Donnerstag, 15. September 2016

Schwarzweiß

Es gibt nicht nur schwarz und weiß,
doch in meiner heutigen Geschichten herrschen
diese beiden Farben vor.
:-)
Die Reizwörter dazu lauteten:

Topf – Tränen – verirren – dunkelrot – mutig

 Weitere Geschichten gibt es bei

Zebra bilder

„Mama, weshalb weinst du?“, fragte Tabea besorgt, als sie in die Küche stürmte und ihre Mutter mit Tränen in den Augen sah. Doch schnell konnte sie sich die Antwort selbst geben. Mama hatte gerade eine Zwiebel in kleine Würfel geschnitten.
„Was gibt es denn zum Mittagessen?“, war die nächste Frage, die das Mädchen stellte. Doch auch diese musste Mama nicht beantworten, denn schon schaute Tabea in den Topf: „Oh, Nudeln - mit Tomatensoße – lecker!“
„Wenn du möchtest, kannst du schon mal den Tisch decken“, schlug Mama vor.
„Nö, keine Lust. Kannst mich ja rufen, wenn du fertig bist.“
Mama schmunzelte. Sie war als Kind nicht anders, als ihre Tochter heute, und Arbeiten, die mit dem Haushalt zu tun hatten, gehörten damals auch nicht zu ihren liebsten Aufgaben. - Bald darauf rief sie nach Tabea und füllte die Nudeln mit der Tomatensoße auf Teller.
„Pass auf, dass du nicht wieder kleckerst“, feixte Mama und spielte dabei auf den Fleck an, den ihre Tochter sich das letzte Mal auf einer weißen Bluse eingefangen hatte. Die Aussage veranlasste das Mädchen, die Augen zu verdrehen. Immer diese Belehrungen. Sollte Mama lieber aufpassen, dass es ihr nicht passierte. Außerdem bestand diesmal sowieso keine Gefahr. Auf ihrem dunkelroten Shirt würde so ein kleiner Tomatensoßen-Klecks gar nicht auffallen.
Just als Tabea die letzte Gabel voll mit der leckeren Köstlichkeit in den Mund geschoben hatte, klingelte das Telefon. Das Mädchen sprang auf, nuschelte etwas, dass wie ‚ich geh schon’ klang und sprintete in die Richtung, aus der das Klingeln kam.
„Hallo, hier ist Tabea Richter.“
„Und hier ist Opa Hans! Das ist ja schön, dass ich dich gleich am Telefon hab. Pass mal auf, mein Kind, ich habe eine Überraschung für dich. Kannst mal eben rüberkommen. Am besten gehst du gleich zur Pferdekoppel.“
„Mach ich“, erwiderte sie, gab kurz ihrer Mutter Bescheid und lief ein paar Häuser weiter zum Bauernhof ihres Großvaters. Genauer gesagt, schlug sie gleich die Richtung zur Pferdekoppel ein.
„Ich glaub es nicht!“, rief sie schon von weitem. „Woher kommt das denn?“
„Da staunst du, nicht wahr! Erinnerst du dich an den Zirkus, der hier letztens gastierte? Der Direktor ist schwer erkrankt und muss seinen Zirkus deshalb aufgeben. Jetzt sucht er ein neues Zuhause für seine Tiere und nun hat er mich gefragt, ob ich mir zutrauen würde, sein Zebra aufzunehmen.“
„Das ist ja geil!“
