Dienstag, 10. Juni 2014

Eine Sommerliebe

Hallo ihr Lieben, hoffentlich hat euch die teilweise große Hitze der letzten Tage nicht zugesetzt, so dass ihr das Pfingstfest gut überstanden habt. Wir sind auch wohlbehalten zurückgekehrt. Die Rückfahrt verlief ohne Probleme, doch auf dem Hinweg gab es eine Vollsperrung der Autobahn nach einem Unfall. Wir standen 100 m dahinter und konnten nicht dran vorbei. "Hättest du nicht so getrödelt, dann wären wir ein paar Minuten früher los gefahren und jetzt längst durch." - Originalton K. Pfannenschmidt, als wir dort standen. Doch ich sehe das ein bisschen anders. Gott sei Dank sind wir etwas später los gefahren, sonst wären wir vielleicht in den Unfall verwickelt worden. Das aber nur am Rande. Wir hatten schöne Tage und haben wirklich lecker gegessen. Die Fotos zeige ich euch noch, doch heute ist Dienstag und da geht es natürlich wieder um eine Reizwortgechichte. Die Wörter, die in dieser Geschichte vorkommen müssen, lauten:

Wolke – Duft – leben – wohltuend - öffnen

Wie ihr dem Titel entnehmen könnt, geht es um eine Liebe, die einen Sommer lang währt, allerdings nicht zwischen zwei Menschen. 


Doch lest selbst:



Ferdinand flog über die Wiese und landete auf der einen oder anderen Blüte, um von ihrem Nektar zu trinken. Er war ein Schmetterling, ein Tagpfauenauge, und liebte diese Grasfläche mit ihren unterschiedlichsten Blumen.
Heute hatte er seinen Cousin Henry getroffen, der ihm davon berichtet hatte, dass es im Nachbarort einen wunderschönen Park gäbe, den er sich unbedingt einmal ansehen müsse.
Der nächste Morgen verhieß einer dieser wundervollen Sommertage zu werden - keine Wolke störte das Blau des Himmels. Und so machte sich Ferdinand auf den Weg zum benachbarten Park. Schon aus der Ferne hörte er ein lautes Getöse. Vorsichtig näherte er sich dem donnernden Geräusch und entdeckte einen riesigen Springbrunnen. So etwas hatte er noch nicht gesehen.
Das Wasser sprudelte aus ihm heraus wie der Sekt aus einer zu kräftig geschüttelten Sektflasche, um gleich darauf tosend und brausend im Teich zu verschwinden. Wunderschön fand er es hier.
Er setzte sich auf die Lehne einer weißen Bank und beobachtete dieses Schauspiel eine ganze Weile. Einige Wassertropfen stiegen einer Lichtgestalt gleich in den Himmel empor und schimmerten in der Sonne in allen Farben des Regenbogens. Schön war es anzusehen und wohltuend für seine Seele.
Doch dann wurde er magisch von einem so bezaubernden Duft angezogen, dass es ihm schon fast die Luft zum Atmen nahm. Noch nie in seinem Leben hatte er einen so lieblichen Geruch wahrgenommen. Und dann sah er sie – die schönste Rose, die er je zu Gesicht bekommen hatte. Von ihr ging der betörende Duft aus.
Zögerlich flog er in ihre Richtung und traute sich kaum zu atmen, um sie nicht in ihrer Anmut zu stören. Sie war fast noch eine Knospe und doch konnte man schon ihre spätere Pracht erahnen. Auf der Rose hatte sich ein kleiner Wassertropfen verfangen und Ferdinand hätte gern von ihm gekostet, doch er traute sich nicht. Benommen von so viel Grazie trat er den Rückweg an. Er flog zurück auf seine Wiese, trank vom Nektar der Blumen – doch seine Seele war nicht bei ihm. Sie war bei der wundervollen Rose im Park.
Am darauf folgenden Tag hielt ihn nichts mehr. Er wollte nur eines: zu der Rose im Park. Vielleicht würde er sie ansprechen. Vielleicht durfte er sie berühren.
Wie betäubt flog Ferdinand um die Venus herum und bewunderte ihre Eleganz. Da erst nahm die Rose den Schmetterling wahr.
„Hallo, kleiner Butterfly“, sprach sie zu ihm, „komm doch näher und lab dich an mir.“
Ferdinand war einer Ohnmacht nahe. Sanft wie ein Hauch landete er auf ihr, um sie ja nicht zu verletzen.
„Ich heiße Dorette“, klärte sie ihn auf, „und wer bist du?“
„Ich? Ich heiße Ferdinand“, stotterte der Schmetterling vor Aufregung und sein Herz pochte bis zum Hals und seine Seele machte kleine Freudensprünge.
„Ich werde dich Nante nennen, wenn es dir recht ist“, schlug die Rose vor und ihre Stimme war so zart wie die einer Elfe. Er konnte nur leicht nicken, denn es hatte ihm die Sprache verschlagen.
Am Abend flog Ferdinand wieder heim und er konnte sich nicht erinnern, jemals einen herrlicheren Tag verbracht zu haben. Es sollten noch viele dieser bildschönen Tage folgen, an denen es eine Freude war, zu leben.
Inzwischen hatte Dorette ihre Blüte vollständig geöffnet und viele erfreuten sich an der formvollendeten Rose. Auch heute war Ferdinand wieder bei ihr und streichelte sie sanft mit seinen Flügeln.
Da näherten sich ihnen Schritte. Eine Frau trat zu ihnen und vertrieb Ferdinand von Dorette. Sie hatte ein Messer in der Hand und trennte die wunderschöne Rose von ihrer Wurzel.
„Nein, nicht, bitte nicht!“, hatte Ferdinand noch geschrieen, doch die Frau hatte ihn nicht gehört. Sie hielt die wunderschöne Rose in ihren Händen und roch an ihr.
Dicke Tränen traten in Ferdinands Augen und sein Blick fiel auf Dorette, die ein wenig kraftlos in den Händen der Frau lag.
„Nante“, sagte die Rose mit leiser Stimme, „Nante, du darfst nicht traurig sein. Wir hatten einen zauberhaften gemeinsamen Sommer, doch jetzt trennen sich unsere Wege. Meine Zeit hier auf Erden wird in ein paar Tagen beendet sein, doch ich werde meinen Duft noch so lange verströmen, wie es mir möglich ist und du Nante, du musst dir eine andere Gefährtin suchen. Mach es gut, mein kleiner Nante. Adieu!“
Die Frau nahm Dorette mit, stellte sie in eine Glasvase und nach ein paar Tagen neigte die Rose ihr Haupt und verschied. Noch lange erfüllte ihr Duft den Raum.
Nante war im Park geblieben. Er konnte sich nicht mehr rühren. Es war ihm, als sei er mitten im Sommer in eine Winterstarre gefallen. Sein ganzer Körper schmerzte ihn. Niemals würde er Dorette vergessen. Ob sie sich jemals wieder sehen würden?
Ferdinand war alt geworden und er merkte, dass es nun auch Zeit für ihn wurde, diese Welt zu verlassen. Niemals hatte er sich wieder verliebt. Immer hatte es nur Dorette für ihn gegeben und jetzt -  sie kam auf ihn zu, er hörte ihre Stimme. „Nante“, sprach sie leise zu ihm, „Nante, komm zu mir. Wir dürfen wieder beisammen sein. Keine Angst, Nante, keine Angst.“
Dann tat der Schmetterling seinen letzten Atemzug und verschied. Doch Dorette war da. Sie nahm ihn bei der Hand und führte ihn in eine andere Welt. Und dort lebten sie unzertrennlich – bis der Tag kam, ein neues Leben zu beginnen.   
        
