Dienstag, 25. August 2015

Das Klassentreffen


Hallo, ihr Lieben! 

Zunächst einmal möchte ich mich sehr herzlich für eure lieben Kommentare bedanken. Da ich noch ein bisschen im Blog-Urlaub bin, seht ihr es mir bestimmt nach, dass es nur einen Sammeldank gibt. Der kommt aber ebenso von Herzen!!

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Heute gibt es nun noch einmal eine 'alte' Geschichte - doch in der kommenden Woche wird es mit den Reizwörtergeschichten am Dienstag weiter gehen und darüber freue ich mich sehr. Es ist zwar nicht immer ganz so einfach, wöchentlich eine Geschichte abzuliefern, doch es ist auch ein Ansporn. Danke an alle, die immer wieder den Weg hierher finden!!!

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Simone hielt das Foto ihrer ehemaligen Mitschüler in ihren Händen. Der eine oder andere Name fiel ihr wieder ein. Sie schmunzelte bei den Erinnerungen.
Olaf - er war der Hallodri der Klasse – doch er sah so unverschämt gut aus. Es gab kein Mädchen, das nicht in ihn verliebt gewesen wäre. Scheinbar schien die Sonne nur für ihn.
Es gab keinen Tag, an dem er nicht den Pausenclown spielte oder in einer anderen Form auffiel. Bei den Lehrern war er deshalb nicht so beliebt, wie bei den Mädchen der Klasse.
Er war kein besonders guter Schüler, doch Simone ahnte, dass er auch so seinen Weg gemacht hatte. Mit seinem Charme machte er sicher das eine oder andere Defizit wett.
Simone gehörte zu den Mädchen, die keine Chance bei ihm hatten. Er war mit dem hübschesten Mädchen der ganzen Schule liiert. Da hatte sie keine Chance.
Sie war als Kind pummelig gewesen, hatte eine Zahnspange getragen und in ihrem Gesicht prangten dicke rote Pickel. Doch schauen und träumen war ja erlaubt. Und so hatte sie geträumt – an jedem Tag den der Herrgott gab.
In ihrem Träumen sah sie sich in seinen Armen liegen, spürte seine Küsse und sah die anderen Mädchen neidvoll am Rand stehen.
Heute war sie keine Träumerin mehr und die Pickel der Pubertät gehörten lange der Vergangenheit an. Sie hatte das Schwimmen für sich entdeckt und mit einer zusätzlichen Ernährungsumstellung ihr Gewicht in den Griff bekommen.
Heute war Simone schlank. Die Zahnspange hatte ihre Zähne gerichtet und ihr Lächeln war charmant. 
Es war kaum zu glauben, dass seit der Schulentlassung 20 Jahre ins Land gezogen sein sollten, doch es war so.
Jetzt lud Ines zu einem Klassentreffen ein und Simone sagte ihr Kommen gerne zu. Sie freute sich darauf, die anderen nach so langer Zeit wieder zu sehen.
Bestimmt waren die meisten inzwischen verheiratet und hatten, genau wie sie, Kinder.
Simone war vor 13 Jahren Mutter von Zwillingen geworden. Sie gab damals ihren Beruf auf und kümmerte sich seither um die kleine Familie. Sie ging in ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter total auf. Doch jetzt würde sie ihre Bande für ein paar Tage alleine lassen. Sie wollte das Klassentreffen mit ein paar Tagen Urlaub bei ihren Eltern verbinden.
Simone hatte jedoch für ihre Familie vorgesorgt. In der Kühltruhe stand das Essen für jeden Tag, so dass die drei Männer nicht verhungern würden.
Bereits am nächsten Tag bezog Simone das Gästezimmer ihres Elternhauses.
Als sie am Abend auf dem Weg zum Klassentreffen war, stellte sich ein leichtes Kribbeln in der Bauchgegend ein. Sie konnte eine gewisse Aufgeregtheit nicht leugnen.
„Ob ‚Er’ wohl da ist?“, fragte sich Simone und schüttelte gleich darauf über sich selbst den Kopf. Es war über 20 Jahre her, doch die Erinnerung an Olaf und ihre damaligen Träume waren in diesem Moment sehr präsent. 
Es waren schon einige ihrer ehemaligen Mitschüler anwesend und Simone wurde mit einem lauten „Hallo, wer bist du denn?“, begrüßt. Die meisten ihrer Mitschüler erkannten sie nicht und auch Simone hatte Probleme mit dem Wiedererkennen des einen oder anderen. 
Die Tür wurde erneut geöffnet und es war Simone, als wäre sie noch ein Teenager; als hätten die Schmetterlinge von damals nur auf diesen Moment gewartet. Sie erkannte Olaf sofort.
Er kam auf sie zu, reichte ihr die Hand und sagte: „Hallo, schöne Frau. Du sollst auch in meiner Klasse gewesen sein? Das kann ich mir gar nicht vorstellen. An dich könnte ich mich doch ganz sicher erinnern.“ 
Es war Ina, die neben ihnen stand, und Olaf aufklärte, wer sie war. Simone spürte, wie sein Blick sie musterte.
„Jetzt verstehe ich dass endlich, wie aus einer Raupe ein Schmetterling wird“, hörte Simone ihn sagen.
Vielleicht war es nicht das intelligenteste Kompliment, doch es verfehlte nicht seine Wirkung.
Es wurde ein weinseliger Abend. Sie erzählten durcheinander und hatten viel Spaß. Natürlich fehlten nicht die Anekdoten von damals.
Alle schwelgten in Erinnerungen.
Simone bemerkte die Blicke, die Olaf ihr sandte, doch sie ignorierte sie, so gut sie konnte. Dass ihr dabei ein wohliger Schauer über den Rücken lief, konnte er ja nicht sehen.
Jetzt wurde es aber Zeit, nach Hause zu gehen. Simone hatte eindeutig zu viel Wein getrunken.
Sie verabschiedete sich von Ines und bedankte sich nochmals für die Organisation dieses wunderbaren Abends.
Man versprach sich, den Kontakt nicht wieder abbrechen zu lassen, ahnte jedoch, dass man es nicht einhalten würde.
Simone stand an der Garderobe, um nach ihrer Jacke zu suchen, als sie gefragt wurde: „Darf ich dich nach Hause begleiten?“
Sie wusste, wer hinter ihr stand und nickte nur. Eine Weile gingen sie schweigend nebeneinander her. Dann unterbrach Olaf die Stille.
„Du bist eine wunderschöne Frau geworden, Simone“, sagte er. „Hätte ich dir doch damals nur mehr Beachtung geschenkt. Wie dumm ich war.“
Seine Worte waren wohl gewählt und fanden ihr Ziel. Simone fühlte sich geschmeichelt.
Olaf blieb stehen, drehte Simone zu sich und küsste sie. Einfach so. Und sie ließ es geschehen. Endlich! Endlich erfüllten sich ihre Träume.
Da Olaf auch ein paar Tage in seiner Heimat verbringen wollte, verabredeten sie sich für den kommenden Tag.
Simone wusste, es war ein Spiel mit dem Feuer und doch konnte sie ihm nicht widerstehen.
Sie verbrachten einen wundervollen Tag miteinander, aßen gemeinsam zu Abend und seine Blicke verrieten ihr, dass er mehr wollte. Doch wollte sie das auch?
Simones Handy klingelte. Ihre Zwillinge riefen an, um ihr zu sagen, dass sie sich schon auf ihr Wiederkommen freuten. Als ihr Mann den Hörer nahm und ihr sagte, wie sehr sie ihm fehlte, kannte sie die Antwort auf ihre Frage.
Nachdem sie aufgelegt hatte, erhob sie sich, verabschiedete sich knapp und ließ ihren Jugendschwarm verdattert im Lokal zurück. So eiskalt wurde er noch nie abserviert.