Schon kletterte Tabea mutig über den Zaun, doch Opa hielt sie auf: „Halt, mein Fräulein, so haben wir nicht gewettet. Auch wenn das Zebra an Menschen gewöhnt ist, bleibt es ein Wildtier, das zubeißen kann, wenn es sich bedroht fühlt.“
„Aber doch nicht von mir. Ich will es doch nur streicheln und willkommen heißen hier auf unserer Weide.“
„Ja, ich weiß. Trotzdem, sei bitte vorsichtig.“
Tabea versprach es und Opa ging zurück zum Stall, um seine Arbeiten zu verrichten.
Mist, jetzt hatte sie vergessen, ihren Großvater nach dem Namen des Zebras zu fragen.
„He, du“, rief Tabea deshalb fragend Richtung Zebra, „wie heißt du eigentlich?“
„Pyjama!“
Das Mädchen drehte sich um. Wie jetzt? Wer hatte gerade Pyjama gesagt?
„Ich heiße Pyjama!“
Tabea sah wieder Richtung Zebra, das langsam auf sie zukam. 
„Du wolltest doch wissen, wie ich heiße“, meinte es. „Man hat mich wegen meiner Streifen so genannt.“
Tabea war perplex. Ein Tier, das mit ihr sprach, war eine völlig neue Erfahrung. 
„Und wie heißt du?“, wollte das Zebra wissen.
„Tabea!“
„Und wie kommt es, dass du dich hierher zu mir verirrt hast?“
„Der Bauer ist mein Opa. Er hat mich angerufen und gesagt, er habe eine Überraschung für mich.“
„Und ich bin die Überraschung?“, fragte das Zebra und stellte dabei die Ohren auf.
„Ja, genau!“
„Ich war noch nie in meinem Leben eine Überraschung, noch niemals in meinem ganzen Leben.“ Vor Freude schlug es mit den Hinterbeinen aus, drehte sich mehrmals um sich selbst und gab obendrein eigenartige Geräusche von sich. Tabea hatte niemals zuvor ein Zebra wiehern hören.
"Als ich geboren war“, erzählte Pyjama, nachdem er sich wieder beruhigt hatte, „verstarb meine Mama. Kurz darauf wurde ich in den Zirkus verbracht. Ich kam in den Stall zu den Pferden. Es gab ein pechschwarzes Pferd, einen Rappen, und ein weißes, also einen Schimmel. Die beiden waren sehr nett und nahmen mich freundlich auf. Nur die Menschen, die machten sich lustig über mich. Ich hätte mich wohl für keine der beiden Farben entscheiden können, meinten sie und dass ich aussähe wie der Zirkusdirektor in seinem gestreiften Schlafanzug. Schon hatte ich meinen Namen weg.“
„Ich finde deinen Namen lustig“, meinte Tabea und fügte ein Frage an: „Sag mal, vertragen sich Zebras und Gazellen?“
„Ja klar, weshalb fragst du?“
„Weil Tabea Gazelle bedeutet!“, antwortete sie verschmitzt.
Das Zebra lachte auf und schüttelte dabei den Kopf, dass seine Mähne nur so hin und her flog.
Bald darauf verabschiedete sich das Mädchen von dem Zebra und lief schnell nach Hause, um mit der besten Freundin zu telefonieren. Tabea wollte schnellstens klären, ob sie ihren neuen Freund zur nächsten Pyjama-Party mitbringen durfte. 


