Sonntag, 28. Dezember 2014

Dankbar sein

Immer, wenn sich das Jahr seinem Ende entgegen neigt, kann ich es nicht verhindern, dass rückblickende Gedanken kommen und darin ist ja auch gar nichts Schlechtes zu sehen. Für mich war es – wie man wohl so sagt – ein ‚gutes’ Jahr.
Herauspicken möchte ich nur eine einzige Sache, die jetzt im Dezember neu auf mich zugekommen ist. Ich habe schon kurz davon berichtet. Es geht um die Flüchtlinge, die in unserer Stadt untergekommen sind, und die gerne Deutsch sprechen können würden. 
Ich habe mich bereit erklärt, einen kleinen Beitrag dazu zu leisten. Gelernt habe ich es nicht, andere zu unterrichten, doch die ersten einfachen Worte oder Sätze kann ich ihnen vielleicht beibringen.
Als ich diesen jungen Menschen zum ersten Mal gegenüber stand, schlug mein Herz. Ihres sicher auch. Und dann sah ich in ihre Augen und war sehr berührt. So vieles konnte ich darin lesen. Traurigkeit über das Erlebte zum einen, Hoffnung zum anderen. Eine kleine Hoffnung, die sie auch in mich setzten. Sie sind hoch motiviert und das macht die Sache so erfreulich.
Als wir in mehreren kleineren Gruppen mit ihnen u. a. das Alphabet übten und einfache Begrüßungssätze gemeinsam sprachen, erzählte ein Mann (in gebrochenem englisch): 'Wenn ich einkaufen gehe, dann sitzt dort immer eine nette Frau an der Kasse. Sie spricht mich an, doch ich kann sie nicht verstehen und lächle nur zurück. Das ist so unbefriedigend, ich würde ihr so gerne antworten'. 
Dies zu hören, hat mein Herz berührt. Auch, weil die Frau an der Kasse ihn freundlich behandelt und es ihr, wie mir, bewusst ist, dass dieser Mensch hier ist, weil er der Gewalt in seinem Land entflohen ist und weil er Frieden für sich will und keine Gräueltaten mehr ansehen und schon gar nicht selber ausführen möchte.
Es gibt Gott sei Dank eine große Anzahl Deutscher, die so denken und handeln wie diese Frau an der Kasse und die erkennen, dass wir in der Situation dieser Flüchtlinge auch dankbar wären, würden wir freundlich in einem fremden Land aufgenommen. 
Manchmal kommt es mir so vor, als würden wir es gar nicht zu schätzen wissen, in einem Land wie dem unsrigen zu leben. Über so vieles schimpfen und wettern wir. Doch wir leben im Frieden und (die meisten von uns) im Überfluss und wir haben immer noch mehr als genug, wenn wir andere daran teilhaben lassen.   



Kommentare:

  1. Eine wunderschöne Aufgabe die dir da gegeben wurde Martina, ich freue mich mit dir.
    Du kannst etwas Gutes tun und die Menschen ein Stück begleiten, das ist schon sehr wertvoll.
    Ich wünsche dir allzeit gutes Gelingen!
    Alles Liebe
    Sophie

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    1. Du sagst es, ich habe auch das Gefühl, dass sie mir 'gegeben' wurde. Geplant war es nicht. Sie ist mir einfach so zugefallen, diese Aufgabe. Mal sehen, wohin dieser Weg führt! Danke für den lieben Kommentar! Martina

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  2. Hallo Martina,
    ich bin auch dankbar für dieses gute Jahr! Und Du hast DIr eine wunderbare Aufgabe ausgesucht, die bestimmt ganz viel Freude auf beiden Seiten bereitet. Ich wünsch' DIr ganz viel Spaß damit und lauter glückliche Momente.
    Ganz liebe Grüße
    Manu (die ein ganz schlechtes Gewissen hat, weil irgendwie gerade die Zeit für Kommentare fehlt)

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    1. Ach Manu, du musst kein schlechtes Gewissen haben. Ich habe eindeutig mehr Zeit zur Verfügung, als du. Ich schaue mich eigentlich täglich im Bloggerland um und setze hier und da einen Kommentar ab, doch wenn die Zeit fehlt, dann geht es halt nicht. Mach dir darüber keine Gedanken. Ich weiß ja, dass du bei mir liest,, wenn du kannst! Die Aufgabe ist wirklich etwas Besonderes und eröffnet dir einen anderen Blick auf diese Menschen. Hin und wieder werde ich hier davon berichten. Eine schöne Woche! Martina

