Dienstag, 8. April 2014

Zwillinge

Heute gibt es eine weitere Reizwortgeschichte 
mit folgenden Wortvorgaben:
Knoblauch – Verabredung – eklig – verlieren - lesen

Die beiden anderen Geschichten lest ihr bei Regina und Lore!




Lotte und Lotta …

… waren Geschwister. Nein, sie waren mehr als dass, sie waren Zwillinge, die sich wie ein Ei dem anderen glichen, und wirklich gute Freundinnen waren sie obendrein. Die beiden Mädchen standen sich sehr nahe, obwohl sie charakterlich nicht unterschiedlicher hätten sein können.

Lotte war die Stille, Sensible, die vieles hinterfragte und ihre Nase gerne in Bücher steckte. Lotta verstand nicht, was ihre Schwester so toll daran fand, zu lesen. Lotta liebte Pferde. Sie waren ihr großes Hobby. Auch stand ihre Schnute niemals still und sie war ein echtes Energiebündel. Außerdem war sie 5 Minuten älter, als ihre Schwester, weshalb sie sich als die Ältere für Lotte verantwortlich fühlte. Schon im Kindergarten passte sie auf wie ein Luchs, dass niemand ihrer kleinen Schwester etwas zuleide tat. Und wenn, dann bekamen sie es mit Lotta zu tun.

Inzwischen waren die beiden Mädchen zu Teenagern herangewachsen und besuchten die letzte Klasse einer Realschule. Sie saßen dort aber nicht nebeneinander, denn jede hatte noch eine andere ‚beste’ Freundin, die ihr wichtig war. Sie unternahmen oft etwas gemeinsam, denn alle vier verstanden sich ausgezeichnet.

Heute war ein ausgesprochen herrlicher Frühlingstag und zudem war es Samstag. Die beiden Mädchen hatten schulfrei und die Eltern waren auch zu Hause. Nach einem ausgiebigen Frühstück beschlossen die Vier, am Abend zu grillen. Dazu musste noch eingekauft werden. Mama schrieb eine Einkaufsliste und dann fuhren sie gemeinsam los.

Lotte war ein echter Fan von Zaziki. Sie konnte gar nicht genug davon bekommen. Die Ausdünstung danach störte sie und ihre Bücher nicht. Lotta hingegen fand alles mit Knoblauch einfach nur eklig. Sie bestellte sich bei Mama eine leckere Kräuterbutter, ohne Knoblauch, versteht sich. Dazu sollte es neben einer Bratwurst noch Baguette geben und einen grünen Salat.

Als die Vier am Abend gut gegessen hatten und die letzten Sonnenstrahlen auf der zum Westen hin ausgerichteten Terrasse genossen, klingelte das Telefon. Natürlich war Lotta die Erste, die los rannte. Eine kurze Zeit später kam sie zurück und überreichte ihrer Schwester feierlich und mit einem breiten Grinsen den Hörer. „Für dich“, sagte sie nur. Mehr nicht. Nachdem Lotte sich gemeldet hatte, überzog eine leichte Röte ihre Wangen und sie verschwand flugs in ihrem Zimmer.

„Wer war denn dran?“, fragte die Mutter interessiert. „Hab ich nicht verstanden“, flunkerte Lotta. Sie würde ihrer Schwester niemals in den Rücken fallen und hätte auch nie verraten, dass Lukas, der Schwarm der Klasse, eben am Telefon war. Auch würde sie zu keiner Zeit zugeben, dass ihr der Anruf einen kleinen Stich versetzt hatte, denn auch sie war heimlich in den Jungen verliebt.

Etwas später kam Lotte zurück auf die Terrasse.
„Kommst du einmal, Lotta“, bat sie ihre Schwester.
Beide gingen in Lottes Zimmer.
„Erzähl“, nahm Lotta ihrer Zwillingsschwester sogleich das Wort aus dem Mund „hast du eine Verabredung mit ihm?“
„Ja, hab ich. Er hat mich gefragt, ob wir uns gleich im Kino treffen wollen“, antwortete Lotte. Doch sie schien darüber nicht sonderlich erfreut zu sein, denn sie sagte: „Und genau das ist mein Problem.“
„Wieso, das verstehe ich nicht?“, fragte Lotta zurück.
Zur Erklärung reichte Lotte ein einziges Wort, das sie lang gezogen aussprach: „Z a z i k i !“
„Ach du Schreck“, entfuhr es Lotta. „Da hast du ein echtes Problem. Bei deiner Knoblauchfahne wird er sofort das Weite suchen.“
„Das fürchte ich auch“, antwortete Lotte „doch ich hab schon eine Idee, wie wir das Problem lösen.“
„Wieso wir?“, fragte Lotta zurück.
„Weil  d u  für mich gehen wirst“, sagte Lotte, als sei es das Normalste von der Welt.
„Ne, das kannste vergessen, dass mach ich nicht“, wehrte sich diese, doch irgendwo war etwas in Lotta, das jubelte.
„Ach bitte“, bettelte ihre Zwillingsschwester „mir zuliebe!“
Zum Schein wehrte sich Lotta noch ein wenig, doch dann willigte sie ein.