© Martina Pfannenschmidt, 2016


Meine Geschichte
nimmt auch dieses Mal wieder an Elkes
froher und kreativer
Linkparty teil!

Montag, 12. September 2016

Achtsamkeit


Dieses Wort begegnet mir in letzter Zeit auffallend häufig – es scheint, als sei es ein Modewort. 
Im Internet findet man Achtsamkeits-Übungen – unzählige Bücher wurden über das Thema geschrieben.


Doch was bedeutet es eigentlich, achtsam zu sein - und wem gegenüber? Mir selbst, anderen Menschen, der Natur?
Wenn ich viele Dinge gleichzeitig tue oder wie automatisiert erledige, bin ich nicht achtsam. Wenn ich esse, aber schon an die Dinge denke, die ich anschließend noch zu erledigen habe, schenke ich dem, was ich gerade tue – nämlich essen -, keine Achtsamkeit.
Achtsam zu sein bedeutet, den augenblicklichen Moment zu (er)leben, ohne ihn zu beurteilen – und dies bestenfalls mit einem ruhigen Geist, voll auf das konzentriert, was ich tue. Das ist das Geheimnis der Achtsamkeit. Doch wann gelingt uns dies? Ob es schon genügt, nicht unachtsam zu sein und mit allen Sinnen stets das wahrzunehmen, was ist? Auch den Menschen neben mir und die Natur?
Wann sind wir achtsam? Wenn etwas Neues, Unbekanntes, auf uns zukommt. Doch im täglichen Alltag verfallen wir oft in eine Routine und in diesen Momenten schenken wir dem, was wir tun und letztlich unserem Leben in der Gegenwart - keine Achtsamkeit.

Die Gegenwart

Achte sie und behandle sie gut.
Lass dich auf sie ein,
denn sie lebt,
noch mehr:
Sie ist voller Leben,
sie ist das Leben.

Die Gegenwart.
In ihrer kurzen Zeitspanne
ist alles enthalten, was es gibt,
was existiert und was wahr ist:
Die Freude am Wachsen,
das Gelingen der Arbeit,
das Gefühl von Schöpferkraft.
Von der Vergangenheit bleibt ja
nichts weiter
als die Erinnerung,
und die Zukunft ist nur eine Vision.

Die Gegenwart aber
- richtig gelebt und erlebt -
verwandelt die Vergangenheit
in eine frohe Erinnerung
und macht die Zukunft
zu einem Ausblick voller Hoffnung.
Deswegen:
Pass gut auf sie auf,
auf die Gegenwart.

(nach einem alten Sanskrit-Gedicht)



Foto: pixelio.Rosel Eckstein

Freitag, 26. August 2016

Durstig …

sind bei diesen Temperaturen nicht nur wir Menschen, sondern auch die Tiere. Vorhin beim Frühstück auf dem Balkon beobachteten wir einen kleinen Spatzen, der in der Dachrinne vergeblich nach Wasser suchte. Ich hab schnell eine Gießkanne geholt und Wasser in die Rinne laufen lassen. Das werde ich bestimmt mehrfach wiederholen müssen, denn das Wasser wird schnell verdunstet sein. 
animiertes-vogel-bild-0040Deshalb nur kurz:
Lasst uns in diesen heißen Tagen 
auch an die Tiere denken!


Sonntag, 21. August 2016

Brainstorming

Hinter dem Begriff verbirgt sich keine 'Erfindung der Neuzeit', auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht so scheint. 
Welcher Gedanke steckt dahinter?
Bildergebnis für gifs menschengruppenIn einer Gruppe soll jeder seine Ideen äußern können ohne dabei unterbrochen oder gar kritisiert zu werden. Jede Idee, egal wie verrückt oder unrealistisch sie auch scheinen mag, ist willkommen. Man möchte so viele Vorschläge wie möglich sammeln. Dabei kommt es nicht auf die Qualität, sondern in erster Linie auf die Quantität an.  
Inzwischen gibt es aber auch Kritik an dieser Methode, denn Untersuchungen ergaben, dass im Vergleich die Ideen von Einzelpersonen oder Gruppen, in denen jeder zunächst für sich arbeitete, besser abschnitten.
Brainstorming: Nicht so effektiv, wie gedacht, dennoch beliebt.
Klar: Wer lässt sich schon gerne unterbrechen oder gar kritisieren!



Montag, 15. August 2016

Zweimal Spaghetti Carbonara?

