Dienstag, 18. November 2014

Sein eigener Kapitän sein

Schon wieder ist Dienstag 
und schon wieder gibt es eine Geschichte 
bei mir - Eva, Lore und Regina!

Kapitän – Fenster – blind – hilfsbereit - sammeln

Trine stand am Fenster und schaute den sich im Takt des Windes wiegenden Zweigen zu. Es war, als hörten sie eine Melodie, die ihr verborgen blieb. Dicke dunkle Wolken zogen rasend schnell am Himmel hinweg. Eine mystische Stimmung herrschte draußen. Drinnen in ihrer Wohnung hingegen war es gemütlich und warm. Sie drehte sich um und ging Richtung Küche, um sich einen Tee zuzubereiten, der sie auch von innen wärmen sollte.
Sie stellte ihre Tasse auf einem kleinen Tischchen ab, lümmelte sich in ihren Lieblingssessel, schnappte sich ihr neues Buch und begann zu lesen. Es dauerte nicht lange, da legte sie es in ihrem Schoß ab. Über diese Frage, die sie dort gerade gelesen hatte, musste sie zuerst einmal nachdenken. ‚Bist du dein eigener Kapitän auf dem Meer deines Lebens oder eher ein blinder Passagier?’, hatte dort gestanden.
Wusste sie, welchen Weg sie nehmen wollte und hielt sie als ihr eigener Kapitän ihr Lebensschiff auf Kurs, fragte sie sich in diesem Moment.
Ihre Gedanken wanderten zurück in ihre Kindheit. Damals waren es noch ihre Eltern gewesen, die dafür sorgten, dass ihr Schiff Kurs hielt. Es war der Kurs, den die Eltern für sie vorgesehen hatten. So gesehen waren Kinder zunächst nur Passagiere auf ihrem Lebensschiff, denn die Eltern hatten das Kommando und das Steuer in der Hand.  Sie verfolgten oft ganz entschieden einen sehr autoritären Plan für ihr Kind. Manche Eltern versuchten auch, ihr Kind in eine bestimmte Richtung zu dirigieren. Die Richtung, die sie für perfekt erachteten. Ob der Weg auch wirklich dem Wunsch des Kindes entsprach, zeigte sich dann oft später. In der Pubertät rebellierten die Kinder das erste Mal, wenn sie mit diesem Weg nicht einverstanden waren und es kam dann zu Konflikten, wenn sie das Steuer ihres Lebens selbst in die Hand nehmen wollten.
Ihr kamen zwei Sätze in den Sinn, die Eltern gerne zu sagen pflegten: „Kind, du sollst es doch einmal besser haben, als wir’ oder ‚Wir wollten doch nur das Beste für dich’. Das war ganz sicher so und das wollte sie den Eltern auch gar nicht absprechen, aber was war wirklich das Beste für das Kind?
Sie dachte an einen Vater, der am Fließband tätig und unglücklich mit seinem Job war, der vielleicht neidisch auf die ‚Krawattenträger’, die einem Bürojob nachgingen, schaute. Dann war das Beste, was sich dieser Vater für seinen Sohn denken konnte, sicher ein solcher Job. Er würde vielleicht alles dafür tun, ihn in diese Richtung zu bringen. Doch was, wenn dieser Junge eine ganz andere Vorstellung von seinem späteren Beruf und Leben hatte.
Oder, ein anderer Gedanke! Ein Vater, der ein Studium absolviert hatte, würde er akzeptieren, wenn sein Kind nicht das Abitur machen möchte. Sie konnte sich durchaus vorstellen, dass es schwierig für Eltern war, zu erkennen, mit welcher Bestimmung ihr Kind auf diese Welt gekommen war und sie fragte sich in diesem Moment, ob das Beste, was die Eltern für ihr Kind wollten, auch stets das Beste für das Kind war?
Und wann war eigentlich der Tag gekommen, das Steuerrad abzugeben und das Kind seine eigenen Erfahrungen sammeln zu lassen? Nämlich als sein eigener Kapitän auf dem Meer seines Lebens? Sicherlich könnten die Eltern aufgrund ihrer Lebenserfahrung den Kindern oft Schwierigkeiten ersparen, doch das ging nicht. Aus Fehlern lernen konnten Kinder nur dann, wenn sie sie selber machten.
Trine schaute wieder auf ihr eigenes Leben. Ihre Eltern hatten sie nie zu etwas gezwungen und dafür war sie ihnen ganz besonders dankbar. Es gab keinerlei Druck in irgendeine Richtung. Sie konnte und durfte sich frei entwickeln und ihren Weg suchen und gehen. Ihre Eltern hatten ihr früh das Steuer überlassen, sie gelehrt, mutig aber auch hilfsbereit durchs Leben zu gehen. Sie hatte ihr Ziel, Lehrerin zu werden, nie aus den Augen verloren und war diesen Weg zielgerichtet gegangen. Dass sie keine eigenen Kinder hatte, empfand sie als nicht so schlimm, denn sie war ja ständig von Kindern umgeben. Sie hatte sich ganz bewusst für dieses Leben als Single entschieden.
Ja, stellte sie fest, sie war der Kapitän ihres Lebens. Für sie hatte früh fest gestanden, dass sie so leben wollte, wie sie lebte. Sie konnte und wollte sich niemandem unterordnen und hatte sich ihr Leben so eingerichtet, wie sie es für gut und richtig empfand. Alles war gut, so wie es war. Sie war der Kapitän ihres Lebens und würde das Ruder auch nicht aus der Hand geben.
Trine nahm das Buch wieder zur Hand und las, um diese Erkenntnis reicher, und mit sich und der Welt im Einklang, zufrieden weiter.

