Dienstag, 15. März 2016

Sport ist Mord

Herzlich Willkommen zu einer weiteren Reizwörtergeschichte!

Die Reizwörter lauteten diesmal:

Kajak – Straße – knirschen – bewegen – glasklar

Weitere Geschichten gibt es wie immer bei


Außerdem geht die Geschichte zu
'Froh und Kreativ!'


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Maja zog die Bettdecke über ihren Kopf. Es war nicht auszuhalten. Ihr Herzallerliebster lag neben ihr und knirschte mit den Zähnen. Das war ein eindeutiger Hinweis darauf, dass er wieder einmal zu viel Stress hatte. Morgen früh würde er mit Kopfschmerzen aufstehen und total verspannt sein. Sie kannte das schon.
Eigentlich müssten sie gemeinsam den Stress abzubauen. Am besten dadurch, dass sie sich mehr bewegten. Doch sie hatten ja sowieso schon so wenig Zeit. Es konnte aber genauso gut sein, dass das nur eine Ausrede war. Zeit nahm man sich ja immer für die Dinge, die einem wichtig waren. Sie würde morgen ein intensives Gespräch mit ihrem Mann und  mit ihrem inneren Schweinehund führen müssen.
Ihre Gedanken wanderten weiter. Bis zum nächsten Urlaub war es noch ein Weilchen hin. Deshalb hatten sie auch noch gar nicht darüber gesprochen, wohin die Reise gehen sollte. In jedem Fall müssten sie sich entspannen. Doch Entspannung sah ja für jeden Menschen anders aus. Der eine buchte eine Kajak-Tour, der andere besuchte lieber die Museen dieser Welt und der Dritte schnorchelte mit großer Begeisterung im glasklaren Wasser der Karibik. Aber das war nichts für Maja. Sie mochte das Meer zwar und auch die Wärme, doch am liebsten lag sie in einem Liegestuhl am Pool. Maja konnte es nicht ertragen, zwischen all den glitschigen Fischen herum zu schwimmen. Vielleicht wäre es aber sinnvoll, diesmal einen Urlaub mit ein bisschen mehr körperlicher Aktivität in Betracht zu ziehen. - Bald darauf schlief sie wieder ein und träumte vom Meeresrauschen und bunten Fischen.
Wie erwartet rieb sich ihr Gatte am nächsten Morgen den Kiefer. „Na, mein Schatz, wieder mal mit den Zähnen geknirscht?“, fragte Maja ihn – vielleicht ein kleines bisschen zu provokativ.
„Quatsch!“, war seine kurze und mürrische Antwort darauf. Ja, so war er, ihr Willi – ein großer Morgenmuffel vor dem Herrn. Da war es besser zu schweigen und ernste Gespräche auf den Abend zu verlegen.
Maja sah zunächst auf ihre Armbanduhr, anschließend hinaus auf die Straße. Wo blieb ihr Willi nur wieder? Sie wartete seit einer Stunde mit dem Abendessen auf ihn. Im selben Moment bog er in die Einfahrt. Das wurde aber auch Zeit.
Maja hatte einen deftigen Auflauf zubereitet, über den sich beide mit großem Appetit hermachten. Gleich nach dem Essen suchte sie das Gespräch mit ihrem Mann.
„Willi, du hast heute Nacht wieder derart mit den Zähnen geknirscht, dass ich nicht schlafen konnte.“
„Tut mir leid. Ich merke das gar nicht.“
„Das weiß ich ja, aber wir müssen etwas dagegen tun.“
„Ich hole mir gleich morgen einen Termin beim Zahnarzt für eine Zahnschiene“, versprach er.
Das war schon mal eine gute Idee, doch Maja wollte ja auf etwas Anderes hinaus.
„Das ist gut, doch die Schiene hilft leider nicht gegen deinen Stress. Ich schlage vor, dass wir ihn gemeinsam abbauen und das idealerweise an der frischen Luft und mit ein bisschen Bewegung.“
Willi schien wenig begeistert: „Bewegung – du denkst bestimmt ans Joggen. Du, das tut den Gelenken gar nicht gut, hab ich gehört. Die Überbeanspruchung schadet mehr, als das sie nutzt.“
„Das ist doch eine Ausrede, Willi. Wir müssen ja nicht gleich einen Marathon laufen und außerdem können wir auch walken.“
„Walken? Das kommt schon mal gar nicht in Frage. Ich mache mich doch nicht lächerlich und laufe mit Stöcken in den Händen durch die Gegend. Wenn ich das schon sehe“, meinte Willi und untermauerte seine Worte mit einer abwertenden Handbewegung.
„Du, das tun aber viele Tausend andere …“
Bevor Maja weiterreden konnte, fiel Willi ihr ins Wort: „… ich aber nicht!“
„Gut, dann gehen wir schwimmen.“
„Ich denke, ich soll an die frische Luft. Die Freibäder sind aber noch geschlossen und nur in den Sommermonaten geöffnet.“
Das war natürlich ein Argument, das Maja nicht widerlegen konnte. Vielleicht sollten sie die Sache mit der Bewegung doch noch einmal verschieben. Bestimmt machte es auch Sinn, das ganze Unternehmen mit einer Ernährungsumstellung zu verbinden. Damit musste sie sich doch mal ernsthaft auseinander setzen. 
Irgendwie überkam Maja ein gutes Gefühl: Jawohl, sie würden sich mehr bewegen und gesünder ernähren, nur halt noch nicht sofort und jetzt gleich, aber aufgeschoben war ja nicht aufgehoben.
Ganz nach dem Motto: Allein der Gedanke zählt, fühlte sie sich richtig gut, als sie später im Wohnzimmer vor dem Fernseher saß. Als ihr Mann sich zu ihr gesellen wollte, rief sie ihm zu: „Du Willi, bringst du bitte die Tüte Chips mit.“


