Dienstag, 8. Dezember 2015

Wenn die Bäume schlafen

Willkommen zur Geschichte am Dienstag!
Diesmal lagen den Geschichten diese Reizwörter zugrunde:
Tanne – Nase – süß – sammeln – kriechen
Natürlich haben auch
eine Geschichte geschrieben.
Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen!

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Unter einem dicken Laubhaufen an der Wurzel einer Tanne saß Krümel, der kleine Mäuserich, um sich vor Gott und der Welt zu verkriechen. Nur seine süße kleine Nase lugte hervor, während er Florentine, das Eichhörnchen, beim Sammeln von Vorräten für den bevorstehenden Winter beobachtete.
„Hatschi!“
Florentine fuhr verschreckt herum. „He Krümel“, rief sie ihm zu, „ich hatte dich gar nicht gesehen. Versteckst du dich dort unter dem Laubhaufen?“
„Mir ist kalt“, murmelte Krümel.
„Was sagst du?“, erkundigte sie sich und hüpfte dichter zu ihm. „Ich hab dich nicht verstanden. Warum sitzt du hier?“
„Weil mir kalt ist“, brüllte die Maus das Eichhörnchen an.
„Meine Güte, da hat aber einer schlechte Laune. Wenn dir kalt ist, dann musst du dich bewegen, damit dir warm wird.“
„Keine Lust“, maulte Krümel.
„Ja was willst du nun, dass dir warm wird oder willst du weiter frieren?“
Die Frage konnte Krümel ihr und sich selbst nicht beantworten. Er wusste nicht so genau, was mit ihm los war. Er fühlte sich nicht wirklich krank aber auch nicht gesund. Er hatte einfach keine Lust auf diesen blöden Herbst und das sagte er auch unumwunden:
„Ich hab überhaupt keine Lust auf diesen blöden Herbst und dann kommt noch dieser eiskalte Winter. Daran darf ich gar nicht denken. Warum kann denn nicht immer die Sonne scheinen? Und warum kann es nicht immer schön warm sein. Das wäre mir recht.“
Florentine wurde sehr ärgerlich.
„So, du möchtest, dass immerzu die Sonne scheint?“
„Ja!“
„Und es soll auch nie regnen?“
„Nein, ich mag den Regen nicht und den Herbst mag ich auch nicht und den Winter schon gar nicht.“
„Aber denk nur, wenn es die unterschiedlichen Jahreszeiten nicht gäbe, wie trostlos unser Land aussehen würde. Es gäbe keine Bäume, nur Sand und Wüste. So ist das nämlich dort, wo immerzu die Sonne scheint. Dort kann nichts wachsen und was sollten wir dann fressen?“
„Warum würde dort nichts wachsen?“
„Na, weil die Bäume genauso das Wasser benötigen, wie wir. Ohne Wasser können wir alle nicht leben.“
Krümel wurde nachdenklich. Es konnte durchaus sein, dass Florentine recht hatte. Doch er konnte dem Herbst einfach nichts abgewinnen. Diese Stürme und das trockne Laub machten ihn geradezu depressiv.
„Aber schau, ist es nicht traurig, dass die Bäume sterben?“, gab er deshalb zu bedenken. „In jedem Herbst sterben sie.“
„Aber nein, sie sterben doch nicht, sonst könnten sie ja im Frühjahr nicht erneut Blätter und Früchte austreiben. Du solltest übrigens dankbar sein, dass wir ihre Früchte für den Winter sammeln dürfen und hier nicht herum maulen. Und denk nur, wie gemütlich es im Winter in unseren Höhlen ist. Ich finde, die Natur hat das gut eingerichtet. Alle Jahreszeiten haben etwas Schönes!“
Krümel überlegte. „Wenn die Bäume nicht sterben, schlafen sie dann etwa? Halten sie auch einen Winterschlaf, so wie wir? Sie sehen aber aus wie tot.“
„Das stimmt, im Winter, wenn die Bäume nicht mit Schnee bedeckt sind, sehen sie sehr bizarr aus. Kahle Äste ragen in den Himmel und die dunklen Stämme wirken ein bisschen mystisch.“
„Und überall liegen braune und matschige Blätter herum“, führte Krümel weiter aus.
„Das ist aber so bestimmt und der Lebenslauf der Bäume. Er schützt sich so vor dem Frost. Er fällt in eine Starre, wenn er seine Blätter verloren hat. Das ist fast so wie ein Winterschlaf bei uns Tieren.“
„Und im Frühjahr, was passiert, wenn die Blätter wieder da sind?“
„Dann versorgen sie den Baum erneut. Im Winter, wenn die Sonne nur noch wenig scheint, könnten die Blätter ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen und deshalb wirft der Baum sie ab. Er nimmt dadurch keinen Schaden. Im Gegenteil. Er schläft einfach und hat vorher genügend Nährstoffe gesammelt, genau wie wir unsere Vorräte sammeln.“
„Es kann ja auch sein, dass die Bäume ihre Blätter verlieren“, überlegte Krümel unterdes, „damit sie sich wie eine Decke auf den Waldboden legen. So schützen sie einige Tiere und die Wurzeln der Bäume vor dem Frost.“
„Siehst du. Es ist gar nicht so schlecht, dass die Bäume ihr Laub verlieren. Alles hat seinen Sinn und dass wir uns für den Winter bevorraten auch. Sag, willst du nicht heraus kommen aus deiner Laubhöhle? Schau mal, wie die Sonne durch die Äste blinzelt und wie die Blätter im Sonnenlicht funkeln. Es sieht einfach herrlich aus.“
Florentine musste Krümel gar nicht lange überreden. Schnell kam er unter seinem Laubhaufen hervor gerochen und die beiden tobten durch das raschelnde Laub.
Wie gut es war, Freunde zu haben, die einem die Augen öffneten für die Schönheit der Natur und die es schafften, trübe Gedanken einfach fort zu schicken.