Aus den Reizwörtern
Ponyhof – Triumph – heulen – demonstrieren – standesgemäß
haben 
und ich
eine Geschichte geschrieben.

pixelio.de/Ines Wehl



Paula stand vor ihrem Kleiderschrank, schnappte sich ihre Lieblingsjeans, eine leichte Bluse und einen Pulli, den sie sich um die Schultern legen wollte. Gegen Abend wurde es oft empfindlich kühl.
Babs, ihre beste Freundin, hatte sich telefonisch bei ihr gemeldet und ein Treffen in ihrer Lieblingspizzeria vereinbart. Bestimmt wollte sich Barbara bei ihr ausheulen. Das unerwartete Treffen hatte sicher mit Leo, ihrem Freund, zu tun. Paula konnte diesen Menschen nicht ausstehen. Er fühlte sich als etwas Besseres, nur weil seine Eltern ein großes Unternehmen führten. Paula hatte von Anfang an bemerkt, dass Leo sie als nicht standesgemäß betrachtete. Sie war eben nicht so reich, wie er. Aber das war Babs auch nicht.
Paula hatte sich schon daran gewöhnt, dass ihre Freundin ihm gegenüber immer Stärke demonstrierte. Doch Babs bemerkte gar nicht, wie sehr sie sich verändert hatte. Und das sagten alle anderen Freunde auch. Seitdem Barbara mit diesem Lackaffen zusammen war, hatte sie all ihre Träume und Ziele über den Haufen geworfen. Paula war sich sicher, dass Leo das als einen Triumph für sich verbuchte. Wahrscheinlich war dieser Schnösel noch stolz darauf, dass er einen derart großen Einfluss auf Babs nehmen konnte.
An diesem Abend würde sie ihrer Freundin ordentlich den Kopf waschen und ihr nahe legen, sich endlich von diesem Mann zu trennen. Das würde sicher nicht leicht werden, Babs davon zu überzeugen, dass dieser Schritt überfällig war,  doch manchmal stehen halt schwerwiegende Entscheidungen an. Nicht umsonst heißt es: Das Leben ist kein Ponyhof. Davon konnte Paula auch ein Lied singen – mit mehreren Strophen sogar. Außerdem war sie sicher, dass es keine wahre Liebe sein konnte zwischen den Beiden, wenn sich eine Seite so verbiegen musste.
Als Paula später in der Pizzeria saß und auf Barbara wartete, hatte sie sich all ihre Worte schon zurecht gelegt. Sie musste es einfach schaffen, ihrer Freundin den Spiegel vorzuhalten. Es wurde Zeit, dass Babs ihr Leben wieder selbst in die Hand nahm und nicht ein fremdbestimmtes Leben führte. Es musste ihr einfach gelingen.
Als sich die Tür öffnete, war Paula überrascht. Babs betrat den Raum in Jeans, Pulli und Turnschuhen und nicht wie sonst in einem Hosenanzug mit High Heels an den Füßen. Paula konnte sich eine Anspielung nicht verkneifen: „Gut siehst du aus, meine Liebe! Ich staune, dass Leo dir erlaubt hat, so das Haus zu verlassen.“
„Ich habe ihn gar nicht dazu befragt“, antwortete Babs, während sie ihre Freundin zur Begrüßung umarmte.