© Martina Pfannenschmidt, 2014



Nanu, was hat das denn zu bedeuten?
Wem gehören denn diese Quadratlatschen?
Und was hat das Foto in meinem Blog verloren?
Keine Ahnung - ehrlich! 
Ob sich das in den nächsten Tagen klären wird?
Da bin ich ja mal gespannt!
:-) :-) :-) :-) :-) :-) :-) 

Kommentare:

  1. Das ist wieder mal eine lehrreiche Geschichte von Dir. Da kann ich noch hinzufügen: "Erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt."
    LG Elke

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    1. Da ist wohl viel Wahres dran! Danke und LG Martina

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  2. Danke sage ich dir Martina für diese gedankenvolle Geschichte. Es ist gut, wenn die Eltern den Kindern freie Hand lassen in der Berufswahl usw. und doch leicht lenkend eingreifen, wenn es mal hakt.LG. Gerda R.

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    1. Ich danke dir für das Lesen und den lieben Kommentar! Martina

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  3. Danke, Martina, für diese Geschichte voller weiterführender Gedanken. Sie sprechen mir aus der Seele.

    Alles Liebe
    Eva :)

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  4. Liebe Martina,
    eine wunderbare Geschichte und soviel Wahres darin! Mir fällt dazu ein : Jeder ist seines Glückes Schied, sowie es hier auch heißt : Der Kapitän des eigenen Lebens sein...sehr schön wieder geschrieben, Du Liebe!
    Ich wünsch Dir noch einen gemütlichen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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    1. Vielen Dank, liebe Claudia! Alles Liebe auch für dich und einen ruhigen Abend!
      Martina

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  5. Oh, eine Geschichte mit einer "Hagestolzin" ;-) Das hat mich jetzt am Ende am meisten überrascht.