© Martina Pfannenschmidt, 2016

Kommentare:

  1. Ja, ja, so ist das mit den guten Vorsätzen. Eine schöne und lustige Geschichte ist dir da wieder eingefallen und danke für den Link. Eine Challenge wird es so bald noch nicht geben, mal schauen, wer überhaupt teilnehmen möchte.
    LG Elke

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  2. Genau, liebe Martina,
    aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Dass allein schon der gute Vorsatz ein so befreiendes Gefühl macht, kenne ich gut - zu gut! Tolle Geschichte, vielen Dank!
    Herzliche Grüße
    Regina

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  3. Ohja, die Sache mit dem Sport. Gerne verschiebt man das, so nach dem Motto: Sport ist Mord. Man nimmt es sich vor und dann verschiebt man es und beim abendlichen Fernsehen greift man ganz unbewusst mal wieder in die Chipstüte.
    Ich habe mir jetzt einen Stepper gekauft. Der ruft schon seit zwei Wochen nach mir. Aber ich habe eine gute Ausrede, denn wir waren ja die letzten beiden Wochen auf Teneriffa. Aber ab morgen geht es wieder auf den Stepper....
    LG
    Astrid

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  4. Liebe Martina,
    so war ich früher auch und dann kam auch durch eine Krankheit eine große Wende, seitdem sind Sport und Ernährung das A und O in meinem Leben. Gut, dass mein Mann auch so mitzieht. Es ist einfach ein schöneres und gesünderes Leben. Hat mir gefallen, Deine Geschichte, gerade zum Schluss mit der chipstüte, lach. Alles Liebe Eva

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  5. Ja so ist das! Klasse Geschichte das alles sehr gut auf den Punkt bringt!
    ♥lich Claudia

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  6. Eine tolle Geschichte ist Dir da wieder aus der Feder gehüpft, liebe Martina! Danke dafür!
    Ich wünsche Dir einen schönen und fröhlichen Wochenteiler!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  7. Wie aus dem Leben, haahaaa, das kenne ich , denn mein innerer Schweinhund ist soooo groß wie ein Elefant.
    Wünsche dir einen schönen, liebe Gruße Lore

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  8. Eine Geschichte aus dem Leben, die wohl fast jeder so oder so ähnlich kennt. Toll geschrieben!
    LG
    Inge