© Martina Pfannenschmidt 2013







Kommentare:

  1. Liebe Martina,
    das habe ich ihm richtig gegönnt. Das musste sein, sonst käme er noch auf die Idee, er könne jede Frau haben ;-)
    Klassentreffen sind toll. Wenn man sich nach so langer Zeit wieder sieht, dann hat man eine Menge zu erzählen, aber auch zu staunen.
    Ich habe Deine schöne Geschichte gerne lesen.
    LG und einen schönen Tag
    Astrid

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  2. Liebe Martina,

    Simone hatte Kraft, richtig zu handeln.
    Manchmal geht es auch daneben.

    Alles Liebe
    Elisabeth

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  3. Liebe Martina,
    danke für diese wieder so schöne Geschichte, auch wenn sie schon ein wenig älter ist ;O)
    Ich wünsche Dir noch einen wunderschönen Nachmittag und noch eine schöne Pausenzeit!
    ♥ Allerliebste Grüße , Claudia ♥

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  4. Hallo liebes Fräulein Martina im Blog-Urlaub,
    seeeehr schön ist sie deine Geschichte und mit einem, okay wenn auch nicht für Olaf, gelungen Ende :-)
    Ich wünsche dir noch eine schöne und erholsame Pausenzeit,
    bis gaaaaanz bald, gaaaanz <3liche Grüße von der Senftante :O)

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  5. Haha! Schöne Geschichte, liebe Martina.
    Ich wünsche Dir einen schönen Nachmittag
    Liebe Grüße
    Marle

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