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  3. Liebe Martina,
    soooo schön hast du dies geschrieben und ich hab dir ja schon gesagt wie bewundernswert und kostbar ich deinen Einsatz ( der in meinen Augen kein kleiner Beitrag ist ) finde !!!!!!!
    Wir hatten an Weihnachten auch nochmal über das Schicksal dieser armen Menschen gesprochen und unsere Tochter meinte, dass es für die Helfenden auch von daher schwer ist, weil sie nicht wissen, ob die Flüchtlinge bleiben können, ob sie eine bessere Zukunft haben oder ob man sie einfach wieder zurück schickt ;-/
    Somit ist nicht nur die Hilfe meist nicht einfach sondern evtl auch der Abschied recht schwer.
    Ich danke dir auch für deine herzlichen Zeilen bei mir und und freue mich seeeehr das wir uns im großen Bloggerland begegnet sind.
    bevor ich wieder rückwärts laufe wünsche ich dir vielleicht noch einen gemütlichen Abend und eine erholsame Nacht,
    gaaaanz <3liche Grüße von mir :O)

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    1. Ach doch, liebe Renate, es ist nur ein kleiner Beitrag, den ich da leisten kann, doch es ist sicher besser, als gar nichts zu tun. Wenn diese Menschen davon berichten, was sie erlebt haben, könnte man in Tränen ausbrechen. Schon nach dieser kurzen Zeit kann ich sagen, dass mir noch viel bewusster geworden ist, dass wir hier auf der Sonnenseite leben. Ja, es geht auch in diesem Land nicht allen so gut, wie mir oder dir, doch wir leben im Frieden. Ein Wort, dessen Wert unsere Generation und die nachfolgende vielleicht gar nicht richtig zu schätzen wissen. Ich wünsche dir einen schönen Tag und Danke, dass du wieder soooo lange bei mir verweilt hast. Ich schau mal, wo ich noch einen Klecks Senf von dir finde! ;-) LG Martina

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    2. ... ich hüpfe natürlicha uch immer nochmal durch unsere Zeilen und möchte trotzdem bei meinem Blickwinkel bleiben und sagen, dass es ein großer Beitrag von dir ist (Größe kann man schließlich nicht nur in Maßen messen, es gibt auch die Herzensgröße, oder besser Herzlichkeit)
      stimmt, wir leben im Frieden, zumindest im politischen (weiß jetzt gar nicht, ob dies es richtig trifft) aber erleben wir nicht, und vielleicht eben aus unserem Wohlstand heraus, auch täglich "Kleinkrieg" auf den Strassen (z.B. einfach mal die Vorfahrt nehmen oder drängeln) in der Arbeitswelt, in den Schule (mit Mobbing) in der Nachbarschaft, u.u.u.
      Schade das der Wohlstand die Menschen allzuoft ins Schwanken bringt und sie statt miteinander eher gegeneinander leben und arbeiten.
      :O) .....

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    3. Und wieder war ich dir ganz dicht auf den Fersen. Hast du aber wahrscheinlich gar nicht bemerkt. Ja, die Kleinkriege - die gibt es täglich unter uns. Da gebe ich dir recht. Und noch etwas: Wir benutzen dieses Wort 'krieg' öfter, als es uns vielleicht bewusst ist. 'Nein, dass kriegst du jetzt nicht!' oder 'Ich kriege das hier nicht auf!' oder 'Du kriegst nie genug'! Ich benutze es auch, obwohl ich mir vorgenommen habe, stattdessen liebe 'bekomme' zu sagen. - Okay, es ist nur eine Wortspielerei, doch ich möchte so wenig 'Krieg' in meinem Umfeld, wie möglich!

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    4. ..... ich will mich ja jetzt nicht loben ( nur ein kleeeein bisschen ;-) ) aber ich möchte doch sagen, dass ich die Wörter mit "krieg" wirklich kaum oder gar nicht benutze, da ich das Wort als geschriebenes schon nicht schön finde. Dann sieht sich "bekomme" doch viel besser an. Dieses voluminöse "o" ist auch schöner zu sprechen als ein piepsiges "ie" .... ups ich schweife ab :-)
      :O) .....

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    5. OOO, was sind wir heute so feinsonnig. Jo, ich sproche dieses volominose OOOO auch soooooo gorne!!!! Ie, ne, Ie, , ne, also diese ie, dem kann ich so gar niechts angewienen!!! So, nun ist aber Schluss für heute - ab zu den Lachfalten. Es sind einige dazu gekommen. Danke!

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