„Na, das ist ja schon mal ein guter Anfang“, meinte Paula, holte tief Luft und spulte alles ab, was sich in ihrem Kopf angesammelt hatte. Durch nichts und niemanden würde sie sich jetzt noch stoppen lassen: „Hör zu, Babs, du weißt, dass ich Leo nicht leiden kann. Aber noch weniger kann ich es leiden, wie er mit dir umgeht. Du lebst doch gar nicht mehr dein Leben, sondern seins. Du hast einfach aufgegeben, dein Leben so zu gestalten, wie du es dir aus tiefstem Herzen wünscht. Ich kenne dich, Babs. Du kannst mir nichts vormachen. Du bist nicht glücklich. Aber weißt du, du hast es selbst in der Hand, ein glückliches Leben zu führen. DU musst dir Ziele setzen und Schritte in diese Richtung gehen. Ich will auch nicht Leo die ganze Schuld in die Schuhe schieben, aber ich kann dir nur eines raten, Babs: Trenne dich von ihm und zwar so schnell wie möglich. Es liegt mir wirklich am Herzen, dass es dir gut geht. Du kannst sicher sein, dass ich nach der Trennung an deiner Seite stehen werde. Hörst du?! Ich werde deine Träume mit dir träumen, so wie früher. Du musst dich nur wieder daran erinnern, wer du eigentlich bist und was deine Träume sind. Ich habe den Eindruck, dass sie nichts mit dem zu tun haben, was du heute lebst. Frag dich mal, was dir wichtig ist im Leben! Was bringt dir wahre Freude? Es kann doch nicht das Geld sein, das Materielle, das Leo dir bietet. So bist du doch gar nicht. Er schränkt dich in deiner Freiheit ein, so dass du dich gar nicht entfalten kannst. Du lebst ein Leben wie in einem goldenen Käfig. Willst du das wirklich? Mensch, Babs, sag doch auch mal was.“
Babs saß ihr gegenüber und lachte laut los. „Was war das denn gerade? Hast du den Text auswendig gelernt? Meine Güte, ich kenne dich aber auch nicht wieder. Ich weiß, dass du Leo nicht leiden kannst. Daraus hast du nie einen Hehl gemacht. Aber meine Entscheidungen, die treffe ich immer noch selbst.“
„Tust du eben nicht“, fiel Paula Babs ins Wort.
„Was darf ich den Damen bringen?“, erkundigte sich Giovanni, der Kellner, und stellte gleich darauf fest: „Ihr wart aber lange nicht gemeinsam hier.“
„Siehst du“, triumphierte Paula, „sogar Giovanni hat es schon bemerkt.“
„Na, na, was soll das denn heißen, 'sogar Giovanni'“, erwiderte dieser und tat ein wenig beleidigt. Aber das war er natürlich nicht. „Wie immer?“, erkundigte er sich. „Zweimal Spaghetti Carbonara und für beide Damen einen Chianti?“
„Ja gerne“, antwortete Paula, während Babs zur gleichen Zeit: „Wir warten noch einen kleinen Moment“, sagte.
„Wie, wir warten noch, worauf denn? Doch nicht etwa auf Leo? Sag, dass das nicht wahr ist! Dieser Kasper kommt nicht auch hierher oder?!“
Noch bevor Babs darauf antworten konnte, schnappte Paula ihre Tasche und erhob sich. Sie wollte das Lokal umgehend verlassen. Es hatte einfach keinen Zweck. Babs würde nie merken, dass der Typ nicht zu ihr passt.
Im selben Moment betrat ein verdammt gut aussehender Italiener das Lokal und kam direkt auf ihren Tisch zu.
„Weißt du, Paula“, und Barbara wirkte bei den Worten ein wenig schadenfroh, „es ist wirklich nett von dir, dass du dich so sehr um mich sorgst. Doch auch du musst mir nicht sagen, wie ich mein Leben führen soll. Eigentlich wollte ich dir die ganze Zeit schon erzählen, dass ich mich von Leo getrennt habe." Mit einer Handbewegung in die Richtung des hübschen Italieners führte sie weiter aus: "Und dieser gut aussehende junge Mann hier neben mir ist der Grund dafür. Darf ich dir Francesco vorstellen.“
Völlig baff plumpste Paula zurück auf ihren Stuhl.