© Martina Pfannenschmidt, 2014    
    
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Kommentare:

  1. Oh, liebe Martina,
    was für eine entzückende Geschichte, die mich doch ein wenig Augenwasser gekostet hat, so schön und so traurig finde ich sie.
    Herzliche Grüße
    Regina

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    1. Danke, liebe Regina, obwohl ... - aber das bleibt unser Geheimnis ;-)!!!
      LG Martina

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  2. Ja die Liebe, sie trifft die unterschiedlichsten Wesen, mir treibt es kein Wasser in die Augen, weil ich soooo schwitze, dass für die Augen kein Wasser mehr da ist. LGLore

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    1. Liebe Lore, ich lese gerade, dass dich der Humor auch heute und trotz der großen Hitze, die in Bayern vielleicht noch größer ist, als hier in OWL, noch nicht verlassen hat - und das freut mich! LG Martina

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  3. Liebe Martina,
    das ist eine ganz bezaubernde Geschichte :O)
    Ich wünsch Dir einen schönen Tag!
    ♥ Allerliebste Grüße Claudia ♥

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    1. Danke, Claudia - auch für dich einen wunderschönen Tag!
      LG Martina

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  4. Wunderschöne Geschichte, alle sehen wir uns wieder! Danke :)

    Alles Liebe
    Eva :)

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    1. Danke fürs Lesen und den lieben Kommentar!
      Einen schönen Tag für Dich! Martina

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  5. So ein schöne Geschichte - thematisch bald im Stil von Lore, deren Geschichten ich sehr liebe.
    LG Christa

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    1. Es freut mich sehr, dass dir meine Geschichte gefällt - und danke für den lieben Kommentar! Martina

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  6. Liebe Martina,
    eine zu herzen gehende Geschichte. Wunderbar hast du aufgezeigt,
    wie nah Leben und Tod, Jugend und Alter, nebeneinander liegen.
    Danke für diese wunderbaren Gedankengänge. (Anders vermag ich es
    nicht auszudrücken.)
    Liebe Grüße schickt dir
    Irmi

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    1. Liebe Irmi, schön, dass auch dir diese Geschichte gefällt. Euren netten Kommentare spornen uns immer wieder zu 'Höchstleistungen' an. Das ist jetzt zwar scherzhaft gemeint, doch es ist schon so: Wenn man eure lieben Kommentare liest, dann macht das Schreiben der Geschichten noch mehr Freude. Danke und LG! Martina

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  7. Eine traurige, aber zugleich tröstliche Geschichte. Am Ende wird noch alles gut.
    Schön, dass Du heil wieder zurück gekommen bist.
    LG Elke

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    1. Liebe Elke, Danke für deine lieben Worte. Wir werden uns weiterhin Geschichten ausdenken und ich vermute mal, die meisten davon werden gut ausgehen. Vielleicht sollte ich doch mal eine Geschichte mit einem offenen Ende schreiben, wo jeder Leser sich seinen eigenen Schluss denken kann. Mal sehen, ob mir so etwas gelingt. Einen schönen Tag! Martina

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