Montag, 15. Februar 2016

Man ist so alt, wie man sich fühlt!

Heute schreiben wir den 15. Februar
und das bedeutet:
Es wird Zeit für eine neue Reizwörtergeschichte!
Die Reizwörter lauteten:

Pfannkuchen – Schuhcreme – kämpfen – lachen – lila

Und das sind die Namen aller Mitschreiberinnen:
Tanzen cliparts

Mit großem Appetit mümmelte Lieselotte ihren Pfannkuchen. Sie liebte Pfannkuchen. Schon als Kind gehörte er zu ihren Lieblingsspeisen. Wie viele sie in ihrem Leben wohl schon verputzt hatte, fragte sie sich, während sie die nächste Gabel voll mit der süßen Leckerei in den Mund stopfte. Ihr Blick fiel dabei aus dem Küchenfenster in den Garten. Es war kalt draußen und es fielen auch vereinzelte Schneeflocken. Doch die würden sie nicht von ihrem Spaziergang abhalten, den sie immer nach dem Mittagessen machte. Andere Senioren hielten ihr Mittagsschläfchen, sie zog es eher in die Innenstadt. Gerne trank sie in einem Café ihren geliebten Cappuccino und schaute dem quirligen Treiben, das draußen herrschte, zu.
Satt und zufrieden machte sich Lieselotte zurecht. Sie hatte sich zu ihrem Mantel letztens einen neuen Schal und Handschuhe gekauft – in lila. "Ja, ich traue mich was", dachte Lieselotte und schmunzelte. Sie wollte einfach noch nicht zum alten Eisen gehören und auch modische Kleidung tragen. Sie hatte keine Lust auf triste Farben oder gar graue Haare. Klar wäre sie grau, wie tausend andere in ihrem Alter auch. Aber sie färbte sich ihre Haare in einem warmen Rot-Ton. Mahagoni hieß sie, ihre Haarfarbe. Während sie ihr keckes Hütchen auf dem Kopf platzierte, betrachtete sie sich ausgiebig im Spiegel. „Siehst noch gut aus für dein Alter“, meinte sie wohlwollend, während sie ihr Spiegelbild betrachtete und einen Lippenstift auftrug, der krass im Gegensatz zum lilafarbenen Schal stand.
Vor kurzem war sie 79 Jahre alt geworden. Na und. Nur eine Zahl, die sie nicht aus der Ruhe brachte. Lieselotte befand sich im Herbst ihres Lebens. Der Winter kam noch früh genug. Es hatte aber wirklich keine Eile.
Lieselotte blieb vor dem einen oder anderen Schaufenster stehen. Einige Auslagen kannte sie natürlich schon, doch andere waren neu. Das erfreute sie. Wie immer blieb sie vor einem Schuhgeschäft stehen. „Nein, Lieselotte, du gehst da jetzt nicht hinein“, sprach sie sich selbst zu. Sie benötigte wirklich keine neuen Schuhe und auch keine Stiefel. Sie war mit allem gut ausgestattet. Gerade als sie ihren Blick von all den schönen und teuren Schuhen abwenden wollte, kam ihr in den Sinn, dass sie schwarze Schuhcreme benötigte. Die war ihr ausgegangen. Da konnte man nichts machen. Sie musste das Geschäft doch betreten, ob sie nun wollte oder nicht. Obwohl sie mit einem Schuh liebäugelte, blieb Lieselotte diesmal standhaft. Dafür würde sie sich gleich mit einem leckeren Stückchen Moccatorte belohnen. „Schon wieder etwas Süßes?“, fragte ihr Gewissen. „Musst du nicht auf deine Figur achten und denk an den Cholesterinspiegel!“ Ne, daran wollte sie gar nicht denken. Ihr Leben lang hatte sie mit den Pfunden gekämpft. Damit war jetzt endgültig Schluss. Sie wollte sich nicht mehr kasteien, sondern ihr Leben genießen. Dazu gehörte auch hin und wieder ein Stückchen Torte oder ein Hamburger, wenn ihr Enkel sie besuchte. Ansonsten achtete sie schon auf ihre Ernährung und hielt so ihr Gewicht und abnehmen, dass wollte und musste sie nicht, wie sie fand.
Wohlwollend betrachtete sie die Auslagen in der Parfümerieabteilung. So viele herrlich anzusehende Tiegel und Töpfen. Doch kein einziges würde jemals in ihrem Bad stehen. Sie benutzte seit Jahren keine ‚Anti-Creme’, sondern ein Öl, das ihrer Haut gut tat. Diese ganze Chemie brauchte sie nicht. Außerdem neigte sie nicht so sehr zu Falten und wenn, wäre es auch nicht tragisch. Man musste nur zu seinem Alter stehen, schon war alles gut.
Zielstrebig ging sie einem Café entgegen. Vielleicht ergatterte sie zu dieser Tageszeit noch einen Fensterplatz. Das wäre ihr am liebsten. Das Beobachten anderer Menschen machte ihr einfach Freude. Lieselotte hatte Glück und erwischte einen herrlichen Platz. Außerdem tat die Wärme ihr gut und der Duft von frisch gebrühtem Kaffee war einfach unwiderstehlich.
Draußen zog eine Horde junger Menschen lachend am Café vorüber. Sie waren alle dick eingepackt und ließen sich von der Kälte nicht die gute Laune verderben. Wenn sie in das Gesicht älterer Menschen schaute, erschrak sie oft. Wie griesgrämig sie schauten. Warum nur? Manche hatten sicher ein schweres Schicksal erlitten oder sie waren krank. Doch auch in ihrem Leben hatte es nicht nur helle Stunden gegeben. Vielleicht war es eine Gabe Gottes, die sie erhalten hatte, dass sie auch den dunklen und schweren Zeiten in ihrem Leben noch etwas Gutes abgewinnen konnte. Sie war seit langem alleine, hatte ihren Mann vor Jahren verloren, doch das Leben ging für sie weiter. Man musste einfach das Beste daraus machen.
„Lieselotte?“
Sie drehte sich um und schaute in zwei braune und sehr warmherzig drein blickende Augen.
„Gustav?“, fragte sie nach einer kleinen Weile. Aber dann war sie sehr sicher, dass sie diese braunen Augen kannte. Sie gehörten zu Gustav, ihrer ersten großen Liebe. Meine Güte, wie lange hatten sie sich nicht gesehen.
Es gab so vieles, was sie sich zu erzählen hatten. Da reichte ein Nachmittag mitnichten aus. Sie trafen sich fortan regelmäßig und sie gingen gemeinsam zum Tanztee. Dass ihr noch einmal die Liebe über den Weg laufen würde, damit hätte Lieselotte nicht gerechnet. Manchmal griff das Leben tief in die Trickkiste und bescherte den Menschen auch im Alter noch so manche Überraschung.


