Samstag, 7. September 2013

Hermann und Isolde machen Urlaub (Fortsetzung)

Foto: Pixelio.de/Likretia

Noch nie in ihrem Leben hatten Hermann und Isolde sich ein Sternehotel geleistet. Doch diesmal machten sie eine Ausnahme. Hermann hatte ein Hotel mit 2 Sternen der Landeskategorie ausgewählt und Isolde konnte es kaum erwarten, den Luxus eines Sternehotels zu genießen.
Nach zwei Stunden einer anstrengenden Busfahrt über die Insel kamen sie endlich an ihrem Hotel an.
Isolde war etwas enttäuscht von der äußeren Erscheinung des Hotels. Aber man wusste ja noch nicht, was sie drinnen erwarten würde. Bestimmt hingen dort Kronleuchter und die Wasserhähne waren aus echtem Gold und in der Eingangshalle stand ein Wasser speiender Delfin.
Ganz so war es dann nicht, aber es schien zumindest sauber zu sein. Isolde verschwieg ihrem Hermann, dass sie von der Einrichtung ein klein wenig enttäuscht war.
Sie bezogen ihr sehr einfaches Zimmer. Es gab weder eine Klimaanlage noch einen Kühlschrank. Aber immerhin hatten sie ein eigenes Bad, wie Hermann erfreut feststellte.
Der Pool ließ keine Wünsche offen. Er war groß und es war Wasser drin. Was wollte man mehr.
Die beiden verstauten ihre Kleidung in dem etwas wackeligen und in die Jahre gekommenen Kleiderschrank, zogen sich die Badesachen an und sprangen in den Pool.
Gut, sie sprangen nicht, dazu war der Pool auch viel zu voll, aber sie ließen die Füße vom Beckenrand im Wasser baumeln.
 „Etwas laut hier, Hermann, findest du nicht auch?“, fragte Isolde.
„Na ja, die Kinder machen ein wenig Lärm, aber das sind wir doch gewohnt“, meinte Hermann.
Hermann fühlte sich pudelwohl und freute sich schon auf das abendliche Essen, das er gleich mit gebucht hatte.
Die zwei schmissen sich in Schale. Hermann legte einen betörenden Duft auf. Dann gingen sie Richtung Speisesaal. Vor der Tür standen die Gäste in zwei langen Schlangen an.
„Also, Hermann, irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt in so einem Nobelschuppen“, entfuhr es Isolde. „Na, warten wir das Essen einmal ab.“
Nach gefühlten zwei Stunden und einer Menge Kohldampf im Bauch trug der Kellner das Essen auf. Es sollte ein 3-Gänge-Menü geben.
Als Erstes kam die Suppe. Gerne hätte Isolde gewusst, ob es nun eine Rindfleisch-, Hühner-, Porree- oder ‚Sonst-was-Suppe’ war, doch außer einer braunen Brühe konnte man keinen wirklichen Inhalt oder Geschmack feststellen. Aber der Hunger trieb es hinein, wie man so schön sagt.
Als Hauptgang gab es viel zu matschige und viel zu helle Pommes frites und Fleisch. Auch hier war keine genaue Bezeichnung möglich. Das Salatblatt und die Tomatenscheibe waren aber in Ordnung. Das, was als Pudding gereicht wurde, war weiß und glibberig.
„Isolde“, hatte Hermann gesagt, „wir essen alles auf. Wir haben schließlich auch alles bezahlt.“
Nach dem Essen gingen die zwei an die Bar und bestellten sich einen Cocktail. ‚Sex on the beach’ ließ Isolde auf einen netten Abend und eine noch nettere Nacht hoffen. Hermann ließ es sich nicht nehmen, die zwei Damen, die sich ebenfalls an der Bar befanden, anzusprechen.
„Darf ich mich ihnen vorstellen: Meier. Hermann Meier. Facility Manager“, hörte Isolde ihren Mann sagen.
Dann gab es einen dumpfen Aufprall. Isolde war mitsamt ihrem Cocktail vom Barhocker gefallen - und am Alkohol lag es definitiv nicht.





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