Dienstag, 10. November 2015

Emil - ein ganz besonderer Hamster

Hallo ihr Lieben!
Herzlich Willkommen zur nächsten Geschichte.
Die Reizwörter waren diesmal:
Lebensgeschichte – Käfig – entscheiden – clever - verdächtig
Und hier kommen die Links zu den anderen Geschichten:
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Im Hause Baumeister herrschte eine trübe Stimmung. Der kleine Hamster, den sie Peter genannt hatten, war den Weg aller Lebewesen gegangen. Vor ein paar Tagen war er auf dem Arm von Babette hinübergegangen. Sie und ihr Mann Lasse waren sich einig darüber, dass es so schnell keinen neuen Hamster geben sollte. Ihr Leben war einfach zu kurz und die Trauer jedes Mal so groß.
Doch bereits nach vierzehn Tagen gestanden sie sich ein, dass das Tier eine Lücke hinterlassen hatte, die wieder geschlossen werden wollte und zwar mit einem jungen Hamster. Und so machte sich das Paar auf den Weg in eine Zoohandlung. Sie hatten im Vorfeld besprochen, dass es diesmal ein weibliches Tier sein sollte.
Ein kleiner noch namenloser Hamster nahm den Geruch der Beiden wahr und wusste sofort: Das sind sie! Meine Menschen! Jetzt musste er nur noch dafür sorgen, dass sie ihn tatsächlich auswählten. Er rannte so schnell er konnte zur Glasscheibe, um auf sich aufmerksam zu machen. Als die Hand des Verkäufers in den Käfig griff, hüpfte er quasi hinein.
„Ach, der ist aber süß!“, säuselte Babette.
‚Ja bin ich! Bitte entscheidet euch für mich. Ich möchte unbedingt mit zu euch’, schrie der Hamster ihnen entgegen. Und tatsächlich: Die Menschen nahmen ihn mit. Da gab es nur ein winzig kleines Problem, aber das würden sie erst etwas später bemerken.
Zu Hause angekommen nahm der Winzling sein neues Zuhause in Augenschein. Alles picobello – sein Käfig war groß und geräumig. Hier gefiel es ihm. Besser konnte es nicht sein. Die Menschen gaben ihm den Namen ‚Amy’. Der kleine Hamster konnte darüber nur schmunzeln, denn er war gar kein Mädchen, sondern ein kleiner Junge. Als seine Menschen dies bemerkten, lachten sie darüber und tauften ihn kurzerhand in Emil um. Das hatte er wirklich clever angestellt.
Wenn Lasse abends von der Arbeit nach Hause kam, hörte man ein verdächtiges Rascheln in Emils Käfig. Betrat Lasse die Wohnung, erschien auch der Hamster, um ihn zu begrüßen.
Emil nahm regen Anteil am Leben des Paares. Heimlich hörte er ihre Gespräche mit. Da gab es ein Thema, das machte besonders Babette traurig. Und er wollte nicht, dass sie traurig war. Sie war doch so ein lieber Mensch, dem es gut gehen sollte. Ob er ihr helfen konnte? Emil war klar, dass sie sooo viel Liebe in sich trug, dass sie für ihn, Lasse und mindestens zwei Kinder ausreichen würde. Doch genau die ließen auf sich warten.
Emil hatte inzwischen ein für einen Hamster wirklich hohes Alter erreicht. Da entdeckte Babette eines Tages bei ihm einen Tumor. Er bildete sich zwischen den beiden Vorderbeinen. Was war zu tun? Emil verstand es, Babette und Lasse zu vermitteln, dass er nicht zum Tierarzt gebracht werden wollte. Doch Emil hatte ein Problem. Er wollte doch so gerne bleiben, bis ein Kind da war. Ob er das schaffen würde?
Er wurde immer schwächer. - Eines Morgens stand eine eigenartige Gestalt neben seinem Käfig. Sie trug einen grünen Anzug und einen grünen Hut und sie stellte sich als Babettes Opa vor. Aber der war doch verstorben. Was machte der denn hier? Bald war es dem Hamster klar. Der Opa war gekommen, um ihn abzuholen. Freundlich bot er an, Emil in seinem Hut mitzunehmen. Doch Emil wollte nicht!
‚Nein’, sagte er ihm, ‚ich gehe nur, wenn ihr im Gegenzug das Kind auf den Weg schickt.’ – Opa entgegnete darauf, dass die Zeit für das Kind noch nicht gekommen – aber seine abgelaufen sei.
Daraufhin legte sich Emil für einen kleinen Moment in den Hut, doch kurz darauf sprang er wieder hinaus und verkroch sich unter seinem Häuschen. Er wollte noch bleiben. Basta!
Der Tumor jedoch wuchs und wuchs und das Paar spielte mit dem Gedanken, Emil durch den Tierarzt erlösen zu lassen. Doch beide hatten das Gefühl, als sei das nicht richtig. Sie konnten sich des Eindrucks nicht erwehren, als wolle der Hamster selbst entscheiden, wann für ihn die Zeit gekommen war, zu gehen.
„Mensch Emil, mach es uns doch nicht so schwer“, redete Babette auf ihn ein. „Du darfst wirklich gehen und musst dich nicht länger quälen. Weißt du was, ich verspreche dir jetzt was: Wenn du gegangen bist, dann schreibe ich deine Lebensgeschichte nieder. Ich werde allen Menschen sagen, wie tapfer du warst und auch, dass Tiere selbst entscheiden wollen, wann sie gehen. Ist das in Ordnung für dich?“
Emil freute sich darüber und zwinkerte Babette zu. Sie hatte es genau gesehen.
Am nächsten Tag kam Peter, der Hamster, der vor ihm hier sein Zuhause gehabt hatte und auch er legte Emil nahe, mit ihm zu kommen. Einen weiteren Tag später musste sich Emil seinem Leiden ergeben. Allein mit seinem Geist konnte er sein Leben nicht mehr verlängern. Er ging ganz still in der Nacht.
Im Nachbarort erblickten zur selben Zeit 10 kleine Hamster das Licht der Welt und einer davon würde in ein paar Wochen seinen Platz einnehmen und Babette würde sich die Zeit nehmen, über Emil und sein Leben zu schreiben.

