Freitag, 19. Dezember 2014

Ein himmlischer Heiligabend

Durch einen Kommentar wurde ich an die nachfolgende Geschichte erinnert, die ich vor einem Jahr bereits in meinem Online-Adventskalender veröffentlicht hatte und die unter anderem von der Entstehung des Adventskalenders erzählt. Sie kommt somit dem einen oder anderen Leser meines Blogs vielleicht bekannt vor.


Lisa und Fritzi wohnten in einem kleinen Dorf in den Bergen und kannten sich schon, solange sie denken konnten. Lisa war einen Monat älter als Fritzi. Nach der gemeinsamen Kindergartenzeit besuchten sie jetzt die gleiche Schule und saßen in der Klasse selbstverständlich nebeneinander. Man sah die eine selten ohne die andere. Dicke Freundinnen halt.
Der Schnee knirschte unter ihren Füßen. Lisa und Fritzi kamen von der Krippenspiel-Probe und waren auf dem Weg nach Hause.
„Der Xaver, der hat heute aber viel gemeckert, findest du nicht auch?“, fragte Lisa.
„Ja schon, aber es dauert ja auch nicht mehr lange bis zur Aufführung und er will halt, dass alles perfekt abläuft“, antwortete Fritzi.
In diesem Jahr durfte Lisa beim Krippenspiel die Rolle der Maria übernehmen und Fritzi war auserkoren, der Erzengel Gabriel zu sein.
Fritzi stapfte in Gedanken versunken durch den Schnee, bis sie zu ihrer Freundin sagte: „Du Lisa, denkst du, es gibt die Engel wirklich?“
Voller Überzeugung kam die Antwort: „Na klar, gibt es Engel. Sie werden doch schon in der Bibel erwähnt. Immer wieder wird dort von Engeln erzählt.“
„Aber eigentlich sind das doch nur Geschichten“, misstraute Fritzi immer noch.
„Was in der Bibel steht sind wahre Begebenheiten und keine Geschichten, die sich ein Mensch einfach nur ausgedacht hat. Oder denkst du, die Sache mit der Geburt von Jesus, die stimmt gar nicht?“
Da musste Fritzi dann doch zustimmen: „Klar stimmt die, sonst würden wir ja nicht zweitausend Jahre später immer noch davon erzählen und Weihnachten feiern.“
„Na siehst du“ entgegnete Lisa, „und wenn die Sache mit Jesus stimmt, dann gibt es auch Engel, denn von beiden berichtet die Bibel.“
„Ich kenne nur niemanden, der schon einmal einen Engel so richtig gesehen hätte.“
Lisa dachte einen Moment über Fritzis Einwand nach. „Das stimmt. - Einmal habe ich meine Mama gefragt, ob sie glaubt, dass Engel wirklich Flügel haben und damit fliegen können.“
„Und, was hat sie geantwortet?“, fragte Fritzi neugierig.
„Sie meinte, Engel bräuchten gar keine Flügel. Die Menschen würden sie nur so darstellen, weil sie sich sonst nicht vorstellen könnten, dass es Engeln möglich ist, zu uns auf die Erde zu kommen.“
„Das kann ich mir auch nicht vorstellen. Ohne Flügel kann doch niemand fliegen.“
„Engel schon, glaube ich“, überlegte Lisa.
„Weißt du, ich würde gerne einmal einen echten Engel sehen.“
„Oh ja, ich auch!“
Die zwei kamen bei Lisa zuhause an.
„Kommst du noch kurz mit hinein?“, fragte sie.
Fritzi sah auf die Uhr.
„Ja, für eine halbe Stunde bleibe ich noch, aber dann muss ich nach Hause, sonst gibt’s wieder Ärger.“
Die beiden Mädchen zogen die dicken Schuhe aus und warfen ihre Jacken über die Garderobe.
Sie wurden von einem verführerisch guten Duft im Haus empfangen.
„Kommt rein“, rief Lisas Mutter „ich habe Bratäpfel gemacht.“
Kurze Zeit später saßen sie zu dritt am Tisch und ließen sich die herrlich duftenden Äpfel schmecken.
„Ach“, meinte Lisas Mama „jetzt hab ich ganz vergessen, die Kerzen am Adventskranz anzuzünden. Dann wird es doch noch gemütlicher.“
Schnell griff sie zu den Streichhölzern und zündete zwei Kerzen an.
„Wisst ihr eigentlich“, fragte sie dann die beiden Mädchen „wer sich das mit dem Adventskranz ausgedacht hat?“
„Nein“, meinte Fritzi. Auch Lisa schüttelte den Kopf.
„Na, dann werde ich euch davon erzählen. Den Brauch, in der Adventszeit einen Kranz aufzustellen, den gibt es noch gar nicht sooo lange. Die Idee kam einem Pfarrer, der ein Waisenhaus leitete. Was ein Waisenhaus ist, dass wisst ihr doch?“, fragte die Mama.
„Ja“, wusste Fritzi „dort leben Kinder, die kein Zuhause mehr haben, weil die Eltern gestorben sind - oder so.“