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  9. hihi

    wer sich da wohl erkennt??
    liebe Grüße
    Rosi

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  10. Hallo, Martina,
    eine Gesichte aus dem wirklichen Leben! Irgendwie ist der innere Schweinehund ein sehr hartnäckiger Geselle - mir leistet er auch sehr oft Gesellschaft! Ich muss aber zugeben, seit ich mit Linedance angefangen habe, hat er keine Chance mehr. Ich hasse nur Joggen und Walken - ich lache mich immer schlapp über die Stockenten! Stöcke gibt es bei mir nur beim Wandern im Gebirge - da gehören sie nämlich hin! **grins**.
    Übrigens - die Chipstüten und die Schokoladen-Ostereier sind schon eine große Versuchung!
    Liebe Grüße

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  11. Eine tolle Geschichte ,die ich auch nur all zu gut kenne :-))
    Mein Mann und ich sind täglich mit den Hunden unterwegs, das
    reicht vollkommen ,wir nehmen es gemütlich und erfreuen
    uns dadurch auch an der schönen Natur !

    Ganz liebe Grüsse
    Margrit

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  12. Hallo Martina,
    na endlich kann ich wieder kommentieren. Die letzten Tage hatte ich hier Ladezeiten wie zu Zeiten, als ich noch ein Modem angeschlossen hatte. Ich musste schon ein wenig schmunzeln, als ich die Namen Maja und Willi las. Helden meiner Kindheit als Couchpotatoes. Super!!! Hat mir sehr gefallen! LG Tanja

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  13. auweia..und dann...sind all die guten Vorsätze wie im Wind wieder verflogen...ausgerechnet Chips und Co, sind ja noch schlimmer als meine geliebten ERdnüsschen vor dem TV aber die --kann man sich - wenigstens - trösten, haben Öl als Grundlage allerdings ebensoviel salz...
    couchpotatas...sauber...
    sehr hübsche Geschichte, ich hab laut gelacht..vor allem zum Schluß..

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  14. Liebe Martina!
    Oje, die beiden haben es sich aber in einen schlimmen Kreislauf aus Bequemlichkeit, faulen Ausreden und Gewohnheit häuslich eingerichtet… Um mal Willi anzusprechen: Man kann auch ohne Stöcke walken, mit Stöcken ist es dann eben Nordic Walking und verursacht zusätzlich zu trainierten Beinen auch noch einen schönen, trainierten Oberkörper. Das wäre doch etwas, um den faulen Herrn vielleicht zu ködern? Und das „Bienchen“ Maja sollte sich nicht so leicht entmutigen lassen und ev. selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn der faule Willi seht, dass seine Frau immer fitter und fescher wird, nimmt er sich ja vielleicht ein Beispiel. Schwierig ist nur die erste Woche bzw. sind die ersten zwei, drei Male – sowohl beim Walken als auch beim Laufen (letzteres ist der Sport meines Mannes).

    Ich muss allerdings sagen: Ich walke (mittlerweile fast täglich) und knirsche trotzdem auch mit den Zähnen. Bewegung und Frischluft sind also kein Allheilmittel… (Über eine Knirschschiene habe ich schon nachgedacht, konnte mich bisher jedoch nicht überwinden. Mir würde es wohl am ehesten helfen, weniger nachzudenken – dabei knirsche ich nämlich auch tagsüber ;o)) – aber ein ratterndes Gehirn ist nicht wirklich auf Knopfdruck abzudrehen…)

    Ganz herzliche vor-österliche Rostrosengrüße,

    Traude

    http://rostrose.blogspot.co.at/2016/03/bahnwarterinnen-lauchkuchen-auf.html#comment-form

    ✿ܓܓ✿ܓ✿ܓ✿ ♥♥♥♥ ܓܓ✿ܓ✿ܓ

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  15. Liebe Martina,
    so richtig Sport betreibe ich eigentlich nicht. Aber ich denke die Stallarbeit ist für mich Sport genug ;)!
    Ich wünsche dir noch eine schöne Woche.
    Liebe Grüße,
    Christine

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  16. Ohja, das kenn ich nur zu gut :)

    Allerliebste Grüße,
    HOLYKATTA || INSTAGRAM

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  17. Haha, tolle Vorsätze und nix dahinter. Vielleicht sollten die beiden sich einen Hund anschaffen, dann müssen sie raus!
    LG
    Marle

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