© Martina Pfannenschmidt, 2016


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Kommentare:

  1. Liebe Martina,
    eine wunderschöne Geschichte,
    ich bin auch der Meinung, dass man jedem Alter etwas abgewinnen kann,
    man muss nur mit sich selber im Einklang sein, das ist natürlich nicht immer einfach, doch es zu versuchen ist schon der erste Schritt. Ich neige nicht so sehr zur Faltenbildung, doch meine Lachfältchen möchte ich nicht missen, sie gehören zu mir und das ist gut so. Von den überteuerten Cremes usw. halte ich gar nichts.
    Noch ein Zitat zu deiner Geschichte:
    "Liebe hat kein Alter."
    Blaise Pascal
    Ich wünsche dir einen fröhlichen Montag.
    Lg Sadie

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  2. Liebe Martina,
    Lieselotte gefällt mir, sie ist mit sich selbst im Reinen und das strahlt sie wohl auch aus. Schön, dass sie Gustav trifft und von nun an Zeit mit ihm verbringen wird, das wird beiden gut tun!
    Herzliche Grüße
    Regina

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  3. Lieselotte und ich, wir haben viel gemeinsam. Ich esse auch gern Pfannkuchen, trinke gern Cappuccino, benutze keine Antifalten- Creme, ziehe gern bunte Sachen an und töne meine Haare. Allerdings ist sie einige Jährchen älter. Demnach kann ich nur hoffen, dass ich in ihrem Alter bleibe, wie ich heute bin. Danke dir für die schöne Geschichte und den Link.
    LG Elke



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  4. Ich möchte auch einmal Lieselotte sein !!! Sehr sympathisch, Gott sei Dank gibt es immer mehr davon ;-)
    Liebe Grüße,
    Doris