„Das ist richtig, Fritzi. Und genau wie auch noch heute, warteten die Kinder schon damals ungeduldig auf das Weihnachtsfest. Und um die Wartezeit bis Heilig Abend besser zu verstehen, ließ sich der Pfarrer die Sache mit dem Adventskranz einfallen. Er nahm ein altes Kutsch-Rad aus Holz und stellte rundherum vierundzwanzig kleine rote und außerdem vier dicke weiße Kerzen darauf. Dieses Kerzenrad wurde im Waisenhaus aufgehängt und jeden Abend durfte ein anderes Kind eine weitere Kerze entzünden. Am Heiligabend brannten sie dann alle.“
„Aber wir haben nicht so viele Kerzen auf dem Adventskranz“, fiel Lisa auf.
„Ja, wisst ihr, dieser erste Adventskranz war viel zu groß, um ihn in einem Wohnzimmer aufzustellen und deshalb hat man ihn verkleinert. Und weil auf so einem kleinen Kranz nicht ganz so viele Kerzen Platz haben, beließ man es bei den vier dicken Kerzen, eine für jeden Adventssonntag. - Wisst ihr denn überhaupt, was das Wort ‚Advent’ bedeutet?“, fragte Lisas Mutter weiter.
Beide Kinder schüttelten den Kopf.
„Das Wort ‚Advent’ kommt aus der lateinischen Sprache und heißt übersetzt ‚Ankunft’. Aber auf wessen Ankunft wir warten, das wisst ihr?“
„Ja klar“, sagten beide „auf die Ankunft Jesu.“
Dann läutete das Telefon. Fritzis Mutti rief an. Die Drei hatten ganz die Zeit vergessen.
„Deine Mutter wartet sozusagen auf deine Ankunft“, lachte Lisas Mutter. „Aber ich habe ihr schon gesagt, dass es meine Schuld ist, dass du dich verspätest und sie deshalb nicht mit dir schimpfen soll.“
„Okay, na dann bis morgen und Danke für den Bratapfel!“, verabschiedete sich Fritzi und machte sich auf den Weg nach Hause.
Endlich war es so weit. Lisa war schon ganz früh aufgewacht, denn heute war Heiligabend. Im Haus herrschte große Betriebsamkeit. Alles wollte noch hergerichtet sein. Lisa half ihrem Vater, den Baum zu schmücken und Lisas Mutter bereitete das Essen für den Heiligabend vor.
Lisa war mächtig aufgeregt. Das lag auch an dem Krippenspiel, an ihrer Rolle als Maria. Hoffentlich klappte es heute besser, als bei der Generalprobe.
„Wird schon werden, du schaffst das!“, machte Lisas Mama ihr Mut.
Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt. Der Weihnachtsbaum strahlte in seiner ganzen Pracht und selbst die kleinsten Kinder hörten andächtig zu.
Fritzi war ein wunderschöner Engel mit ihrem langen blonden Haar und dem goldenen Heiligenschein. Auf dem Rücken trug sie zwei Flügel aus Pappe, die mit weißen Federn beklebt und an ihrem weißen Gewand befestigt waren. Fritzi sprach mit ihrer piepsigen Stimme so ehrfurchtsvoll, wie es ihr eben möglich war:
„Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkündige euch große Freude! - Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend.
Geschafft – fehlerfrei! Auch die anderen Kinder machten ihre Sache hervorragend und erhielten zum Schluss von allen Gottesdienstbesuchern tosenden Applaus.
Nachdem die ganze Gemeinde voller Inbrunst ‚O du fröhliche’ gesungen hatte, zog es die Kinder nach Hause. Endlich Bescherung! So lange hatten sie darauf warten müssen.
Die Erwachsenen waren immer noch in der Kirche, weil sie die dort aufgebaute alte Krippe betrachten wollten.
Lisa und Fritzi warteten ungeduldig an der Kirchentür auf ihre Eltern, als Lisa plötzlich flüsterte: „Schau, Fritzi. Was ist denn das dort für eine helle Gestalt?“
Wie gebannt starrten beide dort hin.
„Duuu, Liiisa, iiich glaub, daaas iiiist eiiin …“, stotterte Fritzi.
„Fritzi, denkst du das gleiche wie ich?“
„Du, ich glaub, das ist ein Engel!“, flüsterte Fritzi ehrfürchtig.
Dann sprach der Engel zu den Kindern.
„Ich habe mir euer Krippenspiel angesehen und werde im Himmel davon berichten, wie beeindruckend ihr die Geburt des Herrn dargestellt habt. Dann wird dort große Freude herrschen.“
Als die Eltern aus der Kirche kamen, war der Engel bereits fort.
„Ihr schaut ja genauso erschrocken, wie damals die Hirten auf dem Feld, als ihnen der Engel erschienen ist“, meinte Lisas Mama scherzhaft.
„Genau“, murmelte Fritzi kaum hörbar. Lisa knuffte ihrer Freundin in die Seite und die Mädchen sahen sich verschwörerisch an. Auf dem Heimweg nahmen sich die beiden Freundinnen bei der Hand und folgten ihren Eltern schweigend. 
Dieses himmlische Ereignis am Heiligabend behielten sie für immer und ewig in ihren Herzen.

