Freitag, 24. Januar 2014

Geheimnisse

Nur zu gut kann ich mich daran erinnern, dass ich als Kind ein ‚Geheimnis’ sehr schlecht für mich behalten konnte. Meine große Schwester hat einmal heimlich vor Weihnachten nach Geschenken gesucht und war damit erfolgreich, doch sie konnte es nicht für sich behalten und hat mir davon erzählt. Und ich konnte es dann auch nicht für mich behalten und hab es meiner Mutter verraten. Keine gute Idee – gar keine gute Idee! Meine Schwester war stinksauer!!
Meine Tochter wiederum war da ganz anders. Man konnte ihr schon als Kind ein Geheimnis anvertrauen – z. B. das Geschenk für den Papa zum Geburtstag. Sie hätte es niemals verraten. (Das hat sie von ihm geerbt. Mein Mann ist auch sehr verschwiegen.)

Heute halte ich, obwohl ich natürlich weiß, dass neben mir 100 andere Personen von dem wissen, was mir unter dem ‚Siegel der Verschwiegenheit’ anvertraut wird, dicht. 
Natürlich gibt es auch eine Studie darüber, wie lange die Menschen ein Geheimnis für sich behalten können. Von dem Ergebnis bin ich wenig erschüttert: 
Es dauert genau 32 Minuten und 45 Sekunden. (So lange?) 
Ehrlich: Dafür hätte es meiner Meinung nach keiner Studie bedurft.
Manchmal ist es schwierig, ein Geheimnis für sich zu behalten, weil es so schwerwiegend ist. Die Menschen konnten die Last, die auf ihren Schultern lag, nicht allein tragen, mussten sich jemandem anvertrauen, um nicht darunter zusammen zu brechen. Man muss dann nur aufpassen, dass die Last auch bei dem bleibt, der das Geheimnis erzählt, denn es ist seine Last. 
Man kann sie ihm nicht abnehmen – nur zuhören und schweigen. 
Manchmal ist das gar nicht so einfach.


Kommentare:

  1. Da können wir uns ja die Hand reichen, ich konnte auch nichts für mich behalten und meine große Schwester nannte mich immer ein Pritschhaferl (Petze) naja, wie du schonn sagst, die Last des Geheimnisses drückt halt so schwer.
    Wünsche euch nun ein schönes Wochenende, Lore

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  2. Pritschhaferl - herrlich! Eure Sprache ist herrlich und treibt wundersame Blüten!
    LG Martina

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  3. Liebe Martina,
    ich habe jedes Geheimnis meiner Puppe Lotte erzählt.
    Die konnte es beim besten Willen nicht ausplaudern.
    Wenn mir heute Jemand etwas unter dem siegel der
    Verschiwegenheit erzählen möchte, winke ich meist ab.
    Es sei denn, ich merke, dass der/die Betreffende leidet.
    Einen guten Start ins Wochenende wünscht Dir
    Irmi

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    1. Liebe Irmgard, meine Monika könnte dir auch einiges erzählen. Ich habe ihr auch viel anvertraut. Doch die 'großen' Geheimnisse, die den anderen bedrücken, die sind es, die schwierig zu verarbeiten sind. Und das meine ich: Man kann es sich anhören, vielleicht etwas dazu sagen. Doch man kann die Last nicht abnehmen.

      Schon wieder Freitag! Unglaublich - oder? Dir auch ein schönes Wochenende!
      Martina

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    2. Ach schau mal, so schnell wird aus einer Irmtraud eine Irmgard - entschuldige bitte, ich war wohl ganz in Gedanken!

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