Dienstag, 31. März 2015

Kommt Zeit, kommt Idee – oder eben nicht!

Manche Geschichten fließen schnell aus der Feder, 
andere eher nicht. 
Diese eher ...
Die Reizwörter waren diesmal:
Kartoffel – Stoff – spielen – entsetzt – klein

Und hier geht es zu den anderen Geschichten:



Entsetzt sah Michaela auf die Uhr. Ach du liebe Güte, wo war nur wieder der Vormittag geblieben. Die Zeit war ihr einfach so davon gelaufen. Dabei gab es noch so viel zu tun in diesen Tagen vor Ostern. Seit gestern war es wärmer geworden, die Sonne schien und brachte den ganzen Staub des Winters zum Vorschein. Wie es überall aussah. Die Fenster müssten noch geputzt werden und den Hof wollte sie noch fegen und überhaupt: Das vertrocknete Herbstlaub schaute sie aus den Beeten vorwurfsvoll an und die Kellertreppe müsste auch mal wieder gewischt werden. Einkaufen musste sie natürlich auch noch und sie durfte nicht vergessen, im Stoffmarkt nach passenden Knöpfen für die neue Strickjacke zu schauen, die sie Ostern tragen wollte. An ihr konnte sie ja abends weiter stricken, während ihr Mann Fußball schaute. Aber es gab ja noch so viel mehr zu tun. Sie musste noch nach den Gräbern auf dem Friedhof sehen und den Kranz, den sie zum Ewigkeitssonntag dorthin gelegt hatte, gegen frische Blumen austauschen. Und vor der Haustür sollte es auch noch frühlingshaft aussehen. Also musste sie noch Blumen kaufen. Lag im Keller überhaupt noch ein Sack mit Blumenerde aus dem vergangenen Jahr? Wenn nicht, dann musste sie noch einen besorgen. War es das dann? Nein, sie wollte ja auch noch die Betten frisch beziehen. Und im Hauswirtschaftsraum standen noch zwei Körbe voll mit Bügelwäsche. Aber jetzt musste sie eigentlich dringend an den PC. Warum tat sie sich das bloß an, fragte sie sich in diesem Moment, hatte sie denn nichts Wichtigeres zu tun? Doch, das hatte sie – eigentlich! Aber auf der anderen Seite machte es ihr auch Freude und im Winter fand sich immer Zeit. Doch jetzt, wenn es Richtung Frühjahr und Sommer ging, dann blieb bei aller Arbeit nicht mehr viel Zeit für ihr Hobby übrig.
Michaela ermahnte sich, ihre Gedanken zu ordnen und die Arbeit effektiv einzuteilen.
Daraufhin rannte sie in den Keller und sah sich um. ‚Was wollte ich denn eigentlich hier?’ Es wollte ihr einfach nicht einfallen. Also: Treppe noch einmal hoch laufen, dann sollte die Erinnerung ja angeblich einsetzen. Und so war es auch: Sie wollte Kartoffeln holen für den Linseneintopf. Gut, dass ihre Männer erst abends nach Hause kamen, so blieb ihr noch genug Zeit, um das Essen vorzubereiten. Sie hatte das Gefühl, als wäre da noch etwas, was sie im Keller erledigen wollte. Egal, es fiel ihr jetzt nicht ein. Keine Zeit vertrödeln. Davon hatte sie nämlich nicht viel und zu verschenken schon mal gar nicht.
Ein bisschen Zeit blieb jedoch noch, bevor sie sich ans Kochen machen musste, deshalb fuhr sie den Computer hoch, öffnete Word und wartete – auf Gedanken. Am besten auf brillante Gedanken, doch die wollten sich einfach nicht einstellen. Es waren zu viele andere Dinge in ihrem Kopf. Sie klappte den Laptop zu. Jetzt hatte es keinen Sinn. Aber vielleicht kam ihr ja eine Idee, während sie die Fenster putzte. So könnte sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Fliegen! Vielleicht war das ja ein gutes Stichwort, das sie weiter brachte. Doch das Einzige, was ihr dazu einfiel, war: ‚Mensch, diese Fliegenkleckse überall auf den Scheiben sind echt hartnäckig’. Nein, dass war dann wohl doch kein geeignetes Stichwort. Vielleicht brachte sie das Wort spielen weiter, das ihr durch den Kopf ging. Karten spielen eventuell? Doch was sollte sich schon beim Kartenspielen Sensationelles ereignen. Vielleicht ein Pärchen, das sich während des Kartenspiels stritt oder sich frisch verliebte? Möglichkeiten gab es ja genug. Doch wie sollte sie es verpacken, damit es irgendwie lustig oder besser noch originell klang? Nein, dass war doch alles Mist. Eine andere Idee musste her und das bald!