© Martina Pfannenschmidt, 2015




Kommentare:

  1. Liebe Martina,

    die Schönheiten der Natur erfreuen unser Herz.
    Frohe Grüße
    Elisabeth

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  2. Liebe Martina, wie süß. Nicht nur den Tierchen geht es so, wie oft schimpfen wir auf den doofen Herbst oder Wintet, dabei sind sie so wichtig, damit alles im Gleichgewicht bleibt. Alles Liebe Eva

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  3. Liebe Martina

    Tannenduft steigt in meine Nase ,ein Schnecklein kriecht langsam daher ,ich geniesse die wunderbaren süssen Waldbeeren , es ist eine Wohltat für meine Seele !
    Das ist wohl die kürzeste Geschichte lach...:-))

    Eine wunderbare Geschichte, ich bin froh, dass
    wir die 4 Jahreszeiten haben , hoffentlich bleiben
    sie uns durch die Klimaveränderung noch lange
    erhalten !

    Herzlich grüsst dich
    Margrit

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  4. Eine sehr schöne und lehrreiche Geschichte über den Sinn der Jahreszeiten. Obwohl ich im Winter geboren bin, mag ich den Sommer lieber.
    LG Elke

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  5. So ganz ohne den Wechsel der Jahreszeiten würde es mir auch nicht gefallen. Nur frage ich mich manchmal, warum manche Jahreszeiten so lange sein müssen. Der Herbst ist okay, solange er ein goldener Herbst ist, den Rest davon brauche ich nicht. Der Winter könnte ohne Bedenken um mindestens die Hälfte reduziert werden und Sommer und Frühjahr könnte man verlängern. Aber ich habe ja in dieser Hinsicht nichts zu sagen :-) Zum Glück, denn die Natur macht das schon irgendwie richtig, wie Du so schön beschrieben hast. Nur Naturkatastrophen braucht wirklich keiner.
    Danke für die schöne und lehrreiche Geschichte.
    LG
    Astrid

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  6. Liebe Martina,
    ICH habe noch nie auf den Herbst und den Winter geschimpft - ich liebe nämlich beide Jahreszeiten. Auch wenn es im Herbst stürmt und tobt und im Winter der Schnee bergehoch liegt. Aber ich war schon immer irgendwie aus der Art geschlagen...
    Auf jeden Fall ist Deine Geschichte liebevoll erzählt und sehr lehrreich. Man merkt einfach, dass Du die Natur sehr liebst - so gut wie Du sie beschreiben kannst...
    Liebe Grüße
    Christine

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  7. Ach Martina wie schön hast du lehrreiches auf unterhaltsame und liebevolle Weise verpackt.
    Einfach nur schön!LGLore

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  8. Liebe Martina,
    so gern habe ich deine Geschichte gelesen. Du weißt ja, dass ich den Herbst sehr liebe und in deiner Geschichte kommt so richtig schön zur Geltung, warum das so ist!
    Herzliche Grüße
    Regina

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  9. Liebe Martina
    Deine Geschichte gefällt mir sehr gut! Herzerfrischend,und doch so wahr.

    Ich danke dir herzkich für den Kommentar zu meinem Blog.
    Liebe Grüsse
    Sylvia

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  10. oh ja, mir geht es wie Florentine. Ich würde auch nicht gerne ohne die Jahreszeiten leben wollen. Jede für sich hat ihre ganz besonders schönen Seiten. Soooo schön wie deine Geschichte wieder geworden ist :O) .....

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  11. So schön!
    Ich halte es wie Florentine. In jeder Jahreszeit gibt es viel Schönes zu entdecken, man muß nur Augen und Geist offen halten!
    Liebe Grüße
    Marle

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