Dienstag, 12. August 2014

Fisch sucht Fahrrad

Reizwörtergeschichte
Fisch – Fahrrad – singen – frech – beleibt

* NEU! NEU! NEU! *

Ganz nach dem Motto ‚Singe, wem Gesang gegeben’ stand Bruno unter der Dusche und brummte: ‚Ich hab drei Haare auf der Brust, ich bin ein Bär’. Das entsprach zwar nicht so ganz den Tatsachen, denn er hatte eindeutig mehr als drei Haare auf der Brust, doch der Rest stimmte. Sein beleibter Körper war dem eines Bären schon sehr ähnlich und außerdem war er genau wie dieser mit Haaren übersät.
Dann sprang Bruno, so elegant, wie es ihm mit seiner Körperfülle eben möglich war, aus der Dusche hervor. Seine Laune war extrem gut, denn er hatte sich gestern mit Maria verabredet. Nie hätte er zu hoffen gewagt, dass sich aus einem speed dating eine weitere Verabredung ergeben würde. Doch es war so gekommen.
Gestern Abend hatte ihn sein Kumpel abgeholt. Er wollte unbedingt zu dieser Veranstaltung mit dem Titel: ‚Fisch sucht Fahrrad’! ‚Wer um alles in der Welt hat sich bloß diesen Slogan ausgedacht’, fragte sich Bruno. Und wer war überhaupt der Fisch und wer das Fahrrad? Aber egal! Dort konnte man Frauen treffen und deshalb ging Bruno mit. Zunächst waren sie etwas enttäuscht gewesen, weil sie sich noch mehr Weiber, wie Brunos Kumpel zu sagen pflegte, auf dieser Veranstaltung erhofft hatten. Doch dann war ihnen klar geworden, dass genau so viele Männer wie Frauen anwesend waren.
Immer 16 Personen saßen, nachdem sie aufgerufen worden waren, am Tisch – jeweils 8 Männer und 8 Frauen. Schon da war ihm Maria aufgefallen, denn im Gegensatz zu den anderen war sie kein ‚Hungerhaken’ und das gefiel Bruno. Er brauchte keine Frau an seiner Seite, die nach dem ersten Bissen verkündete ‚mehr schaffe ich nicht, ich bin schon so satt’. Furchtbar war das, wenn sie danach schon so aussahen, als seien sie im dritten Monat schwanger. Mit so einem weiblichen Wesen würde er nicht klar kommen. Er suchte eine, die zu ihm passte – körperlich und seelisch.
Bruno war zwar rein äußerlich betrachtet ein echtes Mammut, doch auf der anderen Seite war er sehr feinfühlig. Das versteckte er jedoch oft hinter der einen oder anderen frechen Bemerkung. Doch im tiefsten Inneren war er ein ganz lieber Brummbär. Nun galt es nur noch, eine Frau zu finden, die dies erkannte und ihn so liebte, wie er nun mal war.
Die erste Frau, die ihm am Abend zuvor gegenüber gesessen hatte, war eine echte Zicke gewesen. Nichts für ihn, jedenfalls. Sie hatten in der kurzen Zeit, die ihnen zum Kennen lernen blieb, eine sehr gezwungene Unterhaltung geführt und er hatte sofort gespürt, dass die Chemie zwischen ihnen nicht stimmte. Nach drei Minuten ging es dann zur nächsten Frau, doch auch die war nicht nach seinem Geschmack, außerdem war sie viel zu dürr. Doch dann kam Maria und sofort war der Funke übergesprungen. Sie arbeitete in einer Bäckerei, hatte sie erzählt, und offensichtlich probierte sie gerne die Leckereien, die es dort zu naschen gab. Aber das war für Bruno okay. Maria hatte ihm mit ihrem runden Gesicht, den knallroten Wangen und dem liebevollen Blick sofort gefallen. Sie hatten sich gut unterhalten und auch den Rest des Abends miteinander verbracht. Sogar getanzt hatten sie, solange es ihre Kondition erlaubte.