Jetzt brauchte sie nur noch das Okay ihrer Eltern für den Kinobesuch. Unter dem Vorwand, sich dort mit ihrer besten Freundin treffen zu wollen, bekam sie die Erlaubnis.

Lotta war einerseits aufgeregt, doch andererseits hatte sie auch die Angst, Lukas könnte etwas bemerken. Die sonst so quirlige Lotta wurde nun für einige Zeit zu der schüchternen Lotte, doch sie fühlte sich nicht wirklich wohl in ihrer Haut. Deshalb täuschte sie nach kurzer Zeit starke Bauchschmerzen vor und lief allein aus dem Kino und weinend nach Hause.

Als sie dort ankam, erzählte sie ihrer Schwester von ihrem Gewissenskonflikt und dass es keine gute Idee war, die Rollen zu tauschen. Am nächsten Tag rief Lukas nochmals an, um sich nach Lottes Befinden zu erkundigen. Sie entschuldigte sich für ‚ihr’ Benehmen am Abend zuvor und sie verabredeten sich erneut für den Sonntagnachmittag zum Eisessen. Und diesmal war es wirklich Lotte, die frisch verliebt neben dem Jungen saß und vor lauter Aufregung ganz rote Wangen hatte.

Als er sie abends nach Hause brachte und ihr vor der Haustür einen zaghaften Kuss gab, war sie froh, dass sie ganz sie selbst war und Lotte wurde schlagartig klar, dass sie das Herz des Jungen an ihre Schwester hätte verlieren können und sie wusste ganz sicher, dass sie sich niemals wieder von Lotta ‚vertreten’ lassen würde, denn dass war ein Spiel mit dem Feuer, dass sie nicht noch einmal eingehen wollte.





© Martina Pfannenschmidt, 2014

Kommentare:

  1. Eine süsse Geschichte, so kann es gehen. Knoblauch ist wirklich etwas was die Ansichten
    stark trennt. LG Christa

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    1. Ich bin - wie Lotte - ein bekennender Zaziki-Fan. Aber Gott sei Dank mein Mann auch!
      LG Martina

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  2. Da hast Du eine nette Geschichte geschrieben. Ich weiß nicht, ob mir zu "Knoblauch und eklig" eine Liebesgeschichte eingefallen wäre. Jetzt gehe ich zu Regina. Mal sehen, was sie geschrieben hat.
    LG Elke

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    1. Jedesmal, wenn ich die neuen Wörter zum ersten Mal sehe, denke ich: 'Ach du meine Güte, was sollst du nur daraus machen' - doch irgendwann fängst der Kopf an, sich eine Geschichte zurecht zu spinnen. Und so wird aus dem eklig und Knoblauch dann wider Erwarten eine Liebesgeschichte. LG Martina

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  3. Das ist eine wundervolle Geschichte und so selbstverständlich erzählt, dass ich geneigt bin zu fragen, ob Du wohl eine Zwillingsschwester bist?

    Gruß
    Beate

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    1. Nein, es ist eine rein erfundene Geschichte. Ich habe zwar eine Schwester, doch die ist 5 1/2 Jahre älter als ich und mit ihr hätte ich 'so etwas' nicht machen können. Danke fürs Lesen und den lieben Kommentar! Martina

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  4. Hallo liebe Martina,

    lang, lang ist es her, aber die Gefühle, die man als Teenager hatte vergisst man nie. Es war eine sehr aufregende Zeit! Deine schöne, witzige Geschichte hat Erinnerungen geweckt.

    Liebe Grüße

    Anita

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    1. Es ist manchmal wirklich so - es bedarf nur eines Wortes oder einer Geschichte und schon ist man mit seinen Gefühlen in der Zeit 'verrückt'. LG Martina

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  5. Liebe Martina,
    eine herzliche Geschichte mit Happy end! Hat mich ans Doppelte Lottchen erinnert , einfach nur schön! Danke für die wieder so schöne Geschichte!
    Ich wünsch Dir noch einen wunderschönen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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    1. Als ich beim Schreiben die Namen wählte, habe ich das gar nicht bedacht mit dem 'Doppelten Lottchen', doch Regina brachte mich dann auch sofort darauf.
      Danke fürs Lesen und den Kommentar, liebe Claudia! Martina

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  6. Liebe Maartina,
    ich dachte auch sofort an das doppelte Lottchen.
    Du hast eine wunderschöne, herzerwärmende Geschichte
    geschrieben. Wenn man die Reizwörter bedenkt, ist das
    sogar eine Meisterleistung.
    Einen schönen Abend wünscht dir
    Irmi

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    1. Zu Anfang lag mir die Verabredung mit dem Knoblauch wirklich schwer im Magen ;-) doch dann wurde doch noch eine Geschichte daraus. LG Martina

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