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    1. Juchhuuu!!! Du hast gedacht, ich kann nur Familie, nä?!?!
      Nee, ich kann auch Hagestolzin (musste ich allerdings googeln!)!!!
      ;-) ;-) ;-)

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  6. Liebe Martina
    eien wunderbare Geschichte aus dem Leben einer jungen Frau und du hast es prima erzählt wie es sein sollte das Lebensschiff und sein eigener Kapitän sein, ja so ist richtig!
    Schönen Abend!
    Lieben Gruss Elke

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    1. Bleib dein eigener Kapitän!!! Ich wünsche dir (euch) auch einen schönen Abend!
      Martina

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  7. Ja sach ma, was laufen denn da für Plattfüße durch`s Bild *tss ;-)
    Liebe Martina, deine Geschichte ist wieder wunderbar *DANKE*
    Ich dachte nur eben, als Paar muss man sich das Lebensruder ein bisschen teilen !!
    Ich wünsche dir, mit allen auf deinem Schiff, einen gemütlichen Abend,
    gaaaanz <3liche Grüße von mir ( Kapitän und Matrose ) ;O)

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    1. Für die Plattfüße gibt es bald eine Erklärung - sehr bald!!!!
      Ja, die Trine, die ist ja nun Single und von daher 'nur' Kapitän.
      Ich bin auch beides - Kapitän und Matrose!
      Aber, wenn du es meinem Mann nicht verräts, ich glaube, ich bin ein kleines bisschen mehr Kapitän ;-)!!!

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    2. ..... psssst gaaaaanz unter uns : ICH AUCH ;O)
      Verraten wie den Männern aber echt nicht !!

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  8. Mitleidig wie ich nun mal bin, eilte ich herüber als ich deinen Kommentar bei mir las, dass niemand kommentiert, pustekuchen. Hahaa
    Martina unser Philosoph, wunderbare Gedanken wieder einmal, hat auch mich zum Denken angeregt, wie viele deiner Beiträge

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    1. Liebes Lorchen, es war so!!! Als ich bei dir kommentierte, gab es bei mir noch keinen einzigen Kommentar! Ich schwöre!!! Aber: Du wolltest dich doch nicht etwa drücken und hier nicht lesen und kommentieren?!?! Meine Liebe, dann hätte ich dir aber die Freundschaft gekündigt ;-)!!! Regina war auch noch nicht hier - ich weiß gar nicht, ob alles okay ist bei ihr?!? LG Martina

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  9. Liebe Martina,
    ich war schon da gestern, aber wie so oft lief mir die Zeit davon und ich konnte dir nicht mehr schreiben, wie sehr mir deine Geschichte wieder gefallen hat. Das Lesen gestern hat mich in eine kleine Oase entführt und als ich noch eine Weile darin versunken war, ging es mir besser und ich dachte mir, dass ich ohne Geschichten nicht leben könnte, sie holen mich aus so manchem Tief!
    Herzliche Grüße
    Regina

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    1. Hatte mir schon Sorgen um dich gemacht!!! Wie gut, dass sich alles aufgeklärt hat!
      Vielen Dank - und schreiben: Ja, das ist dein Leben! LG Martina

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  10. Liebe Martina,
    Deine Geschichte hat mich sehr nachdenklich gemacht, und ich bin mir manchmal gar nicht so sicher, ob ich auf MEINEM Lebensschiff der Kapitän bin - oder nur der Schiffsjunge...
    Wenn ich so darüber nachsinne, dann habe ich manchmal eher das Gefühl, von einem Tropensturm mal hierhin und mal dorthin geschubst zu werden...
    Aber ich kann zum Glück wenigstens schwimmen!
    Vielen Dank für diese schöne Geschichte, und liebe Grüße
    Christine

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    1. Oh, diese Stürme sind mir gut bekannt. In diesen Zeiten ist es wirklich schwierig, am Ruder zu bleiben und sein Schiff auf Kurs zu halten. Manchmal ist das Meer unseres Lebens still und dann wieder türmen sich hohe Wellen auf. Dann ist auch das Schwimmen nicht ganz so einfach ;-)! Aber: es geht uns allen wohl gleich - wir geraten alle einmal in einen Sturm. Ich wünsche dir, dass du gut hindurch kommst! Danke für den Kommentar und LG Martina

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