Heute waren sie nun bei ‚Luigi’ am See zum Pizzaessen verabredet und Bruno konnte es kaum erwarten. Viel zu früh saß er an seinem Stammplatz – mit einem Krug Bier vor der Nase. Immer wieder schaute er auf die Uhr, aber die Zeit schien nicht zu vergehen. Doch dann war es soweit. Seine Angebetete kam um die Ecke und strahlte ihn an. Bruno war glücklich. Maria hatte ihn nicht versetzt. Beim Blick in die Speisekarte waren sie sich schnell einig. Sie hatten beide Hunger und bestellten sich eine große Pizza. ‚Miavolo’ mit viel Speck, Schinken und Zwiebeln sollte es sein – aber ohne Kapern. Nachdem sie alles mit großem Appetit verspeist hatten, überlegten sie, wie sie nun den weiteren Nachmittag verbringen wollten.
„Vielleicht“, schlug Maria vor, „sollten wir uns bei diesem Sonnenschein ein Ruderboot mieten.“
Das war eine sehr gute Idee. So konnte Bruno ihr gleich beweisen, dass er ein starker Mann war, der seine Liebste mühelos über das Wasser schippern konnte.
Vorsichtig stiegen sie ins Boot, das daraufhin einen beträchtlichen Tiefgang zeigte. Scheinbar mühelos glitt das Boot dank Brunos Manneskraft über den See. Nur die Schweißperlen, die sich auf seiner Stirn bildeten, zeugten davon, wie anstrengend das Rudern für ihn war. Doch das wollte er sich natürlich nicht anmerken lassen. Die Sonne tat ihr übriges und so waren auf seinem Hemd nach kurzer Zeit bereits große Schweißspuren zu sehen, so dass Maria Mitleid verspürte und anbot: „Bruno, ich würde auch sehr gerne einmal rudern. Was meinst du, wollen wir die Plätze tauschen?“
Bruno antwortete nicht sogleich, denn er wollte nicht, dass Maria den Eindruck hatte, als würde es ihm zu schwer werden, doch andererseits war die Aussicht auf eine kleine Pause sehr verlockend und so erwiderte er dann doch: „Wenn du möchtest“. Ohne weitere Absprache standen beide gleichzeitig auf. Das Boot begann ganz furchtbar zu schwanken. Weder Bruno noch Maria konnte ihr Gleichgewicht halten und so plumpsten sie kopfüber in den See. Zwei Enten erschraken und flatterten aufgeregt davon. Die Menschen in den anderen Booten hatten das Spektakel beobachtet und ruderten zu den beiden Gekenterten, doch jeder Versuch, sie irgendwie ins Boot zu ziehen, scheiterte, und so schwammen sie durch das extrem trübe Wasser zurück an Land. Wie peinlich! Maria wäre am liebsten im Erdboden versunken, doch das war leider nicht möglich. Begossen wie zwei Pudel und behängt mit Algen standen sie am Ufer und spürten die hämischen Blicke der umstehenden Gäste auf sich ruhen. Doch Bruno wäre nicht Bruno gewesen, hätte er diese Situation nicht souverän gemeistert. Er sah sich um und verkündete: „Ja, meine Lieben, so sieht das aus, wenn ein dicker Mann ins Wasser plumpst!“
Dann lachten alle – auch Maria, die sich freute, Bruno in dieser Situation an ihrer Seite zu haben. Luigi reichte beiden ein Handtuch und dann gingen die zwei zu Brunos Wohnung, die sich ganz in der Nähe befand.
Als sie etwas später frisch geduscht auf der Terrasse saßen und Maria es sich in Brunos XXL-Bademantel so richtig gemütlich gemacht hatte, schmunzelte sie, denn sie wusste jetzt:
Auch für einen dicken Fisch gibt es ein passendes Fahrrad!


