Donnerstag, 25. September 2014

Loslassen

Einige Kommentare zu meinem gestrigen Post veranlassen mich, heute einmal über das Loslassen nachzudenken.
Ja, ich weiß es aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, sein Kind los zu lassen. Aber es sind ja nicht nur Kinder, von denen wir uns lösen müssen, doch meine Gedanken heute drehen sich um das Loslassen zwischen Mutter und Kind.
Wenn das Kind geboren wird, dann muss es sich von der Nähe der Mutter lösen. Ich kann mir gut vorstellen, wie schwer es sein muss, wenn die Nabelschnur durchtrennt wird. Das ist die erste Lösung, das erste Loslassen, das uns hier auf der Welt erwartet. Ab dann sind Mutter und Kind nicht mehr eins, sondern zwei. Auch die Mutter muss natürlich das Kind los lassen und aus seinem Bauch entlassen. Ich denke, dass die Mutter dann eine ‚schwere Geburt’ erlebt, wenn sie eben dieses Kind nicht aus ihrem Bauch entlassen, sondern noch bei sich behalten möchte. Aber es geht nicht. Das ist nicht der Sinn. Das Kind muss sich von der Mutter lösen, sonst ist es nicht lebensfähig.
Kaum haben Mutter und Kind dieses überstanden, müssen sie sich wieder trennen. An der Kindergartentür. Wieder so eine schwere Zeit für beide. Wieder muss das Loslassen geübt werden. Kommt das Kind dann in die Schule, ist der Schritt des Loslassens von der Mutter schon gelernt und es ist kein Problem. Dann kommt die erste Klassenfahrt. Vielleicht für eine Woche. Eine Woche lang getrennt sein von Mutter und Familie. Wieder muss das Loslassen geübt werden, auf beiden Seiten.
Wird das Kind erwachsen, rebelliert es gegen die Eltern. Dann ist es vielleicht später nicht mehr so schwer, sich von der Familie zu lösen. Wenn man die Eltern gar nicht mehr so nah an sich heran lässt, dann ist es vielleicht einfacher, zu gehen, denn der Tag kommt, an dem das Kind von zu Hause auszieht, zum Studium oder spätestens dann, wenn es selbständig sein oder eine eigene Familie gründen möchte.
Es gibt so einen schönen Sinnspruch, der aus Indien stammt:
‚Solange die Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie älter geworden sind, gib ihnen Flügel.’ Doch das setzt eins voraus: wir müssen sie loslassen, damit sie fliegen können. Wir müssen uns klar darüber werden, dass Kinder zu uns kommen, eine Weile nah bei uns sind und uns dann verlassen. Damit gilt es umzugehen. Das ist schwer. Sehr schwer!
Und dann gibt es den Moment, wo wir ganz von hier gehen und es sozusagen ein letztes Loslassen auf beiden Seiten geben muss. Manchmal ist es sogar das Kind, das vor der Mutter gehen will oder darf und dann wird es ganz besonders schwer. Das Loslassen-Lernen hört niemals auf, aber auch das Wiedersehen nicht. Es wird immer wieder ein Wiedersehen geben. Das ist der einzige Trost, den wir haben. 

Foto: geist.der.gesetze.wordpressD

Kommentare:

  1. Liebe Martine,
    jetzt hast du es geschafft, dass mir mal wieder die Tränen gekommen sind.
    Deine Art zu schreiben berührt mich immer sehr, besonders bei so sensiblen Themen.
    Beim lesen habe ich schmerzlich gemerkt, dass ich , immer noch nicht, ganz,
    losgelassen habe, meine jüngere Tochter betreffend. Da fällt es mir so unsagbar schwer. Nach außen und ihr gegenüber lasse ich mir das nicht anmerken und reiße mich zusammen, weil ich ja weiß, dass ich ihr nicht gut tue, wenn ich sie an mich binden würde.
    Immer , wenn ich merke, dass ich ins klammern verfalle, es gibt ja so viele kleine Tricks, von denen man meint, sie wären unauffällig, dann ermahne ich mich selber !
    Aber es fällt halt so schwer!
    Vielleicht liegt es ja auch daran, dass sie ein Nachzügler ist und ich halt nun schon älter bin .
    Aber ich bemühe mich, ehrlich damit zu leben.
    In deiner Geschichte davor, auf die du Stellung beziehst finde ich auch sehr schön.
    Aber , leider, ist es nicht immer so, dass die Mama der Engel ist für das neue Leben.
    Wenn ich an die Horrormeldungen von Kindesmisshandlungen durch die Mütter denke, dann frage ich mich doch schon, wo da der engel geblieben ist !
    aber darauf wird es wohl keine Erklärung geben.
    Jedenfalls wäre es schön, wenn es so zutreffen würde und Gottseidank ist es ja doch überwiegen so, glaube ich.
    Danke für deine 2 Erzählungen.
    Herzliche Grüße
    Jutts

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    1. Schmunzel - du sprichst nicht etwas von diesen kleinen Tricks wie: 'Wollt ihr nicht am Sonntag zum Essen kommen, ich wollte ... kochen, das mögt ihr doch so gerne.' Ja, kenne ich, als unsere Tochter mit ihrem heutigen Mann zusammen zog und von uns fort. Wir haben nur die eine. Das ist dann auch nochmal etwas anderes. Ich kann mir gut vorstellen, dass es bei der Jüngsten am schwierigsten ist. Aber wir sind ja auch gegangen, nicht wahr. Wir haben auch nicht daran gedacht, wie es unsere Eltern empfunden haben. Aber alles Wissen darum nützt nicht, wenn das Herz anders denkt!
      Danke für deinen lieben Kommentar! Martina