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  5. Liebe Martina,
    woher kennst Du mich eigentlich so genau? :-) Deine Lieselotte könnte ohne Weiteres ICH sein... Ich hasse triste Farben bei meinen Kleidern - manchmal überlege ich mir, ob ich nicht tatsächlich zu alt bin für shocking pink oder knallrot ... aber ich fühle mich wohl damit, und das ist die Hauptsache!
    Graue Haare habe ich mittlerweile auch jede Menge - aber die muss man ja nicht auf den ersten Blick sehen. Auch wenn sie altersgemäß wären... **grins**.
    Ach ja - Cappuccino und Pfannkuchen liebe ich auch - die Pfannkuchen aber lieber mit deftiger Füllung!
    Nur die Mundwinkel hängen bei mir öfter nach unten - den Optimismus von Lieselotte kann ich nicht immer teilen!
    Liebe Grüße
    Christine

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  6. Liebe Martina, so müssten noch mehr ältere Menschen ihr Leben genießen. So schön Deine Geschichte. Ich möchte auch einmal so sein. Liebe Grüße Eva

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  7. Liebe Martina,
    die Geschichte ist wieder wundervoll geschrieben!
    Ich wünsche Dir einen wunderschönen und glücklichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße ,Claudia ♥

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  8. Eine schöne und beruhigende Einstellung zum Altern. Wieder einmal eine nachdenkswerte Geschichte von dir, liebe Martin.LGLore

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  9. Wieder eine tolle Geschichte liebe Martina,
    ja wir werden alle älter und vielleicht sind wir dann alle wie Lieselotte... dann wäre die Welt noch schöner ;-)... ohne den Wahn nach "ewiger Jugend".
    ♥-lichste Grüße
    Karin

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  10. Ein wunderbare Geschichte ,man muss das Alter einfach nehmen,
    so wie es ist jeder macht das beste daraus :-))

    Ich färbe meine Haare auch ,grau kann ich bei mir momentan
    einfach nicht vorstellen !

    Ich mache gerade eine Lila-Pause, kämpfe mich hier in der Bloggerwelt durch ,lache vor mich hin weil die schwarze Schuhwichse vertrocknet im Schrank liegt , am Abend gibt es tatsächlich Pfannkuchen gefüllt mit gehacktem :-)))

    Ganz herzlich grüsst dich
    Margrit

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  11. schööön, bei dieser Einstellung fällt es tatsächlich nicht allzuschwer Nullen zu akzeptieren und anzunehmen, statt dagegen zu wettern und sich zusätzliche Gramesfalten selbst ins gesicht zu zaubern..
    obwohl - natürlich gibt es Tage an denen es einem nicht ganz so leicht fällt, wo man Speigel eher meidet, aber man weiß doch,am nä Tag kann es wieder anders sein.
    Deine Lieselotte ist eine reizende alte Dame, die Schwung hat und sich traut, das sollte man allen empfehlen die in einem ähnlichen Alter/+Situation sind, sehr sympathisch und das strahlt sie in deiner Erzählung auch aus!...
    Schöne Geschichte die sich so durch Reizwörter ergeben...! gefällt mir. herzlichst Angelface (und herzlieben Dank für deine immer wieder sehr netten Kommentare nach dem lesen bei mir:))

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  12. Schöööööön, ich wünsche mir ganz viele Liselotta`s und Gustav`s.
    Es gibt wirklich zu viele traurig oder gar verbittert dreinblickende Menschen, egal in welche Alter :-/
    :O) .......

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  13. Liebe Martina,
    am Anfang der Geschichte, bei den Pfannkuchen, hat mir gleich der Magen geknurrt und ich dachte "oh je". Doch dann hat mich deine Geschichte so gefesselt und begeistert das ich meinen Magen wieder vergessen habe. Wunderschön geschrieben und jeder wünscht sich wohl im Alter noch einmal dieses Glück zu haben.
    ♥lich Claudia

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  14. Liebe Martina,
    leider hatte ich erst heute die Zeit Deine schöne Geschichte zu lesen.
    Liselotte gefällt mir, sie ist mir ausgesprochen sympathisch. Anscheinend nimmt sie das Leben so, wie es kommt. Und ist anscheinend auch mit sich und der Welt zufrieden. Ich habe mich mit ihr gefreut, dass sie Gustav ihre erste große Liebe nach so vielen Jahren wieder getroffen hat.
    LG
    Astrid

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