkes
froher und kreativer
Linkparty teil!

Kommentare:

  1. Ach wie schöööön, liebe Martina.
    Ich war überrascht, was für eine Wendung die Geschichte genommen hat. Sie fängt erst so “alltäglich“ an (was nicht negativ gemeint ist *zwinker*). Und beim Thema Essen und Tochter und Flecken musste ich gleich schmunzelnd an meine denken. Die schafft es ja noch bis heute jedes Mal Spuren der Mahlzeiten, die sei einnimmt, auf Tisch und Kleidung zu hinterlassen. Da ist die Familie eher erstaunt, wenn das mal nicht passiert *lach*.
    Und dann im zweiten Teil das sprechende Zebra. Mit so was hatte ich ja jetzt gar nicht gerechnet. Aber es hat mir gefallen. Und nun werde ich mich gut gelaunt und erwartungsvoll an die Hausarbeit machen. Man weiß ja nie, was der Tag noch bringt *lach*.

    ♥∗✿≫✿≪✿∗♥
    Herzlich grüßt
    Uschi

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  2. Liebe Martina,
    so eine schöne Geschichte und der letzte Satz it der Knaller schlechthin! Toll geschrieben!
    Herzliche Grüße
    Regina

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  3. Ein Zebra, das sprechen kann auf einer Pyjamaparty, super!
    Danke für die schöne Geschichte in meiner Linkparty.
    LG Elke

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  4. Liebe Martina, wow, da ging es rasant von der Realität in die Fabelwelt, ein Zebra, das spricht, toll. Liebe Grüße Eva

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  5. Liebe Martina,
    eine wirklich schöne Geschichte, toll erzählt,
    was dir immer alles einfällt ;-) ich möchte deine Fantasie
    gerne haben.
    Lg und einen gemütlichen Tag.
    Sadie

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  6. Liebe Martina,
    was für ein Zufall - und ich habe heute ein Kleid mit Zebra-Muster an. In schwarz-weiß... **grins**. Weil es vermutlich die letzte Gelegenheit für dieses Jahr ist, es zu tragen...
    Deine Geschichte gefällt mir prima - und sie ist wirklich völlig verschieden von meiner!
    Wie Frau Sonnenhut oben schon schreibt - sie fängt soooo alltäglich an.Ich bin übrigens auch ein kleines Ferkelchen, an dessen Kleidung man oft die Speisekarte ablesen kann... Und dann plötzlich fängt das Zebra an zu sprechen... Damit hat ich ja nun wirklich nicht gerechnet. Eine tolle Idee!
    Liebe Grüße, und einen schönen Abend!
    Christine

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  7. Liebe Martina,
    ich den Kommentaren vor mir nur beipflichten: Eine richtig schöne und lustige Geschichte. Ich habe anfangs eher erwartet, dass es um die Nudeln mit Tomatensoße geht. Vielleicht eine Fleckengeschichte oder so. Aber das war wohl irgendwie schwarzweiß gedacht ;-) oder besser rotweiß. Egal, auf jeden Fall hatte ich keine fabelartige Geschichte erwartet. Umso schöner war diese.
    LG
    Astrid

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  8. Kicher, na DIESE Pyjamaparty stelle ich mir ja lustig vor, liebe Martina! :o))))))) Da wäre ich gern dabei! Zum Zwiebelschneidthema, ich habe heute ebenfalls Küchentränen vergossen, diese Biozwiebel, die ich neulich gekauft habe, sind sowas von scharf! (Und gut :o))
    Allerliebste Rostrosengrüße von der Traude
    http://rostrose.blogspot.co.at/2016/09/a-new-life-9-wasser-ist-leben-teil-1.html

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  9. Was für eine sprühende Fantasie, liebe Martina! Und immer in wohl gesetzten Worten, ich bewundere Dein Talent sehr. Eine tolle Geschichte, ich mag sie.
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende!
    Herzliche Grüße
    Marle

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  10. Liebe Martina,

    ich unterschreibe die Kommentare.

    Alles Liebe
    Elisabeth

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  11. schmunzel schmunzel...ein Land in dem die Tiere sprechen können, ja in der Welt der Kinder gibt es das, das kennen wir doch selbst von früher! Auch im Heute gebe ich den Tieren Namen wie überhaupt all dem an dem ich besonders hänge, dem Auto, dem Luxuspelletsofen, na und den Blümeleins sowieso...
    fürs geschichtenerzählen liebe Martina bekommst du eh schon seit langem eine EINS!
    Ein" Schlabberlätzchen würde ich noch spenden und parat haben für das nächste Tomatennudelgericht auf dem Tisch, das legt man sich um, und schon passiert nix , lacht angel...
    tolle Sonntagsgeschichte....

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  12. Nun habe ich mir Deine Geschichte als Lesevergnügen gelassen, sonst lese ich nicht immer alles.Da möchte man Kind sein bei Dir, wo Tiere sprechen da ist es schön.
    Mögen Dir die Ideen nie ausgehen, das kannst Du wirklich gut, Geschichten schreiben.
    Liebe Grüße zum Wochenende, Klärchen

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  13. Liebe Martina habe es heute erst gelesen, bin nicht so oft hier, aber kommt schon wieder, brauche einfach eine Computerpause, schmunzeln
    Wünsche dir ein schönes Wochenende, herzliche Grüße Lore

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