Samstag, 23. November 2013

Gedanken zum Ewigkeitssonntag

Gestern war ich auf dem Friedhof – wir evangelischen Christen feiern am Sonntag den Ewigkeitssonntag. Der Tag wird oft auch Totensonntag genannt. Ich sage dies ungern, mag dieses Wort nicht.

Ich habe die Grabstätte meiner Eltern gepflegt – das letzte Mal in diesem Jahr, denn dann kommt der Winter und alles ruht. Natürlich habe ich auch einen Kranz auf die Stätte gelegt.

Auf dem Grab schräg gegenüber liegt die Schwiegermutter einer früheren Schulfreundin begraben. Wir haben uns seltsamerweise noch nie dort getroffen. Diesmal waren wir zur gleichen Zeit am Grab. Auch sie nahm die Blätter von der Grabstätte und legte ein Gesteck hin.

Wir kamen ins Gespräch. „Weißt du“, sagte sie „ich mache nicht so ein Gedöns um den Friedhof. Klar halte ich ihn in Ordnung und jetzt hab ich auch was hingelegt, doch eigentlich ist dass doch nur was für die Leute. Wenn man nichts zum Totensonntag auf’s Grab legen würde, dann käme man ins Gerede.“

Ja, bei uns auf dem Dorf wäre das so. Da würde schnell geredet. Dann meinte sie noch: „Eigentlich ist das doch sowieso sinnlos und nur ein Geschäft für die Blumenhändler.“ Auch da fand ich: So ganz Unrecht hat sie nicht.

Wir haben eine große Grabstätte. Dort, wo meine Eltern beerdigt wurden, sind noch zwei freie Grabplätze. Meine Eltern dachten weit im Voraus und haben bei diesen Plätzen an mich und meinen Mann gedacht. Doch wir zweifeln, ob wir jemals dort beerdigt werden möchten.

Wir können uns durchaus eine Beisetzung im Friedwald vorstellen. Nicht, weil wir denken, wir leben dann in einem Baum weiter – nein, aus dem Grund heraus, dass wir nicht möchten, dass sich unsere Tochter verpflichtet fühlt, unsere Gräber in Ordnung halten zu müssen.

Natürlich würde sie es machen und unser Schwiegersohn auch – aus Pflichtbewusstsein und vielleicht auch wegen der Leute. Doch sie würden, genau wie ich es auch sehe, nicht den Friedhof benötigen, um sich an uns zu erinnern.

Als meine Mutter verstorben war, ging meine Schwester sehr oft zum Grab. Eigenartigerweise hatte ich überhaupt nicht dieses Bedürfnis. Wenn ich mich an meine Eltern erinnern möchte, dann kann ich dies tun. Immer. Jeden Tag und auch noch nachts, wenn ich nicht schlafen kann. Den Ort ‚Friedhof’ benötige ich dazu nicht.

Meine Schulfreundin erzählte mir, dass sie auch schon mit ihrem Mann darüber gesprochen habe. Auch sie kann sich eher eine Bestattung vorstellen, wo die Angehörigen keine Pflege für 30 Jahre übernehmen müssen. Doch ihr war der Gedanke unangenehm, verbrannt zu werden. Sie tendierte eher zu einer Erbestattung ‚unter einer Rasenfläche’.

In den letzten Jahren hat sich die Meinung der Menschen zu diesem Thema sehr gewandelt. Immer mehr entscheiden sich für ein Urnengrab im Friedwald oder ein Reihen-Urnengrab. Das wäre früher in einem Dorf wie dem unsrigen unvorstellbar gewesen.

Man wurde (sprichwörtlich) schon durch’s Dorf getragen, wenn man für sich eine Urnenbeisetzung vorgesehen hatte.

Wo unsere sterblichen Überreste verbleiben ist, denke ich, sowieso einerlei. Wo unsere Seele ihren nächsten Platz findet, ist viel wichtiger.

Dort, wo Blumen auf dem Grab stehen, stehen sie für die anderen Menschen, die das Grab betrachten – nicht mehr für den Verstorbenen. Einer verstorbenen Seele dürften die Blumen auf dem Grab egal sein.

blume-0394.gif von 123gif.de Download & GrußkartenversandEs gibt doch diesen schönen Spruch, der zu diesem Thema passt: 
„Schenkt Blumen lieber während des Lebens –
denn auf dem Grab blühen sie vergebens!“
                                                                                



Kommentare:

  1. Liebe Martina,
    du sprichst mir aus der Seele. Ich lege heute auch ein Gesteck auf das Grab meines Mannes.
    Kränze sind hier nicht so Mode. Rechts und links liegen Katholiken und ich wurde sogar schon angesprochen, warum ich mein Grab nicht zu Allerheiligen schmücken würde. Man solle sich den Gepflogenheiten anpassen. Oh, nein - warum sollte ich. Ich bin Protestantin und dazu stehe ich und für mich ist der Ewigkeitssonntag der Tag, an dem ich mein Grab winterfest mache. Ich denke auch immer an meinen Mann. Benötige dazu nicht das Grab.
    Und für die Leute mache ich sowieso nichts.
    Liebe Grüße
    Irmi

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    1. Liebe Irmtraud, was stört es eine deutsche Eiche, wenn sich eine Wildsau an ihr reibt - das pflegte mein Chef manchmal zu sagen - in Bezug auf 'andere Leute' und deren Meinung. Auf die sollte man wirklich nicht hören.
      Übrigens schaue ich immer ganz beeindruckt in dein Blog. Meine Güte, was ist da los. Darauf kannst du richtig Stolz sein.
      Machst du noch mit i. S. Kleiderschrank ausräumen? Bei mir klappt es endlich mit dem Ausräumen und ich bin froh, dass sich die Kleidung im Schrank dezimiert.
      Dir ein schönes Wochenende!
      Martina

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  2. Liebe Martina,

    ich gehe morgen, am Ewigkeitssonntag in die Kirche, es ist ja auch der Geburtstag meines Vaters. Damals, als er gestorben ist, fiel der Ewigkeitssonntag ebenfalls auf seinen Geburtstag.
    Ich selbst möchte auch auf keinen Fall ein Grab, das meine Hinterbliebenen versorgen müssen, den Friedwald-Gedanken finde ich auch gut, aber bei uns auf dem kleinen Friedhof kann man auch ein Urnengrab in einem Feld haben. Da es ein Waldfriedhof ist, sind dort auch viele Bäume und das gefällt mir sehr.
    Liebe grüße
    Regina

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    1. Ich wurde auch an einem Sonntag geboren - du wirst ahnen, welcher Sonntag es war!

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