© Martina Pfannenschmidt, 2016


Und ab damit zu 
Elke!
meine laufende Linkparty:

Herzlich begrüße ich
Sophia!






Montag, 8. August 2016

Lavendel

Er verströmt einen wunderbaren Duft und ist in unserem Garten vielfach vertreten. Doch wusstet ihr, dass sich viele Geschichten und Sagen um den Lavendel ranken? Bei www.der-lavendel.de bin ich darauf gestoßen und möchte ein paar der Dinge, die ich dort über den Lavendel las, an euch weitergeben:
Bildergebnis für gifs kostenlos lavendelSeinen Namen bekam der Lavendel vom lateinischen Wort "lavare", was übersetzt so viel wie waschen bedeutet. Man verwendete den Lavendel als Badezusatz oder zum Waschen.
So ist zum Beispiel bekannt, dass schon im alten Ägypten die Toten mit dem ätherischen Lavendelöl einbalsamiert wurden. Man fand im Grabe des bekannten Pharaos Tut Anch Amun eine inzwischen über 3000 Jahre alte Salbe, die immer noch den Duft von Lavendel verströmt. Das finde ich schon sehr bemerkenswert!
Im alten Griechenland verwendete man ihn als Heilkraut bei Menstruationsbeschwerden, bei Insektenstichen oder bei Nierenbeschwerden. Noch heute ist bekannt, dass ein Säckchen gefüllt mit Lavendel bei Einschlafstörungen hilft.
Junge Damen schmückten früher z.B. ihr Dekolleté mit kleinen Lavendelkissen, damit die Herren auf sie aufmerksam wurden. Oder sie setzten der Tinte, mit der sie Liebesbriefe schrieben, Lavendelöl bei.
Der Lavendel soll den Start in etwas Neues, also zum Beispiel einen Umzug, eine Reise, eine Heirat, oder eine Geburt erleichtern. Der Lavendel sollte immer zu Beginn eines neuen Abschnittes verwendet werden, denn er gibt neue Kraft und Energie und trägt damit zu einem guten Gelingen bei. 
Im Laufe der Geschichte hat Lavendel Liebe, Zuneigung, Sauberkeit, Reinheit, Keuschheit, Schutz, Langlebigkeit, Anerkennung und Ausdauer symbolisiert.
Adam und Eva sollen angeblich Lavendel mit aus dem Garten Eden genommen haben.
Während der Römerzeit wurden Lavendelblumen für 100 Denare pro Pfund gehandelt, was ungefähr so viel war wie ein Monatslohn eines Landarbeiters oder 50 Haarschnitte bei einem Friseur.
Und was ich noch nie gehört habe: Der 46. Hochzeitstag wird auch Lavendelhochzeit genannt.



Montag, 1. August 2016

Am Meer

In diesen Tagen
endet bereits für einige ihr Urlaub –
für die anderen beginnt er gerade erst.
Viele zieht es in dieser Zeit ans Meer,
was mich zu der nachfolgenden Geschichte führte.
Viel Freude beim Lesen!


