Samstag, 21. September 2013

Wenn die Kraniche ziehen

Heute hätten Tim und seine Eltern ausschlafen können, denn es war Samstag. Doch Tim war ein Frühaufsteher.
Wie an jedem Morgen, so wurde er auch an diesem sonnigen Herbsttag bereits um 7 Uhr wach.
Langsam schlich er aus seinem Zimmer in das Schlafzimmer seiner Eltern. Die beiden schliefen noch. Er krabbelte ganz vorsichtig in die Mitte des Bettes. Seine Eltern taten so, als würden sie es nicht bemerken. Tim versuchte, die Füße seiner Eltern zu erwischen, um sie zu kitzeln. Das klappte und Mama und Papa waren auf der Stelle munter.
Sie blieben zusammen noch eine ganze Weile im Bett liegen, kuschelten miteinander und machten eine Kissenschlacht. Dann standen sie auf.
Papa holte Brötchen, Mama kochte Frühstückseier und Tim deckte den Tisch. Nach einem ausgiebigen Frühstück gingen alle nach draußen. Papa wollte den Garten winterfest machen und Mama das Laub von den Rasenflächen harken. Tim half beiden dabei.
Als alle fleißig bei der Arbeit waren, hörte man in der Ferne ein lautes Krächzen. vogel-0112.gif von 123gif.de Download & Grußkartenversand

„Schau Tim“, sagte Papa. „Das sind Kraniche. Man erkennt sie sofort an ihrem Ruf und dem langen Hals. Sie sind über 1 Meter groß und damit fast so groß wie du, Tim.“

Die drei sahen sich das Schauspiel am Himmel an. 
„Im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, es kälter wird und die Kraniche im Norden nur noch wenig Nahrung finden, dann fliegen sie in den Süden, wo es wärmer ist und sie genügend Nahrung finden. Nach Spanien oder Afrika zum Beispiel“, erklärte Mama. 
„Und weil sie in den Süden ziehen, nennt man sie auch Zugvögel“, ergänzte Papa.
„Sie fliegen immer in Gruppen zusammen in einer Keilform oder in schrägen Reihen. Das machen sie, um Energie zu sparen. Der erste Vogel, der ganz vorne fliegt, benötigt die meiste Kraft.
Die Kraniche, die dahinter fliegen, werden von ihm wie in einem Sog mitgezogen.
Und weil das für den Vogel sehr anstrengend ist, fliegt immer wieder ein anderer Kranich an die Spitze der Formation. Schwache Tiere dürfen immer ganz hinten fliegen. Das ist nicht so anstrengend. Während des Fluges verständigen sich die Kraniche durch das laute Krächzen, das wir sogar hier unten hören können.“
„Ach, wie gerne würde ich jetzt mit den Kranichen in den Süden fliegen, wo es schön warm ist“, sagte Mama. 

Tim sah sie verständnislos an. Mama wollte in den Süden?
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„Da komme ich aber nicht mit“, war seine spontane Antwort.
Mama wunderte sich. „Wieso nicht“, fragte sie ihn. „Du magst doch den Sommer auch sehr gerne.“
„Ja, das stimmt“, sagte Tim. „Aber jetzt im Herbst machen wir im Kindergarten ein 'Dunkel-Munkel-Frühstück' und wir basteln schon für die Adventszeit. Ich kann jetzt auf keinen Fall in den Süden fliegen.
Papa lachte. „Du hast Recht, Tim“, sagte er. Auch im Herbst ist es schön.“
„Genau“, meinte Tim. „Tschüß, Kraniche. Macht es gut auf eurem Weg in den Süden. Wir bleiben lieber hier.“
Am Nachmittag ließen Papa und Tim einen Drachen steigen, denn der Wind hatte genau die richtige Stärke, um den Drachen hoch oben am Himmel stehen zu lassen – und in der Ferne hörten sie die Kraniche ziehen.

© Martina Pfannenschmidt

Kommentare:

  1. Die Geschichte spricht mir aus der Seele, auch der Herbst ist schön - aber das weißt du ja, liebe Martina,

    herzliche Samstagsgrüße
    REgina

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    1. Und ich musste mir es mit dieser Geschichte klar machen, dass der Herbst auch schöne Seiten hat. Denn meine 'Herbstzeiteinstellung' ist ein wenig fehlprogrammiert, wie du weißt.

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  2. Sagte ich es doch im letzten Kommentar, deine Geschichten sind auch lehrreich und ich kann es immer wieder nachlesen, wenn ich mal den Flug der Kraniche in einer Geschichte verwenden will. Darf ich doch verwenden?
    Das ist wirklich interessant, auch die Sache mit dem Schwächeren.
    Übrigens wusste ich nicht, dass du Probleme mit dem Herbst hast, ich finde ihn übrigens toll, die verfärbten Blätter, das nahes des Winters und die besondere Lust zum Schreiben in dieser Zeit.
    Übrigens ich bin auch dein Fan, wollte es nur im letzten Kommentar nicht schreiben, nicht dass du dann noch übermütig wirst.LGLore

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    1. Übermut tut selten gut - pflegte mein Opa zu sagen. Nein, ich werde auf dem Boden bleiben. Es gibt gar keinen Grund, übermütig zu werden. Was mich froh und stolz macht ist, dass ich in euch beiden zwei Fans gefunden habe. D a n k e s c h ö n !!!!

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