Nachdem alle Fenster zumindest von draußen glänzten, machte sie sich in der Küche ans Werk. Sie wusch die Kartoffeln, schälte diese und schnitt sie in kleine Würfel. Vielleicht sollte sie einen großen Topf voll Linseneintopf kochen, damit es für den nächsten Tag auch noch reichte. Dann wäre das Thema ‚Essen’ für morgen schon mal erledigt und das wiederum brachte ihr etwas Zeit ein.
Abends fiel sie hundemüde ins Bett. Sie hatte es nicht mehr geschafft, sich an den Laptop zu setzen und wenn, dann hätte sie sowieso nur auf ein weißes Blatt Papier gestarrt und das brachte nur noch mehr Frust, als sie ohnehin schon hatte.
Am nächsten Morgen zog sie in aller Eile die Betten ab. Gott sei Dank erledigte in der heutigen Zeit die Waschmaschine die meiste Arbeit. Wie hatten die Frauen das früher bloß geschafft. Sie hatte großen Respekt vor ihrer Mutter und Großmutter, für sie war das Wäsche waschen wirklich noch schwere körperliche Arbeit gewesen. Komisch nur, dass die Menschen heute trotz aller zur Verfügung stehenden Technik weniger Zeit hatten, als früher.
Michaela saugte, putzte und wischte in den Schlafzimmern, bezog die Betten frisch und hatte nach getaner Arbeit ein wirklich gutes Gefühl. Wenn sie jetzt noch in die Stadt führe, um die Einkäufe zu erledigen, dann blieb ihr noch Zeit für den PC. Aber das war ja irgendwie auch blöd. Sie kam doch am Blumenladen und am Friedhof vorbei. Da wäre es zeitsparend, wenn sie diese Dinge auf einem Weg erledigen würde. Genau so wollte sie es handhaben, denn das brachte ihr noch mehr Zeit. Allein die Suche nach dem Autoschlüssel kostete sie aber schon wieder viel zu viel davon, aber dann ging es los. Korb geschnappt und den Einkaufszettel und ab zum Auto.
„Oh, mein Gott“, rief sie aus, als sie auf den Parkplatz des Supermarktes fuhr. Hatten denn heute alle die gleiche Idee, wie sie. Konnten die denn nicht zu einem anderen Zeitpunkt einkaufen? Musste es ausgerechnet jetzt sein? Nachdem sie einem älteren Herrn kurz die Vorfahrt genommen hatte, fuhr sie schnittig in die Parklücke. Sie hob die Hand, was so viel wie ‚Entschuldigung’ bedeuten sollte, hetzte durch den Laden, entschied spontan, gefärbte Eier zu kaufen, weil sie dadurch noch mehr Zeit einsparen könnte, als wenn sie diese selber färben würde. Auf dem Rückweg hielt sie noch am Blumenladen und am Friedhof an und war froh, als sie ihren Wagen später wieder in der Garage abstellen konnte. Jetzt musste sie nur noch die Blumen vor der Haustür einpflanzen, dann könnte sie sich wohlgemut an den Laptop setzen. Gott sei Dank, endlich, denn die Zeit drängte! Sie rannte in den Keller, suchte nach der Blumenerde! Sch….. Vergessen! Jetzt wusste sie, was sie gestern noch im Keller erledigen wollte. Mist! Jetzt musste sie noch einmal Richtung Stadt fahren. Was sie das wieder an Zeit kostete!
Als sie am späten Nachmittag auf das weiße Blatt auf ihrem PC starrte, kam ihr dann doch eine Idee. Vielleicht sollte sie in dieser Woche einfach von ihren hektischen Stunden vor Ostern erzählen. Doch interessant und spannend war das für andere ja eigentlich nicht. Auf der anderen Seite fand sich vielleicht die eine oder andere Frau in der Geschichte wieder oder schmunzelte darüber, wie sich die Menschen oft unnötigem Zeitdruck aussetzten. Das Osterfest kam – so oder so. Kurz entschlossen griff sie in die Tasten, denn schließlich musste sie ja am Dienstag ihre Geschichte einstellen. Dann schrieb sie die Überschrift. In dieser Woche sollte sie lauten: ‚Kommt Zeit, kommt Idee – oder eben nicht!’