c Martina Pfannenschmidt


Kommentare:

  1. Ist das eine schöne Geschichte , wollte sie erst später lesen , aber ich bin nicht mehr los gekommen . Ja die lieben Engel , für mich gibt es sie auch " in echt " . Leibhaftig oder nur in einer besonders guten Art zu sehen .
    Genau , das mit der Entstehung des Adventskranzes kenn ich auch mit dem Kerzenrad . Und ich glaub , um dieses Strahlen und Glitzern , der vielen Kerzen wieder zurückzuholen , kam man auf den geschmückten Tannenbaum . Und die Tanne steht ja für Leben , wegen ihrem immergrünen Kleid .
    Danke Martina , hab einen schönen Tag .
    Ich wünsch dir und deiner Family schöne Weihnachtstage .
    Weiß nicht , ob ich der Tage zum Kommentieren komme , ich arbeite ja und hier hab ich auch wieder so technische Probleme .
    Liebe Grüße JANI

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    1. Schön zu lesen, dass dir meine Geschichte gefällt! Falls wir nichts mehr voneinander hören, wünsche ich dir auch schon heute und hier ein frohes Weihnachtsfest!
      LG Martina

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  2. Liebe Martina
    grosser Seufzer erst Mal das war so schön diese Geschichte dankeschön dass du sie nochmal rein gestellt hast. Es ist immer wieder intressant und schön das zu lesen wie es entstanden ist und mit dem Engel wunderbar.. wer weiss was so mancher einer gesehen hat auch heute noch so eine Erscheinung!
    der Glaube an Weihnachten ist was schönes auch für mich noch heute und in der Zukunft!
    Lieben Gruss Elke

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    1. Oh, ich habe dir einen Seufzer entlockt ;-)!!! Wie schön, ich freue mich, dass dir die Geschichte gefallen hat und schicke dir liebe Grüße in den hohen Norden! Martina

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  3. Hallo Martina,
    das finde ich toll, dass Du thematisch viele Geschichten rund um das Weihnachtsfest erzählst. Jedes Jahr schwebt mir diese Idee im Kopf vor, aber so richtig viel kommt bei mir nicht zusammen. Hast Du jedenfalls schön erzählt. Das mit der Bibel und Glauben, dass kommt bei mir auch in einzelnen Posts vor. Zu sehr sind wir mit der naturwissenschaftlichen Denkweise verwurzelt. Nur das, was durch Naturgesetze beweisbar ist, stimmt. Solch ein Denkansatz, das für wahr zu halten, was mir mit den Sinnen erfahren, ist uns abhanden gekommen.

    Gruß Dieter

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    1. Danke, Dieter! Es kommt noch eine weitere weihnachtliche Geschichte - am kommenden Dienstag. Aber wenn man sie jetzt nicht schreibt, wann dann?!?
      Ja, die Wissenschaft hat schon viel heraus gefunden, doch es gibt eben auch sehr vieles, das nicht erklärbar ist. LG Martina

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  4. Ich bin beschämt, dass ich diese Geschichte erst heute lese. Ich muss aber auch zugeben, dass ich am Anfang gewacktelt habe, sie weiter zu lesen, aber ich wurde schnell eines besseren belehrt. Immerhin hat meine "Okkulte Fliege" ja auch die "Stahl-Geschichte" epigenetisch beleuchtet. ;-)

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    1. Es macht mich unglaublich stolz zu lesen, dass du meine Geschichte tatsächlich bis zum Schluss gelesen hast. Echt, ich freue mich tierisch darüber!!! LG Martina

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  5. Liebe Martina,
    solche Geschichten kann man in jedem Jahr wieder lesen, ich habe sie genossen! Danke dafür und liebe Grüße
    Regina

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    1. Danke, Regina! Es war irgendwie blöd, dass alle Geschichten etc., die ich im vergangenen Jahr in den Adventskalender eingestellt hatte, im neuen Jahr verschwunden waren. Deshalb habe ich in diesem Jahr auch keinen gemacht!
      LG und einen schönen 4. Advent! Martina

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  6. .... eine sehr schööööne Geschichte und ich bin froh, dass du sie dieses Jahr wieder gepostet hast, sonst wüßte ich jetzt nicht wie der Adventskalender entstanden ist !!
    ;O) .....

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    1. Ah, dann hast du etwas Neues bei mir erfahren?!? Schööööön!!!
      Im letzten Jahr hatten wir uns ja auch noch gar nicht gefunden!

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