© Martina Pfannenschmidt, 2014

Hier gibt es noch weitere Geschichten von 
beleibten singenden Fischen auf frechen Fahrrädern: 
Eva  -  Regina  -  Lore

Kommentare:

  1. Guten Morgen und danke schön für diese erfrischende Geschichte, liebe Martina,
    ich habe laut gelacht, als die beiden ins Wasser geplumpst sind - Schadenfreude! Da es nur auf dem Papier war, schäme ich mich auch gar nicht dafür. Bruno und Maria sind klasse, ich hoffe, dass sie glücklich miteinander werden!
    Herzliche Grüße
    Regina

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    1. Als ich die Reizwörter sah, fiel mir sofort diese Geschichte mit dem speed dating ein. Da musste ich sie nur noch schreiben. Bei den letzten Reizwörtern habe ich mich allerdings schwer getan. Das hat gedauert, bis eine Idee kam. Aber so geht es euch ja auch. Es ist nicht immer gleich eine Geschichte im Kopf fertig! LG Martina

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  2. Wunderbar, grinse noch jetzt, was für eine Geschichte, konnte mit den netten Brummbären so richtig vorstellen und dazu die rotbackige mollige Maria.
    Wir Bayern sind ja alle etwas kerniger, die Hungerhacken gibt es mehr bei den Preißen, hihii
    Aber eine schöne humorvolle Liebesgeschichte. Ist doch schön, wie jeder auf seine Art die Wörter verarbeitet.
    Wünsche dir noch einen schönen Tag, fröhliche noch immer grinsende Grüße, Lore

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    1. Du hast recht, Lore! Die Geschichten könnten unterschiedlicher nicht sein und das macht wohl den Reiz aus! Ahhh, jetzt weiß ich endlich, wieso sie 'Reiz-wörter' heißen! LG Martina

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  3. Die Erfrischung tat den Beiden scheinbar gut, und mir gefiel sie auch sehr! Schöne Geschichte, Martina,Freu mich auf die nächsten !
    Alles Liebe
    Eva :)

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    1. Danke, Eva! Deine Wörter aus der vergangenen Woche haben mir schon ein bisschen Kopfweh bereitet, doch nun ist sie geschrieben, die Geschichte, und ich freue mich schon auf die neue Herausforderung, die uns Regina stellen wird!
      LG Martina

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    2. Lustig, ich hab die Geschichte mit Deinen Wörtern fertig ;)
      Es ist bei jeder Geschichte anders, manche fließen nur so raus, die andren lassen sich ziemlich locken. Freu mich auch auf die Herausforderung von Regina, und auf die der nächsten Wochen!
      Super, jetzt wissen wir endlich, warum's "REIZ-wörter" heißt, Du bist draufgekommen :)

      Alles Liebe
      Eva :)

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  4. Es ist eine schöne Geschichte. Und es ist wie es ist - auf jeden Topf passt ein Deckel. Manchmal
    muß man nur etwas länger suchen. Deine Kopfschmerzen wegen der Worte haben sich bezahlt
    gemacht. LIebe Grüße Christa

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    1. Vielen Dank, Christa! Eure lieben Kommentare sind für uns der Ansporn!
      LG Martina

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  5. Eine schöne und lustige Geschichte ist Dir da wieder eingefallen. Gefällt mir sehr.
    LG Elke

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    1. Danke Elke! Nächste Woche geht es dann nicht so lustig zu! Wie im Leben: Mal fröhlich, mal besinnlich, mal nachdenklich! LG Martina

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  6. Liebe Martina,
    aiuch ich habe ehrzlich gelacht bei dieser wieder so schönen Geschichte von Dir! Danke dafür!
    Ich wünsch Dir noch einen schönen Abend!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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    1. Das freut mich. Immer gelingt keine lustige Geschichte - aber manchmal ist es ja auch schön, eine besinnliche zu lesen. Die Geschichten sind immer wieder anders, wie das Leben auch! LG Martina

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  7. Liebe Martina,
    wie immer ein launige, sehr schöne Geschichte. Ich habe etwas gelächelt und auch
    laut gelacht.
    Ich habe dich noch nicht gefragt, ob ich die Geschichten auch meinen Lesekindern kundtun darf.
    Natürlich erzähle ich ihnen, wer sie geschrieben hat und woher ich dich kenne. Es wäre schön, wenn du mir dein ok geben würdest.
    Einen schönen Wochenteiler wünscht dir
    Irmi

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    1. Du kannst jederzeit und wem immer du magst, meine Geschichten vorlesen!
      Sehr gerne sogar! LG Martina

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