Sonntag, 15. September 2013

'Dingsda' sucht Gott

                                          
Foto: Pixelio.de/Wolfgang Dirscherl
Dingsda war ein Mäuserich. Und natürlich war das nicht sein richtiger Name. Eigentlich hieß er ‚Talib’, was soviel wie ‚Der Suchende’ oder ‚Der Lernende’ bedeutet. Doch Opa Maus vergaß ständig dessen Namen und deshalb war er für alle nur ‚Dingsda’.
Seit seiner Geburt bewohnte er zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern einen Speicher auf einem großen Bauernhof. Sie wussten, wie man sich vor der Katze schützt, wo man etwas zu fressen finden konnte und dass man sich einer Mausefalle besser nicht nähern sollte.
Als Dingsda und seine Geschwister noch Kinder waren, erzählte ihre Mutter ihnen vor dem Einschlafen immer eine Geschichte. Einmal sprach sie von Gott und dass er alles geschaffen hat. Davon war Dingsda sehr beeindruckt und er fragte seine Mutter: „Hast du Gott schon einmal gesehen?“
 „Nein, niemand hat ihn jemals gesehen“, war die Antwort der Mutter.
Das war ja kaum zu glauben. Dingsda beschloss, sich auf den Weg zu machen, um Gott zu suchen.
Etwas Angst hatte er vor der Begegnung mit dem großen Gott schon, denn er war ja nur eine kleine Maus. Doch seine Neugier war riesig. Er packte ein Bündel mit Körnern und verabschiedete sich von seiner Familie.
Vorsichtig, um nicht der Katze zu begegnen, schlich sich Dingsda aus dem Haus. Jetzt stand er an einer Wegkreuzung. In welche Richtung sollte er nun gehen? Er überlegte kurz und erinnerte sich an den Abzählreim, den er von den Kindern kannte: ‚Ene, mene, miste, es rappelt in der Kiste, ene, mene, meck – und du bist weg.’
Links war weg, also ging er nach rechts. So machte er es an jeder Wegkreuzung.
Nach langer Zeit erreichte er den Wald. Es wurde schon dunkel und er suchte ein Nachtlager. Dingsda fand einen wunderbaren Unterschlupf unter einem Baum. Es war dort wie in einer kleinen Höhle und sehr gemütlich.
Dann stand plötzlich eine Haselmaus vor ihm. „Nanu“, sagte sie, „wer bist du denn und was machst du hier?“
„Oh, entschuldige bitte, mein Name ist Talib – aber alle nennen mich Dingsda“, stellte er sich vor. „Ich bin müde von meiner langen Reise und da dachte ich, ich könnte vielleicht hier in der Baumhöhle übernachten.“
 „Ich heiße Jonathan“, antwortete die Haselmaus, „und wohne hier. Für eine Nacht kannst du hier bleiben, aber morgen musst du weiterziehen.“
„Ja“, meinte Dingsda, „das habe ich auch vor, denn ich suche Gott. Kennst du Gott?“
„Nein“, sagte Jonathan, „ich glaube gar nicht an Gott. Das hat sich bestimmt jemand ausgedacht und es ist nur eine Geschichte“.
Das glaubte Dingsda nicht.
 „Ich geh jetzt ins Bett und lass dir ein wenig Platz“, sagte die Haselmaus gähnend.
Dingsda wollte noch eine Weile draußen vor der Höhle sein. Er legte sich auf den Rücken, kreuzte die Arme unter dem Kopf und schaute in den Sternenhimmel.
Wo hatten die Sterne sich bloß die ganze Zeit versteckt?  
Den ganzen Tag über war kein einziger zu sehen und jetzt: Der ganze Himmel war übersät mit ihnen. Dingsda empfand Ehrfurcht vor dem, was der große Gott alles geschaffen hatte. Dann ging er auch ins Bett. Es war kuschelig warm neben der Haselmaus und Dingsda fiel gleich darauf in einen tiefen Schlaf. Psst! Leise!!

(Morgen geht’s weiter!)


© Martina Pfannenschmidt

Kommentare:

  1. Was für eine schöne Geschichte! Ich freu mich schon auf die Fortsetzung!

    Liebe Sonntagsgrüße, Famje

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    1. Danke, liebe Famje! Dir auch einen schönen Sonntag! Martina

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  2. Ich nochmal... ich war so frech und hab dich getaggt! Würd mich riesig freuen, wenn mitmachst!

    Liebe Grüße
    famje

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