Madita spürte den warmen Sand unter ihren nackten Füßen, während sie intensiv die salzige Meeresluft einatmete. Einen Augenblick blieb sie stehen, um Kindern beim Suchen von Muscheln zuzuschauen. Dann bückte sie sich und nahm ein besonders ansprechendes Exemplar selbst in ihre Hand. Keine Muschel gleicht der anderen, ging ihr durch den Kopf, und doch haben sie alle etwas gemeinsam: Jede besitzt eine harte Schale und einen weichen Kern. Vielleicht sollte sie die Muschel als Erinnerungsstück mit nach Hause nehmen. Doch sie entschied anders. Eine Muschel gehört ans Meer. Vorsichtig legte sie das kleine Juwel zurück in den Sand.
Der Strandabschnitt, den sie nach ihrem langen Spaziergang erreichte, lag naturbelassen und in seiner ganzen Schönheit vor ihr. Eigentlich war es schade, dass nur so wenige Urlauber der Weg hierher führte. Madita setzte sich auf einen dicken Stein, der noch die Wärme ausstrahlte, die er im Laufe des Tages durch die Sonne getankt hatte.
Sie ließ ihren Blick über das smaragdgrün schimmernde Meer gleiten, das an diesem frühen Abend einem glatt polierten Spiegel glich. Am Horizont zogen weiße Schiffe dahin, die einen starken Kontrast zum Blau des Himmels bildeten. An diesem idyllischen Ort wollte sie einen Augenblick verweilen.
Die Luft war lau und kaum ein Blättchen rührte sich. Einzig ein paar Möwen kreischten, weil sie sich um eine Leckerei stritten. Die letzten Sonnenstrahlen tanzten auf dem Wasser zu einer Melodie, die wohl nur sie hören konnten. Madita wurde von einer inneren Ruhe erfasst, die ihr gut tat.
Ihr dreiwöchiger Urlaub auf dieser beeindruckenden Insel hatte sie zur Einkehr gebracht und ihr das Gefühl gegeben, bei sich selbst angekommen zu sein. Während sie die aufkommende leichte Meeresbrise genoss, dachte sie darüber nach, wie schwierig es oft ist, seine Gedanken auszuschalten und auch auszuhalten; besonders dann, wenn sie um ein Thema kreisen, wie in diesem Augenblick die Möwen über ihrer Beute.
Gedanken! Das Wort ist nicht nur mit dem Denken verwandt, sondern es versteckt sich noch ein anderer Begriff sehr deutlich darin: Danken nämlich! Denken und Danken – diese beiden Ausdrücke unterscheiden sich nur durch einen einzigen Buchstaben.
Das Meer, das so friedlich vor ihr lag, blieb unbeeindruckt von ihren Gedanken, aber auch vom Raum und der Zeit. In 100 Jahren ist es noch genau an dieser Stelle, an der es vor Jahrmillionen entstanden ist. Das Leben in ihm veränderte sich allerdings ständig. Von einigen wenigen Exemplaren einmal abgesehen, würde kaum eines der heute darin lebenden Tiere das Meer in dieser fernen Zeit noch besiedeln.
Die Vielzahl und Anzahl der Fische und Säugetiere in den Ozeanen und Meeren dieser Welt überstieg Maditas Vorstellungskraft. Das galt ebenso für die Zahl der auf diesem Planeten lebenden Menschen: Über sieben Milliarden – eine wahrhaft gigantische Zahl. Doch auch für uns Menschen gilt das gleiche Gesetz wie für die Tiere an Land und im Meer: In 100 Jahren sind wir - bis auf wenige Ausnahmen - ALLE nicht mehr hier!
Ihr kam der Gedanke, dass im Angesicht der Unendlichkeit 100 Jahre nicht einmal ein Sandkorn im Stundenglas der Ewigkeit ist und wie schnell der Mensch vergisst, dass er nur ein Gast auf Erden ist und über keinen bleibenden Wohnsitz auf dem blauen Planeten verfügt. – Ihr kamen Worte in den Sinn, die dies untermauern: ‚Du kamst, du gingst mit leiser Spur, ein flücht´ger Gast im Erdenland. Woher? Wohin? Wir wissen nur - aus Gottes Hand in Gottes Hand.’
Madita fühlte eine große Ehrfurcht vor der Schöpfung. Wie klein sie war in Anbetracht der Größe des Meeres und doch fühlte sie sich mit ihm verbunden und als Teil eines großen Ganzen.
Eine leichte Wehmut stellte sich ein, als sie daran dachte, dass ihr Urlaub morgen zu Ende ging. Andererseits freute sie sich sehr auf ihr Zuhause. Nirgendwo auf der Welt fühlte sie sich geborgener und glücklicher. Zu Hause – das war mehr als vier Wände und ein Dach über dem Kopf. Es war auch mehr, als der Platz, wo das Bett stand – viel mehr. Bei dem Wort stieg ein Gefühl von Geborgenheit und Liebe in ihr auf. Zu Hause – das hatte etwas von Angekommensein.
Ein kleines Wölkchen setzte sich vor die Sonne und warf seinen Schatten auf die Erde, was Madita aus ihren Gedanken riss. Langsam erhob sie sich, um den Rückweg anzutreten. Die Zeit war gekommen, sich von der Insel zu verabschieden.
© Martina Pfannenschmidt, 2016 


Auch diese Geschichte
geht zu Elke -