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  2. Liebe Martina,
    ein supertoller Beitrag, den ich mit pippi in den Augen gelesen habe. Erinnert er mich doch an so viele Dinge des Loslassens. Mit drei Kindern mussten wir schon oft üben, aber immer wieder ist es wie neu. Nächstes Jahr wird meine Große die Schule beenden, ich hoffe sie geht weiter zur Schule, dass ich sie noch bissel bei mir habe. Bei meinem Mittleren stehen diesbezüglich keine großen Veränderung an, jedoch mein Zwerg kommt in die Schule. Alle drei haben, wo sie in die Kita mussten furchtbar geweint, besonders mein Kleiner hat es monatelang "durchgezogen". Wobei es nicht an der Kita lag oder liegt, die ist nämlich super. Er ist ein Mamakind und liebt es so oft wie möglich zu Hause zu bleiben.
    Ja, loslassen ist schwer und scheinbar kann man es nicht wirklich lernen.
    Ganz liebe Grüße in den Abend - Stine - Daaaanke für den Beitrag.

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    1. Es ist so tröstlich zu lesen, dass es anderen Müttern ebenso ergeht. Ich hatte manchmal das Gefühl, mich zusammenreißen zu müssen. Ja nicht anderen gegenüber zeigen, wie schwer es ist. Aber anderen Müttern ergeht es gar nicht anders.
      Als meine Tochter ihr erstes Kind auf dem Arm hielt, hatte sie Tränen in den Augen, als sie mir sagte: ich glaube ich weiß jetzt, wie schwer es für dich war, mich los zu lassen! LG und Danke für den Kommentar! Martina

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  3. Hallo Martina,
    wie wahr und so berührend, dass mir gar nicht mehr dazu einfällt.
    Liebe Grüße
    Manu

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  4. Liebe Martina
    wie nah es ist ich habe viele kInder los lassen müssen ob in den hImmel oder in ihr eigenes Leben manhcmal abruppt das schmerzt wie ein tsich , manhcmal liebevoll udn immer wiede rzurück kehrend das Mutter herz sich erfreut dass der Weg zu der Mutter so leicht fällt und das andere das Mutter zerreisst wenn jeglicher Kontakt weg ist und ich nicht wies ob es für immer ist.
    Losgelassen habe ich sie so untershciedlich wie sie es gebraucht haben, stimmt es ist verdammt schwer und ich habe es inmir behalten um den Weg ihnen nicht zu shcwer zu machen.
    Loslassen in schweren schlimmen Zeiten wie in anderen Obhut zu geben und als Mutter das beste zu wollen... und da zu sitzen es verdauen ist Meine schwerste Aufgabe..
    Ich habe auf meinen Blog ein Gedicht geschreiben dazu und ich ahbe es nicht veröffentlicht weil ich weiss das richtige gemnacht zu haben udn doch mein Herz wehtut manchmal wenn ich Foto sehe und mich erinnere wie schön war real sie zu sehen umarmt habe...
    ja, du hast mich zum weinen gebracht mein Thema dass in mir rummort und so so berührt...
    mit meiner Tochter.. ich werde das Gedicht doch mal posten du hast mir Mut gemacht!
    Ich muss dir doch mal ein Kompliment machen deine Posting sind so Klasse und wie duan Themas ran gehst und ich bin froh dass ich dich gefunden habe!!!!
    Bleib so wie du bist ich mag das so deine Art die Dinge zu sehen auf dieser Welt!
    Lieben Gruss Elke

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    1. Liebe Elke, o weh, ich wollte dich nicht zum Weinen bringen, auf gar keinen Fall. Doch Tränen können ja auch einen Reinigungsprozess in Gang setzen.
      Es klingt nach einer sehr, sehr schweren Aufgabe für dich. Danke, dass du dich mir/uns gegenüber so geöffnet hast und mich/uns einen kleinen Blick in deine Seele hast tun lassen. Wenn man in einem Blog liest, dann bekommt man einen gaaaanz kleinen Blick in das Leben des Menschen, doch nicht in seine Seele. Dort verbirgt sich oft Schmerz und jeder hat so sein Päckchen zu tragen, dass gut verschnürt ist und oft vor anderen verborgen wird.
      Und vielen, vielen Dank für deine lieben Worte am Schluss. Eines kann ich dir versprechen: ich werde so bleiben wie ich bin, denn anders kann ich gar nicht. Jeden Menschen zeichnet etwas anderes aus und wenn man liebend auf sie schaut, dann erhascht man einen kleinen Blick des Lichtes, das in jedem von uns brennt und ein Widerschein der Ewigkeit ist. Wenn du mehr auf dem Herzen hast und dir die Probleme von der Seele schreiben möchtest, dann darfst du mir auch gerne unter Kontakt - rechts unten - schreiben! Alles Liebe für dich! Martina

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  5. Ich schließe mich Elke an und dein Antwort-Kommatar dazu ist so schööön! Bist eine ganz Besondere, liebe Martina. LGLore

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  6. Ja, die Sache mit dem Loslassen - eine der schwersten Übungen im Leben !
    Ich habe gelernt, nur wer los lässt kann Platz machen für Neues und nur wer geht kann wiederkommen !
    ;o)

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    1. Und es ist eine Aufgabe, mit der wir nie an ein Ende kommen. Dieses Loslassen müssen kommt immer und immer wieder auf uns zu und trifft uns oft sehr schmerzlich! Ich finde es toll, dass du einen Weg für dich gefunden und dieses Loslassen gelernt hast. Das ist etwas, womit ich so meine Probleme habe. LG Martina

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