© Martina Pfannenschmidt, 2015

Kommentare:

  1. Liebe Martina,
    ich finde mich absolut wieder in deiner Geschichte. Oh wei, diese Hektik und dabei kommt Ostern so oder so. Gerne gelesen, geschmunzelt, gelacht und mit diesem Lachen in den Tag gestartet!
    Herzliche Grüße
    Regina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wenn man das erst einmal erkannt hat, dass Ostern mit und ohne Stress sowieso kommt, ist man auf einem guten Weg, finde ich! LG Martina

      Löschen
  2. Hallo, Martna,
    sag mal - hast Du da MEINE Aktivitäten beschrieben? Ich werde nicht fertig, mir die Lachtränen aus dem Gesicht zu wischen! Einfach herrlich, diese Komik! GENAU SO ist es MIR nämlich in den letzten beiden Wochen ergangen... Die Reizwörter waren aber diesmal NICHT mein Problem !
    Liebe, immer noch lachende Grüße
    Christine

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, könnte sein - deine Aktivitäten und die von 1000 anderen Frauen auch! In diesem Jahr allerdings kommt die Sonne wohl erst zu - oder nach - Ostern! Da sparen wir uns doch glatt das Fensterputzen! LG und Dankeschön! Martina

      Löschen
  3. Oh Martina ich bin ganz atemlos bei der Hektik der armen Frau und bin doch tatsächlich froh, dass ich Ostern allein verbringe, obwohl es vor einigen Tagen mich doch traurig machte.
    Wunderbar beschrieben und ich denke, dass sich viele Frauen darin wiederfinden wie übrigens icgauch, vor gar nicht so langer Zeit war ich auch noch Hektik pur.LGLore

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Bei soviel Stress kommt man schon mal außer Atem! LG Martina

      Löschen
  4. Liebe Martina,
    eine herrliche Geschichte, wie aus dem echten Leben! Früher ging es mir ähnlich, aber heute lasse ich mich nicht mehr stressen, jedenfalls versuche ich es ;O)
    Ich wünsch Dir einen schönen und glücklichen Tag!!
    ♥ Allerliebste Grüße Claudia ♥

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich versuche es auch, mich nicht stressen zu lassen - manchmal mit mehr, manchmal mit weniger Erfolg! Danke und LG! Martina

      Löschen
  5. Danke, Martina, für Deine - hektische - Geschichte.

    Ich konnte mich dem immer gut entziehen, trotzdem finden alle Feste gut statt ;)

    Super, daß Du es einfach so beschrieben hast :)

    Alles Liebe
    Eva :)
    https://evasgeschichten.wordpress.com/

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich habe auch keinen Stress wegen des Osterfestes. Wir können die Tage wirklich genießen! LG Martina

      Löschen
  6. Ein Glück, ich habe vor und zu Ostern keinen Stress, denn ich bin eingeladen.
    LG Elke

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist schön. Ich habe auch keinen Osterstress! LG Martina

      Löschen
  7. Boaaaa liebes Klümpchen,
    jetzt hab ich mich bald überschlagen beim lesen, nur um der Michaela noch etwas Zeit zu geben.
    Man man man ;-/ Bin grad richtig platt *tss
    FRAU soll sich doch auch nicht soooo hetzen (lassen).
    Aber ich denke, dieses Erleben kennt sicher jeder und wie schön ist die Erkenntnis, dass es eigentlich quatsch ist und man/FRAU sich unnötig stresst !!!!!
    In diesem Sinne, atme ich jetzt erst mal tief durch und dann schlendere ich SCHNELL zum nächsten Post *grins*
    hier hagelt es mal eben wieder
    :O) .....

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, so ist das. Hausgemachter Stress!! Den sollten wir uns nicht machen. In dem Sinne geht es jetzt nicht schnell, sondern g a n z langsam weiter zum nächsten Kommi! LG Martina

      Löschen
  8. Ja, liebe Martina,
    in dieser Geschichte können sich viele wiederfinden.
    Wir nehmen uns immer wieder vor, keinen Stress aufkommen zu lassen.
    Aber das schaffen wir einfach nicht. Immer wieder Stress vor den Feiertagen.
    Warum nur ist das so?
    Einen schönen Resttag wünscht dir
    Irmi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Gerade die Feiertagen bringen uns Frauen oft in Unruhe. Eigentlich ist das großer Blödsinn - und in diesem Jahr lasse ich mich zum Osterfest ganz sicher nicht stressen! LG Martina

      Löschen
  9. Ach Martina, den Streß konnte man richtig spüren. Ehrlich gesagt,manchmal ist wirklich der Wurm drin und alles kommt auf einmal.Man hat dann so viel zu tun, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Hat man erst einmal angefangen, dann findet man aber auch kein Ende, weil eins nach dem anderen kommt und man immer mehr Dinge entdeckt, die noch zu tun sind. Besonders vor Festtagen ist das schlimm. Aber manchmal machen wir uns auch selbst den Stress und lernen trotzdem nichts daraus, denn das nächste Mal ist es wieder so.
    LG
    Astrid

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wir machen uns den Stress wohl immer selbst und somit können wir ihn uns auch nur selbst wieder nehmen! Zumindest vornehmen können wir es uns ja :-)! LG Martina

      Löschen
  10. Liebe Martina, komm zu mir nach Norwegen. Da geht alles drei oder fünf Takte langsamer. Wir haben noch dick Schnee, die Sonne scheint und alle genießen es einfach eine Woche der Ruhe. Seit Sonntag ist jeder Tag Feiertag, ab Morgen noch mehr, Geschäfte haben bis Dienstag geschlossen. LG Eva

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wenn die Geschäfte in Deutschland sooooo lange geschlossen wären, dann bräche das große Chaos aus und wir würden alle denken, verhungern zu müssen! Frohe und ruhige Tage wünsche ich dir! LG Martina

      Löschen
  11. Super Geschichte. Am Ende war ich selber ganz gestresst. ;-) Nein im Ernst, ich habe gerade beschlossen, dass ich so nicht enden will an Ostern. Nicht wieder so ein Fest, wo man vor lauter Unruhe nicht mehr weiß, wohin. Ich wünsche Dir ein schönes Ostern. Liebe Grüße Tanja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das ist eine wahrlich gute Entscheidung! Frohe und stressfreie Ostern! Martina

      Löschen