© Martina Pfannenschmidt, 2015



Vielen Dank, 
dass ihr hier wart und meine Geschichte gelesen habt
und auch ein gaaaanz dickes
Dankeschön
für eure lieben Kommentare
vom Sonntag!






Kommentare:

  1. Das ist aber eine süße Geschichte, genauso süß wie das Bild oben mit dem Hamster.
    LG Elke

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  2. Liebe Martina,
    das ist wieder so eine liebenswerte Geschichte, die mir sehr gefallen hat!
    Herzliche Grüße
    Regina

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  3. Liebe Martina,
    Du hast wieder eine niedliche Geschichte aus den Reizwörtern gestaltet. Der arme Emil, ich habe ihn direkt vor mir gesehen, - so klein und zierlich.
    Auch wenn es der Gang des Lebens ist, man ist sehr traurig, wenn ein geliebtes Haustier stirbt. Ich denke immer, wenn unser Kätzchen Lottchen mal eine Nacht nicht nach Hause kommt, dass sie überfahren oder mitgenommen wurde. Das macht traurig. Ich bin mir sicher, dass es nach Lottchen bei uns wieder ein Kätzchen oder vielleicht einen Hund geben wird. Aber das ist hoffentlich noch in weiter Zukunft. Manche Katzen sollen ja sogar 20 Jahre alt werden. Die Lebenszeit eines Hamsters ist da wohl nur ein Zehntel.
    LG und einen schönen Dienstag
    Astrid

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  4. Liebe Martina,

    ich freue mich immer wieder über deine schönen Geschichten.
    Alles Liebe
    Elisabeth

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  5. Ist ja schon ein wenig traurig ..aber aus dem Leben gegriffen ... habe deine kleine Geschichte gern gelesen.
    Gruß vonner Grete

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  6. Liebe Martina,
    was für eine schöne und liebenswerte Geschichte! danke dafür!
    Ich wünsch Dir einen wunderschönen und glücklichen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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  7. Was für ein allerliebste Geschichte, Emil war wirklich etwas ganz besonderes. LGLore

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  8. Liebe Martina, ganz lieb und traurig. Schade, dass sie nur so kurz leben. Mir sind Katzen lieber, weil jedes mal diese Trauer, da bin ich immer so richtig fertig. Liebe Grüße Eva

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  9. Liebe Martina,
    wir hatten vor langer Zeit mal Wellensittiche. Für mich war es ein Weltuntergang, als sie irgendwann in den Vogelhimmel eingegangen sind. Seitdem haben wir uns keine Haustiere mehr angeschafft, wir hätten auch niemand, der sich kümmern kann, wenn wir verreisen wollen.
    Vielen Dank für Deine putzige Geschichte von dem kleinen Hamster!
    Liebe Grüße
    Christine

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